Bonaverde-Gründer Hans Stier

Bonaverde hat die erste Kaffeemaschine der Welt entwickelt, die den Kaffee nicht nur mahlt und brüht, sondern ihn auch röstet. Wir haben den Gründer getroffen.
Hans Stier
© Bonaverde

Berlin gilt auch als StartUp-Hauptstadt – Was glauben Sie warum so viele Gründer nach Berlin kommen?

Berlin IST die StartUp-Hauptstadt! Da gibt es ja überhaupt keine Frage. Berlin vereint alles, was man als Gründer für sein Projekt und später sein Unternehmen braucht. Da ist am Anfang diese Verrücktheit, dieser unbedingte Wille der ganzen Stadt, alles auszuprobieren und für alles offen zu sein! Hamburg zum Beispiel gilt zwar als Weltkaffeehauptstadt (und ist die Stadt meiner Eltern) aber keiner kann mir erzählen, dass ich auf dem Jungfernstieg so gut hätte zum Blind-Coffee-Tasting laden können wie auf der Berliner-Torstraße.

Inwieweit beeinflusst die Atmosphäre der Stadt Ihre Arbeit hier?

Berlin ist kreativ. Alle wurschteln an irgendeinem coolen Projekt rum, dabei denken die meisten gar nicht immer gleich an die Weltherrschaft oder großen Profit, sondern wollen einfach etwas bewegen und ihre Zeit sinnvoll einsetzen. Genau diese Freiheit zieht auch so viele Leute an, darum wächst die Stadt nach wie vor und gewinnt so viele smarte Köpfe dazu – das macht eine super Arbeitsatmosphäre aus!

Ihr persönlicher Lieblingshotspot in der Stadt? Wo halten Sie sich gern auf?

Berlin hat ja anders als jede andere Stadt der Welt verschiedene Zentren: Bedingt durch die Teilung, aber auch die schiere Größe der Mutterstadt müsste ich eigentlich meinen Lieblings-Oranienplatz in Kreuzberg, meine Lieblings-Schönhauser Allee (Prettyhouser!!) und meinen Lieblings-Schlachtensee nennen. Um uns aber in der Mitte zu treffen, wähle ich den anderen Lieblings-Savignyplatz – zusätzlich, versteht sich.

Können Sie die Idee, die hinter Bonaverde steht, in drei Sätzen beschreiben?

Bonaverde hat die erste Kaffeemaschine der Welt entwickelt, die den Kaffee nicht nur mahlt und brüht, sondern ihn auch RÖSTET – all das auf einen einzigen Knopfdruck. vergehen Wochen und Monate zwischen Röstung und Konsum, unseren Kaffee jedoch trinkt man direkt nach der Röstung und dies bringt die eigentliche Frische und Diversität der Bohnen erst richtig zur Geltung. Außerdem ist es unser Ziel, den direkten Handel zwischen Konsumenten und Bauern aufbauen – und ersteren mehr Transparenz, und letzteren faire Bedingungen schaffen. Das möchten wir über eine Plattform mit einem Marktplatz und Community-Bereich erreichen, auf der Bauern und Produzenten ihre Bohnen vorstellen und direkt verkaufen können.

Wie groß ist Ihr Team?

Wir sind derzeit sieben Mitarbeiter.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus?

Das ist eine unmöglich zu beantwortende Frage – bei mir gibt es keinen typischen Arbeitsalltag. Ob ich gerade in Nicaragua bei unseren Farmern, in China in unserer Fabrik, in den USA auf Konferenzen, oder tatsächlich in der Mutterstadt Berlin einmal nur im Büro sitze: Die einzige Konstante sind viele Gespräche mit allen möglichen Stakeholdern und vor allem: noch viel mehr Kaffee!


Womit verdient Bonaverde Geld?
Mittel- bzw. langfristig mit dem Abverkauf der Kaffeemaschinen und einer Provision bei dem Verkauf über unseren Marktplatz.


Wie sind Sie auf die Idee zu Bonaverde gekommen?

Einerseits war und bin ich einfach ein „Heavy Consumer“, wenn es um Kaffee geht: 1,5 Liter Kaffee am Tag sind für mich normal. Nicht selten kam die Quittung dafür in Form von Magenschmerzen durch die viele Säure und Bitterkeit der Bohnen. Nach einigen Recherchen wurde mir bewusst, dass dies mehr oder weniger ein Resultat der Lagerung der Bohnen darstellt, frisch gerösteter Kaffee hingegen ist extrem mild und magenfreundlich. Andererseits war ich zu dieser Zeit beim Energiekonzern RWE in der Nationalen Kommunikation mit Energie-Steuerrecht befasst und fand so heraus, wie groß in unserem Wirtschaftssystem der Steuervorteil beim Handel von Rohstoffen (z. B. grünen Kaffebohnen) gegenüber fertigen Konsumgütern (abgepacktem Kaffee) ist. Hier bin ich dann auf die komplexe Wertschöpfungskette gestoßen: Bis zu 15 Zwischenschritte und mindestens sechs Monate liegen zwischen dem Farmer, der das Produkt anbaut und erntet und dem Konsumenten, der die Bohne aufbrüht. Der Konsument erfährt verschwindend wenig über den Produzenten und Ursprung seiner Bohne, der Bauer hingegen erhält eine minimale Marge für seine Arbeit und muss mit ständig schwankenden Preisen rechnen. Eine Situation, die ich ändern und optimieren wollte.

Wenn Sie jungen Gründerinnen und Gründern einen Tipp geben könnten, welcher wäre das?

Immer alles ausprobieren und nie versuchen, alles sofort 100% richtig zu machen, klassische 80/20-Regel beherzigen und die Sachen un-komplex halten. Frei nach dem Credo: KISS - Keep it Simple and Stupid!

Was ist neben Ihrer Idee das nächste große Ding im Internet?

Wenn erst einmal alle den frischesten Kaffee der Welt trinken, kaufen die Leute auch online nur noch beim Erzeuger – ich glaube die nächste Welle wird eine sein, die die Welt ein großes Stückchen näher zusammenbringt und durch das Internet die Versäumnisse der letzten Jahrhunderte Entwicklungsarbeit aufholt: empowering growers, Internet überall. Ich stelle es mir genauso vor, wie eine große Bank zur Zeit an Airports wirbt: Schnelles Wachstum durch schnellere Wege bei schnellerer Kommunikation. Bonaverde ist da nur der erste Schritt.

Aktualisierung: Donnerstag, 18. Februar 2016 17:06 Uhr

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