Mornin’ Glory Gründer Nicolas Stoetter

Mornin’ Glory Gründer Nicolas Stoetter

Mornin’ Glory bietet Rasierklingen im günstigen Abo. Wir haben einen der Gründer befragt.

Nico Stoetter

© Presse

Nico Stoetter

Berlin gilt als StartUp-Hochburg – Wie erklären Sie sich diesen Trend?

Ich habe vorher in Chicago studiert, mein Mitgründer Fabio kam aus New York. Keiner von uns hat in Berlin Wurzeln. Wir sind hierher gekommen, weil wir der Meinung waren, dass das weltweit der beste Ort ist, um Mornin’ Glory aufzubauen. Berlin ist voller Menschen, die sich entschieden haben, hier etwas aufzubauen. Das ist unglaublich viel Wert und hat längst eine Eigendynamik gewonnen. Daneben gibt es natürlich die Klassiker: Niedrige Lebenshaltungskosten, Zugang zu Kapital und den Erfahrungsaustausch mit anderen Gründern.

Inwieweit beeinflusst die Atmosphäre der Stadt Ihre Arbeit hier?

Berlin kommt mir manchmal noch naiv vor, aber ist auch sehr inspirierend. Was mich vor allem geprägt hat, ist der enge Austausch mit unseren Kreativen. Ich habe vorher als Unternehmensberater in Deutschland und Bangladesch gearbeitet: Da hing ich die meiste Zeit beschlipst in Konferenzräumen. Das Ergebnis: Als ich das erste Mal mit Heiko, unserem Chefdesigner, telefoniert habe, habe ich ihn gesiezt. Entsprechend holprig war am Anfang auch unsere Zusammenarbeit.
Auch wenn Heiko mich immer noch für einen Krawattenterrier hält: Wir haben viel voneinander gelernt. Die Marke Mornin’ Glory lebt im Wesentlichen von der Vielfalt und Kreativität unseres Teams.

Ihr persönlicher Lieblingshotspot in der Stadt? Wo halten Sie sich gern auf?

Am meisten Spass hatte ich bis jetzt tatsächlich im Kumpelnest 3000. Transen treffen auf Werber, Taxifahrer auf Studenten und alle erfreuen sich an einer friedlichen und entspannten Riesensause.

Können Sie die Idee, die hinter Mornin‘ Glory steht, in drei Sätzen beschreiben?

Rasieren ist für uns Männer immer wieder derselbe Stress: Früher oder später steht man plötzlich ohne frische Klingen da, hetzt in den Supermarkt und ärgert sich dort über die Preise. Zuhause müht man sich an der Verpackung ab oder stellt dann fest, dass die Klingen nicht auf den Rasierkopf passen, weil das Modell schon wieder gewechselt hat. Wir haben Mornin‘ Glory gestartet, damit Rasieren endlich so läuft, wie es sein sollte: Glatt.

Wie groß ist Ihr Team?

Insgesamt sind wir zu zehnt plus minus Freelancer. Wir sind zwar ein kleines Team, aber trotzdem hatten wir eine Weihnachtsfeier wie eine 300-Mann-Agentur. Zumindest hat sich mein Kopf am nächsten Tag so angefühlt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen aus?

Achtung, jetzt wird’s unspektakulär: Ich versuche, früh im Büro zu sein, um meine Emails zu bearbeiten. Das ist dann die Ruhe vor dem Sturm. Ich spreche mit Kooperationspartnern und meinem Team, treffe Investoren oder beruhige meine Mutter am Telefon: „Ja Mama, ich verdiene tatsächlich Geld, nein, du musst mein Kinderzimmer nicht entrümpeln“. Ich bin immer wieder fasziniert von der Lücke zwischen unserer hochtrabenden Vision für Mornin’ Glory und den operativen Herausforderungen des Alltags. Wir versuchen dabei einfach, den Blick für’s Große und den Spaß an der Sache nicht zu verlieren.

Womit verdient Mornin‘ Glory Geld?

Eigentlich damit, dass die Rasierklingen der Konkurrenz so schamlos überteuert sind. Das Modell ist ganz einfach: Ab fünf Euro liefern wir monatlich hochwertige Rasierklingen für die männliche Nassrasur bequem in den heimischen Briefkasten. Abbestellen ist jederzeit möglich, no strings attached, wir sind ja keine Drückerkolonne.

Stichwort Marketing: Was unternehmen Sie um Mornin‘ Glory noch bekannter zu machen?

Ich rede mehr über Rasur als je zuvor in meinem Leben – sehr zum Leidwesen meines persönlichen Umfelds. Vor allem aber arbeiten wir mit klassischem Online-Marketing, Social Media und Pressearbeit. Langfristig wird es auch unkonventionellere Maßnahmen geben, aber da will ich nicht zu viel verraten, sonst ruft meine Mutter wieder besorgt an ...

Wenn Sie jungen Gründerinnen und Gründern einen Tipp geben könnten, welcher wäre das?

Nicht so lange warten mit dem Launch. Viele Möglichkeiten ergeben sich erst, wenn man den ersten Schritt gemacht hat und nicht mehr zurück kann. Also lieber den Kopf etwas zu früh rausstrecken und schon mal „Ich bin hier“ rufen.

Ihr Tipp für den Internettrend 2013?

Meine Freundin sagt gerade, online shoppen und den Freund zahlen lassen, wird der Trend 2013 und wir sollten alle mitmachen. Ich bin mir da nicht sicher. Aber was ich wirklich gerade beobachte, sind Ecommerce-Modelle, die sich nicht mehr damit zufrieden geben, nur reine Online-Shops zu sein, sondern selbst eigenständigen Markenaufbau betreiben. Das finde ich spannend. Und jetzt entschuldigt mich bitte, ich muss hier anscheinend mal eine Handtasche zahlen.

Aktualisierung: Donnerstag, 18. Februar 2016 16:53 Uhr

Weitere Meldungen