MQ Real Estate-Gründer Björn-M. Hiss und Dr. Nikolai Jäger

MQ Real Estate-Gründer Björn-M. Hiss und Dr. Nikolai Jäger

MQ Real Estate entwickelt modulare Hotels auf oberirdischen Parkhäusern. Im Interview stellen die beiden Gründer ihr ungewöhnliches Immobilienkonzept vor.

MQ Real Estate

© MQ Real Estate GmbH

Die Gründer von MQ Real Estate, Dr. Nikolai Jäger (li.) und Björn-M. Hiss (re.)

Können Sie die Mission von MQ Real Estate in drei Sätzen beschreiben?

Dr. Nikolai Jäger: Uns geht es darum, etwas Neues schaffen, was so noch nicht existierte. Wir realisieren Hotels, Mikrowohnungen oder Bürogebäude aus Holzmodulen auf den Dächern von Bestandsgebäuden. Anders ausgedrückt: Wir verfolgen das Konzept der städtischen Nachverdichtung und setzen auf Bestandsimmobilien wie zum Beispiel Parkdecks, die oft ungenutzt sind, noch einen "oben auf".

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, modulare Hotels auf Parkdecks zu errichten?

Dr. Nikolai Jäger: In 2014 saßen mein Mitgründer Björn und ich im Restaurant des KaDeWe in Berlin zusammen und sahen auf der gegenüberliegenden Seite ein gänzlich ungenutztes Parkdeck. "Was für eine Verschwendung in einer Stadt, die so aus den Nähten platzt wie Berlin", dachten wir uns. Wir stiegen inhaltlich in das Thema Nachverdichtung ein und verbanden die Idee, auf Dächern zu bauen mit meinem früheren Gedanken der Modulbauweise.

Können Sie uns kurz beschreiben, wie die modularen Hotels gefertigt werden?

Björn Hiss: Unsere Zimmermodule werden aus dem nachwachsenden und damit nachhaltigen Werkstoff Holz gefertigt. Wir verwenden hierfür Massivholz, sogenannte CLT Platten (Cross Laminated Timber), also kreuzweise verleimten Einschichtplatten. Dies führt zu einer ausgeglichenen CO2 Bilanz – in unserem ersten Skypark Berlin sind mehr als 1.500 Tonnen CO2 gebunden; es ist damit ein CO2 negatives Gebäude in seiner Herstellung – und entlastet somit die Umwelt.
MQ Skypark Berlin
Der zukünftige "Skypark" auf dem Dach des Ring-Centers in Berlin.

Sehen Sie neben Hotels auch andere Einsatzmöglichkeiten für Ihr Immobilienkonzept – vielleicht auch Wohnraum?

Björn Hiss: Ja auf jeden Fall planen wir, nicht nur bei Hotels zu bleiben. Gerade weil bezahlbarer Wohnraum ein so großes Thema in den meisten deutschen Großstädten ist, sehen wir hier großen Handlungsbedarf. Unser Konzept ist ebenso auf Studentenwohnheime oder Mikroapartments gut anwendbar. Es gibt in der ganzen Bundesrepublik unzählig viele Flächen, die sich dafür anbieten würden.

Wie groß ist Ihr Team?

Björn Hiss: Derzeit besteht unser Team aus 6 festen Mitarbeitern und 5 freien Mitarbeiter. Des Weiteren arbeiten rund 30 Ingenieure und Berater aus unterschiedlichen Bereichen für uns, an die wir Leistungen "outgesourced" haben.

Wie finanzieren Sie sich in der Zwischenzeit?

Dr. Nikolai Jäger: Wir sind durch verschiedene Business-Angels und Family Offices sowie die Triodos Bank finanziert - inzwischen ist ein achtstelliger Betrag in MQ Real Estate und seine Tochtergesellschaften geflossen.

Bei einer Unternehmensgründung lauern viele Stolperfallen - Was war im Nachhinein gesehen Ihr größter Fehler und was haben Sie daraus gelernt?

Dr. Nikolai Jäger: Wir haben natürlich sehr viele Fehler gemacht und das ist auch gut so. Denn aus den Fehlern können wir lernen, wachsen und besser werden. Und das wird auch niemals aufhören. Wir haben uns zum Ziel gesetzt in Zukunft nur eben "bessere" Fehler zu machen.

Welche Ziele verfolgen Sie mit MQ Real Estate langfristig?

Björn Hiss: Wir planen ab dem kommenden Jahr mindestens 2-3 Projekte pro Jahr zu realisieren und bis 2021 über 1000 Module zu bauen. Das Ziel ist, in 5 Jahren ein mittelständisches Unternehmen aufzubauen, das auf soliden Füßen steht, in gut strukturierten Prozessabläufen arbeitet und auf ein motiviertes, verlässliches Team setzen kann. MQ Real Estate soll ein bedeutender Spieler in der Immobilienbranche werden und als erstes in den Sinn kommen, wenn es um nachhaltige und innovative Nachverdichtungsprojekte geht.

Berlin gilt auch als Start-up-Hauptstadt - Inwieweit hat die Berliner Gründer-Szene Sie inspiriert?

Dr. Nikolai Jäger: Berlin ist in mehrerlei Hinsicht eine tolle Stadt: sehr abwechslungsreich und vielfältig zum Leben und durch die Berliner Gründer-Szene ideal geeignet um Unternehmen ins Leben zu rufen. Dies ist in Berlin wie in keiner anderen deutschen Stadt gegeben. Es hat sich ein ganzes Ökosystem rund um das Thema Start-Up entwickelt. Dies betrifft sowohl den möglichen, oft sehr fruchtbaren Austausch mit anderen Gründern an als auch die Zugänge zu Frühphaseninvestoren bzw. auf Start-Ups fokussierte Dienstleister. Aus diesen Gründen hatten wir uns ganz bewusst für Berlin entschieden und sind in die Stadt gezogen, um dort MQ Real Estate zu gründen.

Wenn Sie jungen Gründerinnen und Gründern einen Tipp geben könnten, welcher wäre das?

Björn Hiss: Lasst euch nicht von Skeptikern und Kritikern irritieren und entschleunigen, sondern geht mutig und bestimmt euren Weg. Diese Determiniertheit und Leidenschaft wird sich auszahlen!

Vielen Dank für das Interview!

Das Interview haben wir im Juni 2018 geführt.

Aktualisierung: Freitag, 8. Juni 2018 16:21 Uhr

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