Horizn-Gründer Stefan Holwe

Horizn Studios entwickelt Koffer und Taschen mit spannenden technologischen Features. Stefan Holwe spricht im Interview über die Idee und warum Berlin der richtige Ort für das Startup ist.
Die Gründer der Horizn Studios
Die beiden Gründer: Jan Roosen (links), Stefan Holwe(rechts) © Horizn Studios

Berlin gilt auch als Start Up-Hauptstadt – Was glauben Sie warum so viele Gründer nach Berlin kommen?

Schon seit langer Zeit ist Berlin ein Magnet für junge Menschen mit Tatendrang und kreativem Drive. Der Freigeist der Stadt, das im Vergleich erschwingliche Leben, der hohe Anteil von Menschen aus verschiedenen Regionen und Kulturen der Welt – all das trägt, denke ich, stark dazu bei. Gründer schätzen diese Aspekte natürlich ebenfalls, was allerdings für sie noch mehr zählt, ist der Zugang zu jungen, kreativen, und technologisch kompetenten Talenten. Mit dem mittlerweile auch guten Zugang zu Kapital, um neue Ideen starten oder wachsen lassen zu können, schließt sich der Kreis. Es fließt inzwischen in keiner anderen europäischen Stadt mehr Venture Capital in Startups als in Berlin.

Inwieweit beeinflusst die Atmosphäre der Stadt Ihre Arbeit hier?

Der besagte Freigeist, die generelle Neugierde und das Interesse daran Dinge einmal anders zu denken sind wichtige Aspekte einer starken Start-Up Kultur. Junge, disruptive Unternehmen wie unseres tun letztendlich nichts anderes: Sie betrachten kritisch das “Establishment”, bzw. tradierte und etablierte, oftmals von einem bis wenigen Akteuren dominierte Märkte, und überlegen sich neue Ansätze, mit denen sie alteingesessene Strukturen durchbrechen und umkrempeln können. Daraus entsteht meist eine deutliche Verbesserung und wenn sie stark genug ist, sogar eine tektonische Verschiebung der Verhältnisse.

Der Reisegepäckmarkt ist ein gutes Beispiel. Hier haben es sich ein paar sehr wenige, etablierte Unternehmen sehr bequem gemacht. In Strukturen, die oftmals ein halbes Jahrhundert zurückgehen, verdienen sich diese Konzerne eine goldene Nase und eine irrsinnige Kette an Mittelsmännern und Retail-Strukturen verdient mit. So verachtfacht (!) sich der Preis eines Qualitätskoffers auf dem Weg von der Produktion zum Kunden. Das ist doch absurd. Wir sind überzeugt, dass es an der Zeit ist, dass ein junges Unternehmen dieses ‘Establishment’ ein bisschen aufmischt. Das tun wir nun seit einem Jahr mit Horizn Studios, sehr erfolgreich hier aus Berlin heraus.

Ihr persönlicher Lieblingshotspot in der Stadt? Wo halten Sie sich gern auf?

Da ich sehr viel reise, ist es für mich immer ein Highlight einen Tag in meinem Kiez - im Kreuzberger Süden - zu verbringen. Ich bin allerdings auch - so verrückt sich das vielleicht anhört - gern am Flughafen Berlin-Tegel. Besonders wenn ich länger unterwegs war, ist es immer wieder ein tolles Gefühl in Tegel anzukommen.
Natürlich ist Tegel in vielerlei Hinsicht kein Vorzeige-Flughafen mehr und nötige Innovation und Erweiterungen sind offensichtlich. Dennoch ist es beeindruckend, wie effizient dieser Zwerg unter den Metropolen-Flughäfen zu funktionieren scheint.

Können Sie die Idee, die hinter Horizn Studios steht, in drei Sätzen beschreiben?

Mit Horizn Studios durchbrechen wir tradierte Strukturen im Reisegepäckmarkt und entwickeln Koffer und Taschen für urbane Vielreisende. Mit hohem Design-Anspruch, der branchenweit höchsten Material- und Verarbeitungsqualität und innovativen technologischen Features erhält der Kunde bei uns ein Produkt für das er im klassischen Handel mindestens das 3-fache zahlen würde. Das ist uns möglich, da wir weitaus effizienter als der Rest des Marktes ausschließlich direkt an unsere Kunden vertreiben, und so x-fache Mark-Ups einsparen, die andere Marken für ihre Zwischenhändler und Retail-Partner einkalkulieren müssen: uns gibt es 24/7 online, sowie im eigenen Geschäft in Berlin-Mitte.

Wie groß ist Ihr Team?

Wir sind ein internationales Team von rund 25 Mitarbeitern. Mein Co-Gründer Jan Roosen und ich teilen uns die Unternehmensbereiche von Produktentwicklung und Design, über Supply-Chain und Business Intelligence, bis zu IT und Marketing auf. In jedem Bereich setzen wir auf eine gesunde Mischung aus erfahrenen Köpfen und jungen Talenten. Unser Design Team hat bereits Taschen und Accessoires für Calvin Klein, Mulberry, Alexander McQueen oder Rick Owens entwickelt - in der Produktion arbeiten wir ebenfalls nur mit den jeweils besten Manufakturen weltweit.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus?

Ich beginne schon früh bei mir am Küchentisch mit einem Kaffee und sortiere mich für den Tag. Auf dem Weg zur Arbeit mache ich die ersten Telefonate. Im Büro bespreche ich mich mit meinen Kollegen zu den aktuellsten Themen und Herausforderungen. Meistens geht es weiter mit einer Reihe an Meetings mit Kooperationspartnern, Mitarbeitern, Kandidaten, oder Investoren. Das ist ein Mix aus physischen Treffen und Skype- oder Uber-Konferenzen. Am Ende des Tages stimme ich mich meist noch einmal mit meinem Geschäftsführungs-Kollegen Jan ab und wir bringen uns jeweils auf den aktuellsten Stand.

Womit verdient Horizn Studios Geld?

Wir verkaufen über unseren Online-Shop und unseren Store in Berlin-Mitte smartes Reisegepäck, Taschen und Accessoires. Dabei setzen wir auf das bewährte Cut-out-the-Middlemen Prinzip. So sparen wir die Kosten für Zwischenhändler, durch die sich der Produktpreis immens steigert. Diese effizienten Vertriebsstrukturen ermöglichen es uns, unseren Endkunden höchste Qualität, edles Design und innovative Technologien zu vergleichsweise günstigen Preisen anzubieten und für uns eine immer noch attraktive Marge zu erwirtschaften.

Wie sind Sie auf die Idee zu Horizn Studios gekommen?

Ich bin mein Leben lang sehr viel gereist. Bereits als Teenager in abgelegene Surf-Spots, sowie dann später geschäftlich viel an die üblichen Orte. Wenn man so viel Zeit auf Reisen und im Flieger verbringt, entwickelt man eine große Aufmerksamkeit und Wertschätzung für die kleinen Details, die das Reisen angenehmer und entspannter machen. Sehr häufig dachte ich mir unterwegs: das geht besser!

Besonders beim Gepäck sah ich besonders großes Verbesserungspotenzial. Über Jahrzehnte hat die Branche kaum Innovationen hervorgebracht. Die größte Innovation der letzten 20 Jahre war der Schritt von zwei auf vier Rollen. Das ist doch unglaublich. Wir leben heute in einer hypermobilen und hypervernetzten Welt - wir sind permanent miteinander verbunden, mehr und mehr auch mit unseren ‘Dingen’, alles ist digitalisiert. Der Gepäckmarkt hat sich jedoch kaum verändert, auch weil Traditionsmarken diesen riesigen Markt beinahe allein beherrschen.

Das Geschäftsmodell der etablierten Marken ist höchst traditionell und bedient nicht mehr zeitgemäß das Bedürfnis der Kunden. Das gilt sowohl für fehlende Features wie GPS und Smart Charger, als auch für ein angemessenes Verhältnis zwischen Preis und Qualität. Die Branche ist komplett ‘wholesale-getrieben’, wodurch der Preis sich von Produktion bis Endkunde durch die verschiedenen Zwischenhändler immer weiter steigert. Wir wissen heute, das geht besser. Nämlich direct-to-consumer, online-first. Und eine richtig spannende Marke für die neue Generation an Reisenden konnten wir weit und breit nicht sehen. Es war einfach Zeit hier etwas Neues zu schaffen und diese Marktlücken zu schließen.

Vor einigen Jahren lernte ich Jaimal Odedra kennen, in Marrakesch. Jaimal hat bereits die Taschen und Accessoires für Calvin Klein, Givenchy, Mulberry und Ralph Lauren entwickelt. Mit der Zeit wurden wir gute Freunde, und so war es natürlich toll, als ich ihn eines Tages anrufen konnte, um nun gemeinsam an der eigenen Marke zu arbeiten.

Mein Co-Founder Jan Roosen war dann die perfekte Ergänzung: Wir sind wie right brain und left brain, wie Sturm und Verteidigung. Damit konnte es so richtig losgehen.

Wenn Sie jungen Gründerinnen und Gründern einen Tipp geben könnten, welcher wäre das?

Da bin ich zurückhaltend. Ich denke jeder Gründer ist anders und bringt seine eigene Persönlichkeit und Stärken mit. Klar ist es ratsam hohes Durchhaltevermögen zu haben und sich nicht unterkriegen zu lassen wenn es mal bumpy ist. Aber das haben die Meisten hier denke ich bereits mehrfach gelesen. ‘Enjoy the Journey!’ vielleicht.

Was ist neben Ihrer Idee das nächste große Dinge im Internet?

Es gibt noch so viele Bereiche die frischen Wind vertragen könnten. Besonders spannend, denke ich, ist hier zum Beispiel der Gesundheits-Sektor. Artificial Intelligence sowie Virtual & Augmented Reality werden unser Leben zudem in den kommenden zehn Jahren aufregend verändern, denke ich.

Aktualisierung: Montag, 12. September 2016 15:58 Uhr

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