ecotastic-Gründer Fabian Lindenberg

ecotastic-Gründer Fabian Lindenberg

Fabian Lindenberg hat mit ecotastic ein Belohnungssystem geschaffen, das Privatpersonen einen Anreiz gibt, im Alltag umweltgerecht zu handeln. Wir haben ihn getroffen.

ecotastic-Gründerteam

© Matthias Jacob

Wir haben mit Fabian Lindenberg (li.) gesprochen.

Berlin gilt als StartUp-Hochburg – Wie erklären Sie sich diesen Trend?

Unsere Hauptstadt ist ein Magnet für viele, sie zieht die unterschiedlichsten Menschen an. Sei es für den Club-Besucher oder den Opernliebhaber: Berlin bietet für jeden etwas. Dass die Mieten und Lebensunterhaltungskosten (noch) vergleichsweise gering sind, ist ein zusätzlicher Anreiz hier Fuß zu fassen. Wie selbstverständlich wird insbesondere in den jungen Unternehmen Englisch gesprochen, weswegen die Stadt auch für internationale Fachkräfte auf Arbeitssuche an Bedeutung zunimmt. Die Universitäten in Berlin und auch die Universität Potsdam und dort speziell das Hasso-Plattner-Institut, an dem ich Software Engineering studierte, fördern inzwischen verstärkt die wachsende Gründungskultur in ihrer Studentenschaft. All diese Faktoren zusammengenommen und noch einige mehr bieten den richtigen Nährboden für Startups, die wiederum nach und nach Investoren anziehen.

Inwieweit beeinflusst die Atmosphäre der Stadt Ihre Arbeit hier?

In dieser „StartUp-Hochburg“ trifft man an jeder Ecke, bei jeder Gelegenheit auf Gründer der zahlreichen Startups. Manche stehen noch ganz am Anfang ihrer Idee, andere kurz vor dem Markteintritt, wieder andere sind schon viel weiter. So findet man eigentlich immer jemanden, von dem man etwas lernen kann oder jemanden, der zeitgleich mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen hat, oder jemanden, dem man selbst einen Ratschlag geben kann. Es ist also oft ein großes Miteinander und viel weniger Konkurrenzgehabe als man vielleicht meinen könnte. Ich glaube dazu trägt auch die Atmosphäre der Stadt bei: das Durcheinander von unglaublich vielen Menschen, die es trotzdem schaffen in ihrem jeweiligen Kiez ein Gemeinschaftsgefühl aufkommen zu lassen. Jeder kennt wen, der jemanden kennt, der hier behilflich sein kann.

Ihr persönlicher Lieblingshotspot in der Stadt? Wo halten Sie sich gern auf?

Die meisten Zeit verbringe ich offensichtlich im Büro, im social impact lab in Kreuzberg. Deswegen freue ich mich umso mehr, dass wir uns dort so wohlfühlen! Es ist ein Co-Working Space in Kreuzberg, in dem ausschließlich soziale Start-ups und Projekte unterkommen. Als Empfänger des „social impact start“-Stipendiums (www.socialimpactstart.eu) für Sozialgründer werden wir dort von der iq consult GmbH und der SAP AG gefördert.

Können Sie die Idee, die hinter ecotastic steht, in drei Sätzen beschreiben?

Ecotastic ist ein Belohnungssystem, das Privatpersonen einen Anreiz gibt, im Alltag umweltgerecht zu handeln. Die Nutzer unserer Smartphone-App sammeln virtuelle Punkte für umweltfreundliches Verhalten, z.B. für das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder für die Verringerung des eigenen Energieverbrauchs zu Hause, und können diese Punkte als Belohnung gegen Gutscheine unserer Partner eintauschen. Für unsere Partnerunternehmen wiederum verbindet ecotastic Kundenbindungs- und Marketingmaßnahmen mit einer konkreten Möglichkeit zum sozialen Engagement, schließlich stiften sie die Nutzer zu umweltgerechtem Handeln an.

Wie groß ist Ihr Team?

In unserem Gründungsteam sind wir zu dritt: Anna Yukiko Bickenbach, Ralf Gehrer und ich, Fabian Lindenberg. Ralf und ich haben gemeinsam am Hasso-Plattner-Institut Software Engineering studiert. Wir bringen also das technische Handwerkszeug für die Umsetzung des Belohnungssystems mit. Anna studierte Integrated Natural Resource Management an der Humboldt Universität und ist damit unsere Expertin für Nachhaltigkeit. Zu dritt absolvierten wir die Zusatzausbildung „Design Thinking“ an der Potsdamer HPI School of Design Thinking.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus?

Wir beginnen jeden Tag mit einem kurzen „Check-in“, bei dem jedes Teammitglied kurz beschreibt, woran sie oder er zuletzt gearbeitet hat, ob es nennenswerte Probleme oder Erfolge gab und an welchen Aufgaben sie/er an diesem Tag arbeiten wird. Das bietet uns die Gelegenheit, die geplanten Schritte mit unseren mittel- und langfristigen Strategien abzugleichen. So verlieren wir uns nicht in der alltäglichen Arbeit und behalten den richtigen Blick für den Unternehmensaufbau. Gleichzeitig verschafft uns dieses tägliche „Ritual“ aber genug Spielraum, um flexibel und zeitnah auf spontane Ereignisse reagieren zu können. Nach dem Check-in widmet sich dann jeder seinen eigenen Aufgaben, wobei es natürlich in unserem kleinen Team oft dazu kommt, dass wir uns gegenseitig unter die Arme greifen. Bei Bedarf arbeitet man also auch an Aufgaben, die in einen anderen Bereich fallen.

Womit verdient ecotastic Geld?

Das Belohnungssystem ecotastic ist für unsere Nutzer kostenfrei, schließlich haben sie schon den „Mehraufwand“ umweltgerechter zu handeln und sollen dafür belohnt werden.

Für unsere Partnerunternehmen stellt ecotastic nicht nur eine einfache und konkrete Möglichkeit dar, sich sozial zu engagieren (sie sind es letztlich, die mit ihren Gutscheinen unsere Nutzer zu umweltfreundlichen Aktionen anstiften). Für sie ist ecotastic gleichzeitig eine effektive Marketingplattform: ecotastic steigert ihren Bekanntheitsgrad und verbessert ihr Image gegenüber einer für sie attraktiven Zielgruppe, indem wir auf dieses soziale Engagement aufmerksam machen. Außerdem vermittelt das Belohnungssystem ihnen durch die gezielte Vergabe von Gutscheinen interessierte, potentielle Neukunden. Für diese Leistung entrichten sie eine monatliche Gebühr.

Stichwort Marketing: Was unternehmen Sie, um ecotastic noch bekannter zu machen?

Unser ungewöhnlicher Ansatz, Umweltschutz in der Bevölkerung nicht nur zu bewerben sondern die Handlungen von jedem Einzelnen zu belohnen, verschafft uns glücklicherweise die Aufmerksamkeit von Presse und Medien: Die Wirtschaftswoche zählt unser Belohnungssystem zu den sieben wichtigsten Cleantech-Trends der kommenden Monate, die Berliner Morgenpost berichtete wiederholt über ecotastic und in der vergangenen Woche filmte uns der RBB für eine Reportage. Außerdem bemühen wir uns um Interviews und Veröffentlichungen auf einflussreichen, meinungsgebenden Internetseiten. Deshalb freue ich mich ungemein, dass dieses Interview auf dem Hauptstadtportal Berlin.de erscheinen soll.

Wenn Sie jungen Gründerinnen und Gründern einen Tipp geben könnten, welcher wäre das?

Auch wenn solche Tipps überall zu lesen sind, empfehle ich auch aus eigener Erfahrung, dass 1. der Aufbau des Gründungsteams und 2. die Entwicklung der Geschäftsidee am wichtigsten sind. Bildet ein Team, mit dem ihr wirklich jeden Tag der Woche lange Stunden zusammenarbeiten könnt und auch möchtet. Denn gemeinsam kämpft es sich am besten und man motiviert sich während Durststrecken gegenseitig. Wählt außerdem eine Geschäftsidee, die euch selbst begeistert, und nicht unbedingt nur etwas, mit dem sich womöglich das schnelle Geld verdienen lässt.

Wie wird das Internet in 10 Jahren aussehen?

Ich hoffe, dass sich bis dahin Produkte und Services durchgesetzt haben, die nicht einzig der Unterhaltung, dem Zeitvertreib oder der Selbstdarstellung ihrer Nutzer dienen. Ich wünsche mir, dass in der weiter rasant anwachsenden Informationsflut weniger Fotos von süßen Katzen oder leckeren Mittagessen zu finden sind. Mit ecotastic möchten wir - genau wie einige andere (z.B.: ouishare.net, betterplace.org, wheelmap.org) - dazu die ersten Schritte gehen.

Aktualisierung: Donnerstag, 18. Februar 2016 16:57 Uhr

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