JobUfo-Geschäftsführer Benjamin Maischak

JobUfo-Geschäftsführer Benjamin Maischak

Mit der App des Berliner Start-ups JobUfo können sich Jugendliche per Smartphone-Video bei Unternehmen bewerben. Welche Vorteile sich daraus sowohl für Bewerber als auch für Personaler ergeben, erklärt JobUfo-Geschäftsführer Benjamin Maischak im Interview.

Benjamin Maischak

© JobUfo

JobUfo-Geschäftsführer Benjamin Maischak

Herr Maischak, stellen Sie doch bitte kurz das Start-up vor.

JobUfo macht es für Bewerber und Unternehmen möglich, dass man Videos als Bestandteil von Bewerbungen nutzen kann. Das Video ersetzt dabei nur das Motivationsschreiben, da viele Bewerber Probleme dabei haben, diese aussagekräftig zu gestalten. Über die von uns in Zusammenarbeit mit Microsoft entwickelte App kann man noch den Lebenslauf eingeben, seine Zeugnisse anfügen und sich auf mehr als 70.000 Stellen in ganz Deutschland bewerben. Während des gesamten Bewerbungsprozesses stehen wir Bewerbern zur Verfügung, indem wir sie in Sachen Berufsorientierung, Bewerbung und Stellensuche beraten.

Wie ist die Idee zu dem Unternehmen entstanden?

Thomas (Co-Geschäftsführer Thomas Paucker, Anm. d. Red.) und ich haben JobUfo aus dem Studium heraus gegründet, weil wir uns schon damals für Personalwesen interessiert haben. Ich hatte Erfahrung als Lehrer und Personalverantwortlicher gesammelt und festgestellt, dass eigentlich nur Bewerbungsgespräche eine wirkliche Unterscheidungsmöglichkeit zwischen Bewerbern bieten. Auf der Grundlage der schriftlichen Bewerbung war es sehr schwer, die richtigen Kandidaten zu identifizieren. Wir wollten Unternehmen und Bewerbern die Möglichkeit geben, sich viel menschlicher und authentischer als im Bewerbungsgespräch kennenzulernen.

Eine Bewerbung per Video erfordert den Mut, sich vor laufender Kamera selbst zu präsentieren – wie wird die App von den jungen Bewerbern angenommen?

Junge Menschen haben durch ihren alltäglichen Umgang mit neuen Medien eine weniger große Hemmschwelle der Selbstpräsentation. Sie sind durch Instagram und YouTube geschult in der Videoaufnahme. Wir erleben dabei auch viele junge Menschen, die im normalen Alltag zurückhaltend sind, dann aber aufblühen, wenn das Smartphone ins Spiel kommt. Wir sind auch gerade in der Zusammenarbeit mit unseren Partnerschulen und den Lehrern immer wieder erstaunt.

JobUfo kooperiert bereits mit namhaften Unternehmen wie Deutsche Bahn, Edeka oder Nordsee – wie konnten Sie diese davon überzeugen, die Videobewerbung für ihre Personalsuche zu nutzen? Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Personalern?

Personaler stehen vor zwei Herausforderungen: einmal, dass sie mehr Bewerbungen auf ihre Stellenanzeige bekommen möchten und dass sie im Anschluss die Entscheidung treffen müssen, wer ins Unternehmen passt und wer nicht. Mit Videobewerbungen ergänzen und erweitern wir das Spektrum für mögliche Kanäle für Bewerbungen und helfen damit Personalern bei der Zahl der erhaltenen Bewerbungen.

Durch die Videos ist es dann möglich, viel mehr über die Bewerber wahrzunehmen. Kommunikationsfähigkeit, Sprache, Mimik und vieles mehr sind Dinge, die man schriftlich nicht in dem Maße erkennen kann. Auf dieser Grundlage lassen sich bessere Entscheidungen schon vor dem Bewerbungsgespräch treffen und dann dort bestätigen. Wir haben sehr positives Feedback von Personalverantwortlichen in diesen beiden Bereichen erhalten.

Wie groß ist Ihr Team?

Wir sind im Moment 23 Leute bei JobUfo. Wir freuen uns sehr, dass wir in den letzten Wochen stark wachsen konnten und arbeiten jetzt daran, noch mehr Bewerbern und Unternehmen zu helfen und dafür auch neue Hilfsmittel zu bauen.

Wie finanziert sich JobUfo?

JobUfo finanziert sich ausschließlich über Unternehmen. Diese zahlen für die Nutzung unserer Software. Für Bewerber und unsere Bildungskooperationspartner wie z.B. Schulen ist JobUfo komplett kostenfrei.

Wie geht es mit JobUfo weiter, welche Ziele verfolgen Sie mit dem Unternehmen langfristig?

Erst einmal wollen wir zeigen, dass wir alle Arten von Unternehmen mit Bewerbern zusammenbringen können. Es geht nicht nur um die Großen, sondern auch um den kleinen Betrieb um die Ecke. Langfristig haben wir das Ziel, dass Bewerben besser wird. Dies wollen wir dadurch erreichen, dass es für alle einfacher wird, aussagekräftige Bewerbungsunterlagen zu erstellen die einen echten Mehrwert bieten. Das hilft beiden Seiten und wir können einen Beitrag dazu leisten, dass die Lücke zwischen Unternehmen und Fachkräften, nicht nur Berufseinsteigern, kleiner wird.

Bei einer Unternehmensgründung lauern viele Stolperfallen - Was war im Nachhinein gesehen Ihr größter Fehler und was haben Sie daraus gelernt?

Wir haben ganz am Anfang nicht immer darauf geachtet, ob Personen ins Team passen. Hätten wir bloß damals schon Videobewerbungen gehabt (lacht).

Berlin gilt auch als Start-up-Hauptstadt - Inwieweit hat die Berliner Gründer-Szene Sie inspiriert?

Berlin inspiriert uns jeden Tag. Man trifft hier die unterschiedlichsten Menschen, die an tollen Ideen arbeiten, aber immer offen sind für den Austausch. Wir haben viel von anderen mitnehmen können und die Nähe und Offenheit von etablierten Unternehmen hilft uns auch sehr weiter. Diese Unternehmer nehmen sich oft die Zeit uns zu helfen. Die größere Erfahrung in vielen Dingen hilft uns immens beim Aufbau unseres Unternehmens.

Wenn Sie jungen Gründerinnen und Gründern einen Tipp geben könnten, welcher wäre das?

Seid offen und mutig. Ideen müssen mit anderen besprochen werden. Dritte geben euch wichtige Tipps, gute Kritik und werden vielleicht eure Mitstreiter in den unterschiedlichsten Formen. Das hat uns immer geholfen!

Vielen Dank für das Interview!

Das Interview mit Benjamin Maischak haben wir im Oktober 2018 geführt.
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Aktualisierung: Freitag, 2. November 2018 11:55 Uhr

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