Little Sun Geschäftsführer Felix Hallwachs

Little Sun Geschäftsführer Felix Hallwachs

Little Sun ist ein Social Business, das sich auf solarbetriebene Produkte spezialisiert hat. Wir haben mit dem Geschäftsführer Felix Hallwachs gesprochen.

Felix Hallwachs

© Claus Morgenstern

Little Sun Geschäftsführer Felix Hallwachs

Berlin gilt auch als StartUp-Hauptstadt – Was glauben Sie warum so viele Gründer nach Berlin kommen?

Weil Berlin eine kreative Stadt ist, die schon immer viele inspirierende Menschen angezogen hat und weiterhin anzieht. Als Gründer findet man sich in insofern in bester Gesellschaft, und findet entsprechend auch gute Mitstreiter für Projekte.

Inwieweit beeinflusst die Atmosphäre der Stadt Ihre Arbeit hier?

Wir leben in der Stadt und mit der Stadt, und arbeiten gerne in Berlin und aus Berlin heraus. Die Atmosphäre ist da natürlich wichtig. Für Little Sun ist es natürlich auch unglaublich hilfreich, dass Berlin so international ist. Als global tätiges Unternehmen finden wir hier sowohl Mitarbeiter, die schon überall auf der Welt gearbeitet haben, als auch ein spannendes Netzwerk von potenziellen Partnern und Freunden. Berlin hat ja auch eine große afrikanische Gemeinschaft, die wir bei Konzerten oder anderen kulturellen Veranstaltungen, wie zum Beispiel beim Afrikamera Filmfestival treffen können und es uns so ermöglicht, von Berlin aus Solarenergie in die Welt tragen.

Ihr persönlicher Lieblingshotspot in der Stadt? Wo halten Sie sich gern auf?

Da gibt es viele, je nach Tages- und Jahreszeit, und natürlich nach Wochentag. Das kleine Café an der Ecke auf dem Weg zum Studio ist in jedem Fall ein Anwärter auf den Titel „Lieblingsspot“. Jetzt gerade freue ich mich besonders darauf, bald endlich wieder die diversen „green spots“ unserer Stadt genießen zu können – natürlich vor allem, um unser neues Produkt, das Solarladegerät Little Sun Charge endlich vernünftig aufladen zu können.

Können Sie die Idee, die hinter Little Sun steht, in drei Sätzen beschreiben?

Sogar in drei Worten: Solarenergie für Alle.
Im Ernst: Bei Little Sun geht es darum Menschen mit der Kraft der Sonne zu verbinden – überall auf der Welt. Wir müssen alle lernen nachhaltig zu handeln, die Energie der Erde zu teilen, und gemeinsam Lösungen für die Zukunft finden. Little Sun ist ein Sozialunternehmen mit dem Ziel, saubere Energie zu Menschen in der Welt zu bringen, die ohne konstante Stromversorgung leben, damit Kinder auch nach Einbruch der Dunkelheit lesen, lernen und spielen können – ohne giftige Dämpfe von Petroleumlampen einzuatmen.

Wie groß ist Ihr Team?

Hier in Berlin arbeiten 19 Leute am Erfolg des Projekts, darunter sind sowohl gebürtige Berliner als auch Solarenergie-Fans aus anderen Teilen Deutschlands und Europas, den USA und Australien. In Afrika arbeiten wir mit lokalen Unternehmern, die unsere Little Sun Produkte zu einem günstigen Preis bekommen und von uns mit Business-Training und Marketingmaterialien unterstützt werden. So können wir nachhaltige Vertriebsstrukturen vor Ort aufbauen, die sowohl Arbeitsplätze als auch lokale Profite schaffen.


Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus?

Der ist typisch von vielen Reisen geprägt: von Europa nach Afrika, von Kunst zu Technik, von Kommunikation zu Zollformalitäten. Wir arbeiten mit fantastischen Menschen aus vielen Ländern zusammen daran, ein globales Projekt mit einer Grasswurzelmethode aufzubauen. Jeder Tag ist spannend. Sei es, weil wir darauf warten, dass eine Lieferung rechtzeitig in Äthiopien ankommt oder weil in einer Schule in Berlin ein neuer Workshop zum Thema Sonne und Nachhaltigkeit startet. Es laufen so viele Projekte gleichzeitig, dass ich meistens vor allem damit beschäftigt bin, nicht den Überblick zu verlieren.

Womit verdient Little Sun Geld?

Geld verdienen wir mit dem Verkauf von solarbetriebenen Produkten. In Europa verdienen wir damit mehr, in Afrika weniger. Momentan gibt es noch keine Gewinne zu verzeichnen, aber langfristig werden wir Profite in die Erweiterung des Projektes in Afrika investieren.
Wir sind allerdings kein Charity-Projekt, sondern ein Social Business, das überall auf der Welt für gesunden Energiezugang sensibilisiert. Der Verkauf in Europa ermöglicht es uns, die Produkte zu lokal erschwinglichen Preisen nach Afrika zu bringen, wo sie die lokale Wirtschaft unterstützten. Wer hier eine Little Sun kauft, sorgt deshalb direkt dafür, dass Solarenergie zu günstigen Preisen zu Menschen kommt, die es wirklich brauchen. Gemeinsam investieren wir mit allen unseren Kunden und Partnern in eine nachhaltige und skalierbare Lieferung von Solartechnik. Überall hin.

Wie sind Sie auf die Idee zu Little Sun gekommen?

Der Künstler Olafur Eliasson und der Ingenieur Frederik Ottesen hatten die Idee, Solarenergie greifbar zu machen. In Form einer kleinen Sonne ist es einfacher, Menschen auf das abstrakte Thema des Energiezugangs aufmerksam zu machen – und es schien einfacher machbar als das Solarflugzeug, an dem Frederik gerade arbeitete. Außerdem gibt es den klaren Bedarf. Weltweit leben 1,1 Milliarden Menschen ohne Stromzugang. Kinder machen abends im Licht von teuren Petroleumlampen Hausaufgaben, die pro Tag so ungesund sind, wie das Rauchen von 40 Zigaretten. Bereits in der Gründungsphase wurde uns klar, dass dieser Bedarf riesig ist und deshalb unbedingt eine skalierbare Lösung her musste - daher wurde Little Sun zum „Social Business“.

Wenn Sie jungen Gründerinnen und Gründern einen Tipp geben könnten, welcher wäre das?

Seid begeistert und lasst Euch nicht aufhalten. Seid großartig vorbereitet, aber seid auch naiv genug einfach anzufangen. Plant voraus aber experimentiert auch kontrolliert. Und die wichtigste Frage vor der Gründung: Liebt Ihr Euer Projekt?

Was ist neben Ihrer Idee das nächste große Ding im Internet?

Wir arbeiten daran Solarenergie digital zu machen. Das dauert aber vermutlich noch etwas. Aber auf jeden Fall werden The Internet of Things und Open Source-Technik hoffentlich dabei helfen, auch Solarenergie einfacher verfügbar zu machen. Wenn Menschen dank Anleitung selbst kleine Solarmodule oder andere praktische Alltagsgeräte bauen können, wäre das eine riesige Errungenschaft.

Aktualisierung: Donnerstag, 31. März 2016 17:10 Uhr

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