Photocircle-Gründer Thomas Heinrich

Photocircle-Gründer Thomas Heinrich

Auf Photocircle.net unterstützt man mit jedem Kauf ein soziales Projekt in der Region in der das Foto gemacht wurde.

Thomas Heinrich

© Presse

Berlin gilt als StartUp-Hochburg – Wie erklären Sie sich diesen Trend?

Berlin ist im Vergleich zu anderen Europäischen Metropolen noch sehr günstig, was die Lebenshaltungskosten angeht. Die Mieten steigen zwar, sind aber vergleichsweise noch relativ gering. Auch das Weggehen und Essengehen ist in Berlin wesentlich günstiger: Kostet ein Bier in einem Pariser Café oder Londoner Pub 6€, so zahlt man dafür in einer Bar in Berlin die Hälfte. Das alles senkt natürlich die Kosten der Selbstständigkeit enorm.

Weiterhin ziehen die vergleichsweise niedrigen Lebenshaltungskosten und auch der allgemeine Ruf Berlins als Trendmetropole natürlich junge, kreative und gut ausgebildete Leute an.

Somit hat man in Berlin die perfekten Voraussetzungen für die Gründung eines Start-Ups: talentierte Leute, die was bewegen wollen, und geringe Startkosten.

Hat man erstmal so einen Trend, gehe ich davon aus, dass dieser sich noch weiter bestätigen wird. Denn mittlerweile kommen die Leute aus der ganzen Welt, vor allem auch aus dem Süden Europas, um in Berlin in einem Start-Up unterzukommen.

Inwieweit beeinflusst die Atmosphäre der Stadt Ihre Arbeit hier?

Wenn man in Berlin wohnt ist es härter als in anderen Städten wie z.B. Frankfurt in einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis zu stehen. In Fraknfurt arbeitet gefühlt jeder zweiter in der Finanzbranche. In Berlin sind unglaublich viele Menschen selbstständig, üben einen künstlerischen Beruf aus oder leben einfach in den Tag hinein. Das alleine schafft eine Atmosphäre von Freiheit und Bewegung, die in Dir das Verlangen erweckt selbst etwas auf die Beine zu stellen.

Als ich Angestellter in einer Unternehmensberatung war, bin ich morgens auf meinem Weg ins Büro immer an einem wunderschönen Café in Kreuzberg vorbeigefahren, wo die Leute draußen in der Sonne saßen und Ihren Cappuccino tranken. Jedes mal dachte ich mir, diese Freiheit möchte ich auch haben. Kurze Zeit später habe ich gekündigt und nach einer längeren Reise nach Südostasien, Photocircle gegründet. Ich arbeite zwar mehr als früher, dennoch kann ich mir die Freiheit nehmen wann und wo ich will eine Pause zu machen. Es gibt keinen der mir sagt, was ich wie und wann tun muss. Ich denke, dass das Streben nach dieser Freiheit und Selbstverwirklichung maßgeblich durch das soziale Umfeld aber nicht zuletzt auch durch die Atmosphäre der Stadt Berlin angefacht wird.

Ihr persönlicher Lieblingshotspot in der Stadt?

Schwer zusagen. Das „Vereinszimmer“ in der Großbeerenstraße in Kreuzberg gehört auf jeden Fall zu meinen Lieblingscafés. Bei Fratelli La Bionda gibt es für mich die beste Pizza der Welt auch wenn mir meine italienische Freundin hier natürlich widersprechen wird. Ansonsten liebe ich die Krumme Lanke und den Schlachtensee im Sommer.

Wo halten Sie sich gern auf?

Ich bin sehr gerne draußen: im Winter auf den Seen, im Sommer in den Seen. Ansonsten mache ich gerne Sport und bin am liebsten auf dem Fußball- oder Basketballplatz. Meine Lieblingsbezirke sind Kreuzberg und meine Wilmersdorfer Heimat.

Können Sie die Geschäftsidee, die hinter Photocircle steht, in drei Sätzen beschreiben?


Bislang profitiert das Motiv, der Bestandteil eines Fotos, der unsere Bilder erst einzigartig macht, nie am Verkauf eines Bildes. Wir wollen das ändern und unseren Fotografen und Kunden die Chance geben dem Land, bzw. den Menschen und/ oder Landschaften auf ihren Fotos etwas zurückzugeben. Auf Photocircle kannst Du Deine Bilder als Premium-Kunstdruck (z.B. auf Leinwand, Alu Dibond oder Acrylglas) bestellen oder Fotos von internationalen Top-Fotografen kaufen und unterstützt mit jedem Kauf ein soziales Projekt deiner Wahl in der Region in der das Foto gemacht wurde.

Wie groß ist Ihr Team?

Zur Zeit sind wir 4 Leute, sind aber zurzeit auf der Suche nach Verstärkung.

Wie viel Stunden pro Woche arbeiten Sie für Ihr StartUp?

Als Gründer ist man eigentlich 7 Tage pro Woche 24 Stunden mit seinem Projekt beschäftigt, auch in seinen Träumen. Man muss unbedingt lernen abzuschalten, sonst wird es schwer. Zur Zeit arbeite ich ca. 50 – 60 Stunden pro Woche, wobei mir meine Arbeit Spaß macht und ich sie nicht als Belastung betrachte.

Stichwort Marketing: Was unternehmen Sie um Photocircle noch bekannter zu machen?




Der eigentlich sehr naheliegende Gedanke, das Motiv am Erfolg der Bilder zu beteiligen, gefällt den meisten Leuten sehr gut. Bei uns bekommt man eben ein tolles Produkt UND tut etwas Gutes, ohne dafür mehr zu zahlen als auf herkömmlichen Fotoplattformen. Dieser Aspekt verschafft uns einen großen Vorteil in den Bereichen PR und Marketing. Den brauchen wir auch. Denn wir brauchen wie alle eine große Bekanntheit, müssen diese aber mit deutlich weniger finanziellen Mitteln erreichen als bspw. unseren Konkurrenten zur Verfügung stehen. Einen Fokus werden wir auf kreative Social Media Kampagnen legen, von denen wir uns eine große Viralität erhoffen. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Pressearbeit für uns sein. Weiterhin erhoffen wir uns auch über unsere Partnerorganisationen, die für uns die Projekte durchführen werden, eine große Reichweite realisieren zu können. Letzten Endes glaube ich dann, dass sich unsere Qualität bewähren wird und sich das Konzept und die Vision von Photocircle schnell verbreiten werden.

Nutzen Sie Tools wie Social Networks oder Twitter um auf sich aufmerksam zu machen? Wenn ja wie?




Facebook und Twitter aber auch andere Social Media Kanäle sind für uns von zentraler Bedeutung. Zum einen nutzen wir diese Medien um für unsere Produkte zu werben. Zum anderen wollen wir natürlich unsere Reichweite erhöhen. Aber auch um direkt mit unseren Fans und Kunden zu interagieren und schnell auf Feedback und Trends reagieren zu können, brauchen wir Facebook und Co. Das Phänomen Kony2012 hat gezeigt wie mächtig die Social Media Kanäle heutzutage sind und welche Bewegungen man mit ihrer Hilfe in Gang setzen kann.

Wenn Sie jungen Gründerinnen und Gründern einen Tipp geben könnten, welcher wäre das?

Da ich selber noch ein junger Gründer bin, kann ich schwer sagen, ob mein Weg der richtige ist. Prinzipiell bin ich froh, dass wir es geschafft haben durch konsequentes Bootstrapping finanziell unabhängig zu bleiben. Mit seinem sozialen Netzwerk kommt man erst mal sehr weit. Daher würde ich allen raten, so weit es lange es geht auf Investoren zu verzichten und den Weg erst mal alleine zu gehen. Das verbessert auch die Verhandlungsposition sollte man dann später auf Kapitalgeber angewiesen sein.
Für alle die, die in Erwägung ziehen zu gründen, sich aber nicht recht trauen, kann ich nur sagen: Einfach machen. Es ist auch nie zu früh. Man braucht nicht 5 Jahre Arbeitserfahrung vor seiner ersten Gründung. Am Anfang ist es zwar hart, da einem die Familie und die meisten Freunde davon abraten, aber es lohnt sich. Selbst, wenn man mit seiner ersten Gründung scheitern sollte, die Lernkurve ist immens und es macht einfach Spaß für sich mit seinem eigenen Projekt zu verwirklichen.

Ihr Tipp für den Internettrend 2012/2013?

Ich hoffe glaube, dass es viele Neugründungen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen geben wird. Ich hoffe auf einen Trend hin zum Sozialunternehmertum, das neben dem wirtschaftlichen vor allem auch einen sozialen Zweck verfolgt.

Das Interview haben wir im Juli 2012 geführt.

Aktualisierung: Dienstag, 8. Mai 2018 15:48 Uhr

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