HomeMealDeal-Gründer Martin Schmidt und Mario Dugonik

HomeMealDeal-Gründer Martin Schmidt und Mario Dugonik

Das Berliner FoodTech-Start-up HomeMealDeal ermöglicht es Köchinnen und Köchen, Mahlzeiten in ihrer eigenen heimischen Küche zuzubereiten und zu verkaufen.

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© HomeMealDeal

HomeMealDeal-Gründer Martin Schmidt (l.) und Mario Dugonik (r.)

Das neuartige Konzept von HomeMealDeal, entstanden während der Corona-Pandemie, bietet Köchinnen und Köchen eine Verkaufsplattform für ihre Mahlzeiten und hilft ihnen, ihr Geschäft im eigenen Heim aufzubauen. Der Fokus liegt hierbei auf hausgemachter und authentischer Kost sowie auf einer Vielfalt von Nationalitäten. Im Interview sprechen Gründer Martin Schmidt und Mario Dugonik über die Entstehung ihres Unternehmens, die damit verbundenen Herausforderungen und ihre Zukunftspläne.

Berlin gilt als besonders beliebt bei Start-up-Gründern – Was glauben Sie, sind die Gründe dafür?

Martin Schmidt: Aus historischen Gründen ist Berlin sehr vielseitig und erfindet sich stetig neu - eine Dynamik die man nirgendwo anders finden kann und die Berlin unverwechselbar macht. Hier treffen die verschiedensten Persönlichkeiten aus der ganzen Welt aufeinander und bieten die passende Atmosphäre, um revolutionäre Ideen in die Welt tragen zu können. Auf diesem Fundament hat sich über die Jahre eine rege Start-up-Infrastruktur aufgebaut, welche eine hohe Sogwirkung auf Leute mit Ideen hat.

Die globale Food/Food Tech-Branche wächst. Wie schlägt sich Berlin im internationalen Vergleich?

Mario Dugonik: Berlin ist im Bereich FoodTech der absolute Vorreiter in Deutschland und muss sich auch vor internationalen Epizentren der Branche nicht verstecken. Über die letzten Jahre hat Berlin einige sehr erfolgreiche StartUps aus dem Bereich hervorgebracht und es hat sich eine hervorragende Infrastruktur für weitere große Projekte entwickelt.

Wie haben Sie den Start der Gründung finanziert und welche zusätzlichen Hürden mussten Sie aufgrund der Corona-Pandemie überwinden?

Martin Schmidt: Die ersten Monate haben wir uns mit Erspartem über Wasser gehalten - eine schwierige Zeit, die einen eisernen Glauben an unsere Mission erfordert hat. Seit Oktober 2020 werden wir über das Berliner Startup Stipendium von der Humboldt Universität und dem Berliner Senat aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert - ein sehr wichtiger Meilenstein!

Da wir ein Start-up sind, welches Menschen während der Corona-Pandemie hilft, gab es für das Geschäftsmodell keine Hindernisse. Im Gegenteil - wir erhalten sehr viel positive Resonanz von unseren Kunden und können ein starkes Wachstum aufweisen. Einzig der Wegfall von Netzwerkveranstaltungen hat unsere Möglichkeiten limitiert, unser Projekt der Berliner Start-up-Welt im großen Rahmen vorzustellen.

Was unterscheidet HomeMealDeal von den zahlreichen Lieferdiensten der Branche und welche besonderen Herausforderungen sind damit verbunden?

Mario Dugonik: Unsere Gerichte kommen aus privaten Küchen und nicht aus Restaurants! Unser Angebot sind authentische hausgemachte Mahlzeiten. Außerdem sind wir erschwinglich, denn für unsere Köche fallen Fixkosten, die zum Beispiel beim Anmieten von Räumlichkeiten entstehen, weg. Weiterhin bieten wir unseren internationalen Köchen die schöpferische Freiheit, echtes authentisches Essen aus ihrer Heimat anzubieten.

Wir sind das erste deutsche Unternehmen mit diesem Konzept. Diesen Punkt zu erreichen war nicht einfach und hat über 6 Monate voller intensiver Gespräche mit dem Berliner Senat, der Lebensmittelaufsicht und weiteren Ämtern erfordert. Im September 2020 ist uns der Durchbruch für den Bezirk Tempelhof-Schöneberg gelungen und wir verwenden jetzt alle Energien darauf, die strengen Auflagen des deutschen Gesetzes bei all unseren Köchen umzusetzen.

Beschreiben Sie den Aufnahmeprozess potenzieller Köche und Köchinnen in Ihr Netzwerk. Welche Voraussetzungen müssen diese erfüllen?

Martin Schmidt: Bei uns können sich interessierte Köche auf der Internetseite registrieren. An dieser Stelle werden Wohnort, Landesküche und einige weitere wichtige Daten erfasst. Wir haben für Berlin bereits über 200 Köche auf der Warteliste und es kommen wöchentlich 20 dazu. In einem ersten Telefongespräch wird die Kompatibilität der Ausrichtung von HomeMealDeal und der Interessen der Köche geprüft. Danach müssen alle Köche durch ein intensives Onboarding gehen.

Im ersten Schritt werden alle gesetzlichen Voraussetzungen geprüft. Diese beinhalten beispielsweise den Nachweis einer Belehrung nach §§ 42 und 43 des Infektionsschutzgesetzes («Rote Karte») und eine umfangreiche Schulung zur Lebensmittelhygiene-Verordnung (LMHV). Hier lernen die Köche alle relevanten gesetzlichen Pflichten und Hygienevorschriften im Detail kennen. So müssen unter anderem private und gewerbliche Lebensmittelkreisläufe getrennt werden, was die Anschaffung eines zweiten Kühlschranks erfordert.

Im nächsten Schritt müssen die Köche ein Gewerbe anmelden. Von uns erfahren sie auch, wie man ein kleines Restaurant aus der eigenen privaten Küche sicher und effizient führen kann. Im Folgenden werden die Köche auf unserer Plattform freigeschaltet und können sofort damit beginnen, Essen zuzubereiten und zu verkaufen.

Das Konzept hat hohe Popularität bei unseren Köchen, da so ein eigenes Geschäft aus der eigenen Wohnung ohne größere finanzielle Investitionen aufgebaut und betrieben werden kann. Wir liefern unseren Partnern die passenden Kunden und es kann ab dem ersten Tag gewinnbringend Geld erwirtschaftet werden.

Womit verdient HomeMealDeal Geld?

Mario Dugonik: Da es unsere große Motivation ist, Köchen während des Lockdowns zu helfen und diese Menschen aus der Arbeitslosigkeit zu führen, verdient HomeMealDeal zur Zeit kein Geld. Dies können wir uns aufgrund unserer starken Förderpartner leisten. Nach der Corona-Pandemie werden wir eine Vermittlungsgebühr auf jede verkaufte Mahlzeit erheben.

Natürlich wollen wir vermeiden, dass unsere Köche zu hohe Preise für die Mahlzeiten verlangen. Mit Schulungen zum Thema Kundengewinnung und -bindung machen wir sie deshalb fit für den Markt. So entstehen später für die Vermittlung von Kunden seitens unserer Plattform weniger Marketingkosten, die auf Vermittlungsgebühren und somit auch auf die Preise für Konsumenten umgeschlagen werden müssten.

Wie viele Nutzer hat HomeMealDeal mittlerweile und gibt es eine spezielle Zielgruppe?

Mario Dugonik: Aktuell operieren wir nur im Bezirk Tempelhof-Schöneberg und haben hier 16 Köche und ca. 1000 Kunden - Tendenz steigend. Auch das Medieninteresse steigt.

Unsere ertragreichste Zielgruppe sind junge Familien, welche aufgrund von verschiedenen Verpflichtungen nicht jeden Tag für sich und die eigenen Kinder kochen können. Wir bieten ihnen gesundes hausgemachtes Essen zu erschwinglichen Preisen und lösen damit eines ihrer größeren Probleme.

Da unsere Köche aus der ganzen Welt kommen, können wir ein breites Angebot aus authentischem und hausgemachtem Essen verschiedenster Nationalitäten zur Verfügung stellen, welches auch Menschen mit Migrationshintergrund ein Gefühl von Heimat vermittelt und die volle unverfälschte Gastronomie der Welt nach Berlin bringt.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in einem Jahr? Was sind die nächsten Meilensteine?

Martin Schmidt: Für April 2021 ist eine Expansion innerhalb der kompletten Hauptstadt geplant. Im September 2021 wollen wir unsere Geschäftstätigkeiten nach München, Hamburg und Köln ausweiten. Im Laufe der folgenden Monate ist eine Expansion in jede Großstadt in Deutschland, Österreich und der Schweiz unser Ziel. Im Februar 2022 wollen wir 500 aktive Köche und 50.000 Kunden haben. Dies ergibt nach aktuellen Hochrechnungen rund 100.000 verkaufte Gerichte pro Monat. Für diesen ambitionierten Plan benötigen wir einen starken Partner an unserer Seite und suchen derzeit den passenden Investor.

Welche Tipps geben Sie Gründerinnen und Gründern?

Martin Schmidt: Ein gutes Produkt darf nicht in Perfektionismus ausarten. Viele Start-ups haben eine tolle Idee und ein tolles Produkt, aber wagen viel zu spät den Schritt in die Wirklichkeit. Es ist sehr wichtig, schnell auf den Markt zu gehen und erste Erfahrungen zu sammeln. Theoretische Überlegungen sind gut, aber die Praxis sieht nochmal komplett anders aus.

Mit welchem erfolgreichen Gründer würden Sie gerne mal einen Kaffee trinken gehen und was würden Sie ihn oder sie fragen?

Mario Dugonik: Mit Niklas Östberg, Kolja Hebenstreit, Markus Fuhrmann und Lukasz Gadowski von Delivery Hero! Wir sind sehr beeindruckt, wie die vier Gründer die Food-Branche weltweit nachhaltig verändern konnten. Wir glauben, hier könnten wir viel für unsere eigene Vision lernen und erfahren, wie man diese Idee im großen Rahmen auf den Markt bringen kann. Es gibt auch gewisse Überschneidungen unserer Zielgruppen, ohne direkt im Wettbewerb zueinander zu stehen, was einen Ideenaustausch sehr effizient für beide Seiten machen könnte.
Vielen Dank für das Interview!

Das Angebot von HomeMealDeal finden Sie auf www.homemealdeal.com. Das Interview haben wir im Januar 2021 geführt.

Letzte Anpassungen wurden im April 2021 vorgenommen.

Aktualisierung: Dienstag, 6. April 2021 12:10 Uhr

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