Urban Sports Club-Gründer Moritz Kreppel

Urban Sports Club-Gründer Moritz Kreppel

Urban Sports Club will eine Sportflatrate für die ganze Stadt etablieren. , mit der man flexibel ist und ein vielfältiges Sportangebot nutzen kann.

Moritz Kreppel

© Urban Sports Club

Urban Sports Club Gründer Moritz Kreppel und Benjamin Roth

Berlin gilt auch als Startup-Hauptstadt – Was glauben Sie, warum so viele Gründer nach Berlin kommen?

Für mich sind es die Vielfalt und die Lebendigkeit, die Berlin als Stadt so einzigartig und damit für Gründer so attraktiv machen. Berlin ist schon lange ein Kreativzentrum in Deutschland mit einer außergewöhnlichen kulturellen Vielfalt: Von alternativen Partys in Neukölln bis zu schicken Black-Tie Events in Charlottenburg; von klassischen Konzerten in der Philharmonie bis zum Rockkonzert in Kreuzberg. Das kommt alles bei einer Internationalität zusammen, die man in nur ganz wenigen Städten vorfindet.

Inzwischen hat sich neben und aufgrund des kulturellen Lebens eine einzigartige Startup-Szene etabliert – mit einer Vielzahl von Coworking Spaces und Gründern, von denen man viel lernen kann und gefühlt Tausenden Startup-Events. Auch wenn es mir egal ist, ob Berlin DAS Startup-Zentrum von Deutschland oder Europa ist – Netzwerk-Effekte spielen eine große Rolle und machen es einfacher, in Berlin zu gründen.

Nicht zu vergessen: die niedrigen Lebenshaltungskosten. Mein Mitgründer Benjamin und ich haben den Urban Sports Club am Anfang komplett gebootstrapped. Vor Berlin haben wir in Frankfurt gelebt – da wäre das schon aufgrund der Kosten viel schwieriger gewesen.

Inwieweit beeinflusst die Atmosphäre der Stadt Ihre Arbeit hier?

Die Offenheit und Nähe zur Kreativwirtschaft prägen die Stadt und inspirieren uns bei Urban Sports sehr. Wir arbeiten in Berlins größtem Coworking Space, im Betahaus am Moritzplatz. Dort haben wir täglich Kontakt zu Freelancern und anderen Startups. Gerade am Anfang hat mich der Austausch in der Startup-Szene absolut fasziniert. Die Offenheit und gegenseitige Hilfsbereitschaft hätte ich so niemals erwartet. Man hilft sich wirklich, vermittelt Designer, Programmierer, gibt Tipps zu Agenturen, Anwälten etc. Das hilft enorm, macht aber auch unheimlich viel Spaß.

Als internationaler Hotspot zieht Berlin viele junge und gut ausgebildete Leute aus der ganzen Welt an. Unser Team besteht aus zehn Leuten, davon ist eine US-Amerikanerin, eine Italienerin, einer Vietnamese/Australier – und einer Bayer. Genau diese Mischung ist einfach der Wahnsinn in Berlin.

Ihr persönlicher Lieblingshotspot in der Stadt? Wo halten Sie sich gern auf?

Es gibt in Berlin sehr viele Orte, die ich unheimlich mag. Zuerst wäre da natürlich das Betahaus, in dem wir mit Urban Sports seit über zwei Jahren unsere Heimat gefunden haben. Die Community, die das Team um Madeleine, Christoph und Max aufgebaut haben, ist einfach fantastisch. In meiner Freizeit liebe ich das „Grüne“ in Berlin. Diese Kombination von Natur und Großstadt, habe ich so noch nirgendwo gefunden. Besonders meine übliche Joggingstrecke am Landwehrkanal und das Tempelhofer Feld liebe ich sehr. Davon abgesehen bin ich immer gerne in der Markthalle 9 in Kreuzberg, gerade Donnerstag nach der Arbeit. Etwas klassischer, aber wieder ganz anders sind die Klavierwerkstatt in den Uferhallen und das Stattbad im Wedding.

Können Sie die Idee, die hinter Urban Sports Club steht, in drei Sätzen beschreiben?

Flexibilität ist einer der wichtigsten Bestandteile unseres urbanen Lebens – längst ist unser Alltag weder zeit- noch ortsgebunden. Mal arbeiten wir von zu Hause, mal im Büro, mal im Coworking Space. Wir bewegen uns flexibel durch die Stadt – sei es mit dem Stadtrad, den Öffentlichen oder Carsharing. Egal, was wir unternehmen, meist entscheiden wir spontan. In Sachen Fitness war das lange undenkbar und genau das wollen wir mit dem Urban Sports Club ändern: Eine Sportflatrate für die ganze Stadt, mit der man flexibel ist und ein vielfältiges Sportangebot nutzen kann. So kann man dort Sport machen, wo man gerade ist und sich die Sportart aussuchen, auf die man gerade Lust hat!

Wie groß ist Ihr Team?

Im Dezember 2012 habe ich den Urban Sports Club mit meinem Co-Founder Benjamin Roth gegründet. Mittlerweile arbeiten wir in einem 10-köpfigen Team im Betahaus in Kreuzberg.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus?

Das ist wirklich schwer zu sagen – aber gerade das macht für mich den Reiz des Gründens und des Startup-Lebens aus. Meist bin ich kurz vor 9 im Büro. Die erste Zeit nutze ich für mich alleine, um den Tag zu planen. Dann stecken Benjamin und ich kurz die Prioritäten des Tages oder der Woche ab. In den nächsten zwei Stunden liegt der Fokus bei Marketing und Sales – hier halte ich bspw. Rücksprache mit unseren Agenturen oder führe Gespräche mit potentiellen Firmenkunden. Um 11.30 Uhr findet ein wöchentliches Jour Fixe Meeting mit zwei Mitarbeitern zu allen Fragen rund um Mitglieder, Teamsport und unsere Fußball-Liga statt. Nach dem Mittagessen, das wir typischerweise auf der Oranienstraße verbringen, widme ich mich wieder Mails und Telefonaten.

Womit verdient Urban Sports Club Geld?

Urban Sports Mitglieder zahlen einen monatlichen Beitrag, der zwischen 39€ und 99€ liegt – je nachdem, wie groß die gewünschte Sportauswahl ist. Bei unseren Firmenkunden übernehmen meist die Arbeitgeber einen Teil der Kosten, den Rest tragen die Mitarbeiter selbst. Ein Teil der Mitgliedsbeiträge geht an unsere Sportanbieter – der andere Teil fließt in die Deckung aller Kosten bspw. für IT, Marketing & Sales und Personal.

Wie sind Sie auf die Idee für den Urban Sports Club gekommen?

Wir sind selbst leidenschaftliche Sportler, lieben die Flexibilität und probieren gern neue Sportarten aus. Da kam uns die Idee zum Urban Sports Club, mit dem wir ein Modell erschaffen haben, bei dem man je nach Laune entscheiden kann, ob man gerade eher Lust auf Klettern, Yoga oder Sport im Team hat.

Wenn Sie jungen Gründerinnen und Gründern einen Tipp geben könnten, welcher wäre das?

Einfach machen! Nicht zu lange überlegen und sich fragen, ob man wirklich gründen sollte. Man muss es einfach probieren. Besonders wichtig dabei: Feedback einholen! Für mich war es am Anfang sehr seltsam, über unser Konzept zu sprechen. „Das könnte doch jemand kopieren!“ dachte ich, aber das Feedback von anderen Gründern und potentiellen Kunden bringt einen enorm weiter.

Davon abgesehen sollte man so schnell wie möglich ein Minimum Viable Product (MVP) entwickeln – eine absolute Basisversion, um zu testen, ob es wirklich einen Markt für das Produkt gibt. Freunde und Bekannte werden einen immer loben und die Idee für ‚ganz toll’ halten. Es ist jedoch viel wichtiger zu wissen, ob Kunden wirklich bereit sind, für ein Produkt zu bezahlen – und das kann man nur mit einem MVP herausfinden. Dabei gilt: Wenn man sich für sein erstes MVP nicht schämt, hat man zu lange gewartet.

Was ist neben Ihrer Idee das nächste große Ding im Internet?

Es gibt natürlich eine Vielzahl von Themen, die im Internet eine große Bedeutung bekommen werden, wie bspw. die FinTech Themen. Für mich ist das Internet of Things (IoT) das größte Zukunftsthema im Internet. Aber auch darüber hinaus dreht sich gerade viel um die Vernetzung von allen möglichen „intelligenten Dingen“ – auch in der realen Welt. Neben der Vernetzung ‚lernen’ Geräte dabei immer mehr, was die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Nutzer sind. So bestellt der Drucker bspw. automatisch eine neue Druckerpatrone, sobald die alte Patrone fast leer ist und die Waschmaschine wäscht genau dann, wenn der Strom am günstigsten ist. Das macht das Leben des Einzelnen natürlich komfortabler, bringt allerdings auch eine Menge Datenschutz- und Privatsphäre-Problematiken mit sich, die geklärt werden müssen.

Neben Privatkunden betrifft das IoT besonders auch die Wirtschaft. Es ist in Deutschland unter dem Schlagwort Industrie 4.0, in Anspielung auf die vierte industrielle Revolution, bekannt. Die Vernetzung von Fertigungstechniken in einer sogenannten ‚smart factory’ wird zukünftig besonders in Deutschland für große Industrieproduzenten von zentraler Bedeutung sein. Hier sehe ich gerade für Deutschland die Chance, große und bedeutende IT-Firmen hervorzubringen. Entscheidend für den Erfolg wird allerdings sein, ob eine nachhaltige Zusammenarbeit zwischen großen Unternehmen (wie bspw. Bosch, Siemens oder VW) und Startups gelingt. Denn nur so können neue, innovative Modelle entwickelt werden.

Aktualisierung: Donnerstag, 18. Februar 2016 17:15 Uhr

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