7trends.de Gründer Sebastian Sieglerschmidt

7trends.de Gründer Sebastian Sieglerschmidt

Sebastian Sieglerschmidt, Gründer und Geschäftsführer von 7trends.de bietet eine Mischung aus Fashion-Magazin und Online-Shop. Wir haben ihn getroffen.

Sebastian Sieglerschmidt

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Sebastian Sieglerschmidt

Berlin gilt als StartUp-Hochburg – Wie erklären Sie sich diesen Trend?

Nirgendwo in Deutschland sitzen so viele Gründer so dicht beisammen wie in Berlin. Ein wesentlicher Grund dafür ist sicherlich, dass die deutsche Metropole Jungunternehmern die idealen Bedingungen bietet, um ihre Ideen zu verwirklichen und erfolgreich zu machen. Berlin ist einerseits international und innovativ, auf der anderen Seite wirklich lebenswert für die junge Generation Internet. Die Lebenshaltungskosten sind im Vergleich zu vielen anderen deutschen Städten recht moderat und für Start-Ups gibt es noch Büros mit relativ bezahlbaren Quadratmeterpreisen. Berlin ist jetzt schon die deutsche Stadt der Webgründer und wenn ich sehe, wie viele ausländische Onlineunternehmen sich hier ansiedeln, glaube ich, dass Berlin auch das Zeug hat, zum Startup-Hotspot Europas zu werden.

Inwieweit beeinflusst die Atmosphäre der Stadt Ihre Arbeit hier?

Berlin als Modestandort war lange Zeit tot. Dafür gab es hier aber immer ein starkes kreatives Umfeld. Inzwischen bilden neun Modeschulen und –hochschulen jedes Jahr rund 1.000 neue Modemanager und Designer aus, viele von ihnen arbeiten in Berlin unter eigenem Label und oft auch mit eigenem Laden. Spätestens seit dem Einzug der Fashion Week in Berlin und der Wiederkehr der Bread&Butter führt in der deutschen Modewelt an Berlin kein Weg mehr vorbei. Insofern sind wir hier mit 7trends genau richtig und lassen uns in Sachen Fashion nicht nur von den hiesigen Designern beeinflussen, sondern auch vom ganz besonderen avantgardistischen Modegespür der Berliner.

Ihr persönlicher Lieblingshotspot in der Stadt? Wo halten Sie sich gern auf?

Es mag wie ein Klischee klingen, aber ich wohne am Kollwitzplatz und liebe meinen Kiez. Die gesamte Gegend zwischen Zionskirchplatz und dem Volkspark Friedrichshain ist für mich wie ein Dorf mitten in der Großstadt. Um die Ecke gibt es Geschäfte mit allem für den täglichen Bedarf, die meisten meiner Bekannten wohnen nur einen Katzensprung entfernt und Ausgehmöglichkeiten sind in Laufweite. Außerdem kann ich ins Büro laufen. Eines meiner Lieblingsrestaurants, das Heinrich, das von Wolfgang Joops Tochter geführt wird, befindet sich auch in unmittelbarer Nähe.

Können Sie die Geschäftsidee, die hinter 7trends.de steht, in drei Sätzen beschreiben?

7trends.de ist nicht „nur“ ein normaler Online-Shop, sondern die perfekte Mischung aus Shop und Fashion-Magazin. Mit unserem Team aus Fashion-Redaktion und erfahrenen Stylisten informieren wir bei 7trends regelmäßig über aktuelle Laufsteg-Trends, die Must-Haves der Saison und zeigen unseren Kunden, wie man die derzeit angesagten Looks bei uns bezahlbar nachstylen kann. Ziel von 7trends ist es außerdem „Fast Fashion“ ins Internet zu bringen: Ausverkaufte Produkte werden nicht nachbestellt, dafür wartet aber schon die nächste Inspiration, denn fast jeden Tag gehen neue Produkte online bei 7trends.de

Wie groß ist Ihr Team?

Unser Berliner Team umfasst etwa 60 Mitarbeiter. Mit dieser Mannschaft kümmern wie uns um fast alle Aspekte unseres Geschäfts selbst, angefangen von Einkauf über Produktfotografie, Shop-Gestaltung, Werbung und redaktionelle Inhalte bis hin zum Kundenservice. Nur im Bereich Logistik arbeiten wir mit einem Dienstleister zusammen, der sich um Lagerung, Versand und Rücksendungen unserer Produkte kümmert. Und bei der Pressearbeit lassen uns wir von einer erfahrenen Agentur betreuen.

Die Wirtschaft zieht nach der Krise gerade wieder an. Merken Sie den Aufschwung?

Als wir Anfang 2009 mit 7trends.de online gegangen sind, ging es vielen Bekleidungsherstellern in Deutschland nicht gut. Selbst renommierte Top-Marken verloren an Umsatz oder mussten gar Insolenz anmelden. Wir haben die Wirtschaftskrise eher als Chance gesehen, da viele Käufe sich vom Ladengeschäft ins Internet verlagert haben. So konnten wir bereits im ersten Jahr einen Umsatz im siebenstelligen Bereich vorweisen. Inzwischen hat sich die gesamte Modebranche stabilisiert, und auch wir profitieren natürlich davon, wenn die Menschen wieder mehr Geld fürs Shopping übrig haben.

Stichwort Marketing: Was unternehmen Sie um 7trends.de noch bekannter zu machen?

Wir setzen auf die Mischung von Internet-Werbung, z.B. in Suchmaschinen und „klassischen“ Maßnahmen wie TV- oder Printwerbung. Eines unserer neuesten Marketing-Instrumente ist unser gedrucktes, quartalsweise erscheinendes Fashionmagazin, mit dem wir die Modekompetenz von 7trends.de unterstreichen und welches in ausgewählten Geschäften erhältlich ist. Außerdem möchten wir natürlich unsere Kundinnen und Kunden so zufrieden machen, dass sie ihren Bekannten und Verwandten von uns berichten.


Nutzen Sie Tools wie Social Networks oder Twitter um auf sich aufmerksam zu machen? Wenn ja wie?


Wir betreiben unter TheTailor.7trends.de einen Blog, auf dem wir einerseits über aktuelle Trends in der Fashionszene berichten. Zum anderen gibt unsere Moderedaktion dort seit neustem persönliche und einmalige Einblicke in unser Tagesgeschäft: Zum Beispiel schauen wir hinter die Kulissen unserer Foto-Shootings, erzählen von neuen „Errungenschaften“ und verlosen Musterteile oder Goodies unserer Partner. Diese Infos werden natürlich auch über unsere Facebook-Fanpage und unseren Twitterkanal weitergegeben. Das Schöne an Social Media ist vor allem, unsere Fans oder Follower direkt mit News versorgen zu können und in Echtzeit-Interaktion mit ihnen zu treten. Die direkten Feedbacks, die wir erhalten, sind wiederum hilfreich für unsere Arbeit.

Wenn Sie jungen Gründerinnen und Gründern einen Tipp geben könnten, welcher wäre das?

Ich rate jedem Gründer eine langfristige Planung: Nur so ist man in der richtigen Startposition, egal ob Wirtschaftskrise oder nicht. Und: Nicht entmutigen lassen. Frust und Freude wechseln sich bei einem Start-Up schnell ab.

Ihr Tipp für den Internettrend 2011?

Für 2011 sehe ich Mobile Commerce als einen nachhaltigen Trend an. In den USA gehören mobile Verkaufskanäle zum Standard, Deutschland ist bisher allerdings noch Entwicklungsland in Sachen Mobile Commerce. Mittlerweile verfügen aber auch in Deutschland immer mehr mobile Endgeräte über einen Internetzugang. Insofern wird auch von Seiten der Verbraucher immer mehr Interesse nach mobilen Einkaufsmöglichkeiten vorhanden sein und von Online-Shops befriedigt werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

Aktualisierung: Donnerstag, 18. Februar 2016 16:39 Uhr

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