KidsCircle.io-Gründerin Sabine Wildemann

KidsCircle.io-Gründerin Sabine Wildemann

Der Onlineservice KidsCircle.io bietet digitale interaktive Betreuung für Kinder zwischen vier und elf Jahren. In Video-Konferenzen wird geplaudert, gebastelt, getanzt und gezaubert - begleitet von qualifizierten Coaches.

Sabine Wildemann

© KidsCircle

KidsCircle.io-Gründerin Sabine Wildemann

Das Ziel des Berliner Start-up-Unternehmens ist es, Familien mit liebevoller und flexibler digitaler Kinderbetreuung zu unterstützen. Bis zu zwei Stunden täglich können Eltern die Videobetreuung durch erfahrene Coaches buchen, etwa wenn sie selbst an Homeoffice-Meetings teilnehmen müssen, wenn Schulen oder Kitas schließen, wenn der Babysitter kurzfristig absagt hat oder als Alternative zu TV, PC-Spielen und Co. Die technischen Voraussetzungen sind einfach, die Angebote vielfältig und mehrsprachig. Wir haben mit Gründerin Sabine Wildemann über ihr KidsCircle-Konzept und über Berlin als Gründerstadt für Start-ups gesprochen.

Berlin gilt als besonders beliebt bei Start-up-Gründern – Was glauben Sie, sind die Gründe dafür?

Berlin ist Berlin. In den vergangenen Jahren zählten sicher die vergleichsweise niedrigen Lebenshaltungskosten zu den Hauptgründen für die Beliebtheit unter jungen Gründern. Auch wenn sich dieser Umstand langsam verändert, ist Berlin im Vergleich zu London oder Paris immer noch ziemlich günstig und zieht dadurch gerade auch Talente aus anderen Ländern an.

Zudem gibt es viele institutionelle Förderprogramme für Start-ups. Wenn man da die passenden Voraussetzungen mitbringt, bekommt man in Berlin einen guten Einstieg hin. Im aktuellen Startup Barometer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY sehen wir unter anderem, dass Berliner Start-ups mit 314 Finanzierungsrunden stolze 42 Prozent aller in Deutschland gezählten Finanzierungsrunden ausmachen. Diese Zahlen sprechen auch klar für den Standort Berlin.

Wie verbreitet ist die digitale Kinderbetreuung und wie schlägt sich der Standort Berlin im Vergleich?

Für die digitale Kinderbetreuung ist der Standort glücklicherweise nicht relevant, da unser Angebot über den digitalen Kanal weltweit einsetzbar ist. Wir arbeiten mittlerweile mit Kids-Coaches aus Argentinien und Tunesien zusammen und begrüßen Kinder aus aller Welt.

Wie sind Sie auf die Idee zu KidsCircle gekommen? Die Corona-Krise war so ja nicht vorhersehbar.

Ursprünglich wollten wir mit KidsCircle.io im April 2020 klassische und flexibel buchbare Betreuungsangebote in Wohnortnähe schaffen, die Eltern an zahlreichen Standorten einer Stadt unterstützen. Wir hatten unseren Markteintritt an 15 Standorten in Berlin vorbereitet. All unsere Partner und Kids-Coaches standen in den Startlöchern, doch dann mussten wir Mitte März die Reißleine ziehen. Das war ein drastischer Schritt für uns alle.

Die Pandemie war für unser neues digitales Betreuungsangebot ganz klar Innovationsauslöser, denn wir waren gezwungen, unsere eigentliche Idee komplett neu zu denken und nach neuen Ansätzen zu suchen, wie wir dringend notwendige Betreuungsangebote realisieren können.

Wie haben Sie den Start der Gründung finanziert?

Aus eigener Tasche und privaten Darlehen.

Wie ist Ihr Team aufgestellt? Wer betreut die Kinder?

In der Grundkonzeption von KidsCircle haben wir uns auch mit der Problematik des Fachkräfteengpasses an Pädagog*innen in Deutschland auseinandergesetzt. Wir setzen daher in unserer Coach-Auswahl bewusst auf Menschen, die nicht zwangsläufig über einen pädagogischen Hintergrund verfügen, dafür aber eine mehrjährige Erfahrung in der Betreuung von Kindern nachweisen. So haben wir von Artist*innen, Erlebnispädagog*innen, Tanzlehrer*innen, Theaterpädagog*innen bis zu Museumspädagog*innen, Klinik-Clowns oder Honorarkräften aus Schulhorten ein breit gefächertes Angebot an tollen Menschen an Bord, die Kindern eine gute Zeit schenken möchten.

Wie viele Kinder welchen Alters kommen in einer Gruppe zusammen und wie gestaltet sich die Betreuung inhaltlich?

KidsCircle.io bietet digitale Betreuung für Kinder im Alter von vier bis elf Jahren. Unsere Betreuung funktioniert wie eine Video-Konferenz, nur mit viel mehr Spaß. Bei uns treffen sich bis zu vier Kinder und werden von einer online-erfahrenen Kids-Coach liebevoll betreut. Die Coaches animieren die Kinder zum Basteln, Tanzen, Experimentieren, Zaubern und vielem mehr und haben vor allem Zeit für Gespräche. Dabei geht es um Vertrauen, Interaktion und «Kindseindürfen».

Welche speziellen Angebote hat KidsCircle für Unternehmen?

Wir sind überzeugt, dass im Zuge der Veränderung hin zu hybriden Arbeitsmodellen betriebliches Familienbewusstsein zukünftig ein zentraler Faktor in der Positionierung von Unternehmen sein wird. Mit der digitalen Kinderbetreuung geben wir Arbeitgebern ein innovatives und niedrigschwelliges Mitarbeiter-Benefit an die Hand, das durch Stressreduzierung die Gesundheit der Mitarbeitenden fördert, ihre Produktivität erhöht und vor allem für eine bessere Vereinbarkeit von Arbeits- und Berufsleben sorgt. Damit haben Unternehmen einen weiteren und vor allem flexiblen Baustein, um ihre Mitarbeitenden mit Kindern langfristig zu binden. Wir bieten verschiedene Stundenkontingente an und zählen unter anderem die Gruner + Jahr GmbH, Sanofi, AstraZeneca oder den Cornelsen Verlag zu unseren Kunden.

Wo sehen Sie KidsCircle.io in einem Jahr? Was sind die nächsten Meilensteine?

Wir haben eine Menge vor in diesem Jahr, unter anderem schließen wir diesen Monat unsere erste Finanzierungsrunde mit vier großartigen Business Angel ab (Investoren, die sich sowohl finanziell als auch mit Know-how und der Vermittlung von Kontakten an jungen Unternehmen beteiligen), bauen die KidsCircle-Akademie auf und haben zwei zentrale Produkterweiterungen in der Planung.

Welche Tipps geben Sie Gründerinnen und Gründern?

Wer ein eigenes Business aufbauen möchte, sollte sich einen Fokus setzen und diesen unbedingt halten. Des Weiteren würde ich empfehlen, schon frühzeitig mit potenziellen Kunden in den Austausch zu kommen und so oft wie möglich zu iterieren.

Mit welchem erfolgreichen Gründer würden Sie gerne mal einen Tee trinken gehen und was würden Sie ihn oder sie fragen?

Mit Ingrid Ødegaard von Whereby (einem browserbasierten Tool für Online Meetings) und ich würde sie fragen, welchen Fehler sie in ihrer Business-Karriere nicht missen möchte.
Vielen Dank für das Interview!

Aktualisierung: Montag, 29. März 2021 16:21 Uhr

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