Babbel.com - Gründer Markus Witte

Babbel.com - Gründer Markus Witte

Markus Witte ist Geschäftsführer von Babbel.com aus Berlin Kreuzberg. Das 2008 gestartete Portal bietet einfaches Sprachenlernen im Internet. Mit der neuen Portal-Version 2.0 hat sich Babbel im November 2009 von der Idee verabschiedet, eine werbefinanzierte Produktversion anzubieten. Die neue Premium-Version ist seitdem sehr erfolgreich.

Markus Witte

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Markus Witte

Berlin gilt als StartUp-Hochburg - Wie erklären Sie sich diesen Trend?

Startups hängen von den Leuten ab, die sie gründen. Und Berlin ist derzeit für junge Leute mit Ideen und Ambitionen sehr attraktiv. Das hat viele Gründe, unter anderem das moderate Niveau der Lebenshaltungskosten, das große Kultur- und Partyangebot und die Vielfalt von Menschen aus aller Welt, die hier leben. Nach der ersten Gründungsphase bietet Berlin außerdem den Vorteil, dass man hier gut ausgebildete Leute für alle Positionen finden kann. Das gilt natürlich für ein Sprachlernportal wie uns, dass auf Muttersprachler aus mehreren Ländern angewiesen ist, ganz besonders.

Inwieweit beeinflusst die Atmosphäre der Stadt Ihre Arbeit hier?

Mit unserem großen Team von internationalen Sprachlehrern und unserem Standort in Kreuzberg prägt uns das multikulturelle Flair der Stadt besonders. Und auch im wörtlichen Sinn wirkt die Berliner Atmosphäre auf uns: die starken Stimmungsunterschiede zwischen den Jahreszeiten machen sich auch bei uns im Büro stark bemerkbar.

Ihr persönlicher Lieblingshotspot in der Stadt? Wo halten Sie sich gern auf?

Hotspots im Sinne von WLAN-Zugangspunkten nutze ich fast nie und wenn dann auf Flughäfen oder in Hotels. Im Unterschied zur „digitalen Bohème" gehe ich zum Arbeiten ins Büro. Persönlich mag ich das alte Kreuzberg 36 sehr gern. Die Gegend zwischen Engelbecken und Kottbusser Tor ist so lebendig, vielschichtig und spannend wie das nur Berlin bieten kann.

Können Sie die Geschäftsidee, die hinter Babbel.com steht, in drei Sätzen beschreiben?

Selbstverständlich: Babbel.com bietet interaktives Sprachenlernen im Internet als Selbstlern-Kurse an. Damit ersetzt die Plattform herkömmliche Lernsoftware und ergänzt andere Lernarten wie Kurse, Reisen und Bücher. Für die Nutzung des Portals wird ein Monatsbeitrag zwischen 4,95 Euro und 8,95 Euro fällig.

Wie groß ist Ihr Team?

An Babbel arbeiten recht viele Leute, da wir die mehrsprachigen Inhalte zum größten Teil selbst erstellen. Insgesamt sind es über 30, von denen die meisten aber freiberuflich für uns arbeiten. Fest angestellt sind derzeit 10 Mitarbeiter.

Spüren Sie die Wirtschaftskrise? Wie ist die Lage?

Wir haben unsere erste Finanzierungsrunde im August
2008 abgeschlossen, bevor die Finanzkrise spürbar wurde. Das war gut so, denn die Investoren reagieren natürlich sehr empfindlich auf die Finanzmärkte. Im Verkauf macht sich die Gesamtstimmung sicherlich bemerkbar, aber wir haben keine Vergleichszahlen von vor der Krise. Mit dem Interesse und der Kaufbereitschaft wie wir sie jetzt sehen, sind wir jedenfalls sehr zufrieden.

Stichwort Marketing: Was unternehmen Sie um Babbel.com noch bekannterzu machen?

Wir nutzen die Verbreitungsmöglichkeiten des Internets. Unter anderem setzen wir auf Online-Werbung über Banner und Google-Anzeigen, aber auch auf die Zusammenarbeit mit Partner-Websites in sogenannten Affiliate-Programmen. Bei unseren vergleichsweise kleinen Budgets ist es dabei immer sehr wichtig, einen direkten Zusammenhang zwischen Ausgaben und Erfolg herstellen zu können. Der wichtigste Faktor in der Verbreitung sind aber unsere Nutzerinnen und Nutzer: Sie empfehlen Babbel weiter. Das geschieht persönlich, aber auch über Blogs, Tweets, Chats und Soziale Netzwerke.

Nutzen Sie Tools wie Social Networks oder Twitter um Marketing zumachen? Wenn ja wie?

Man findet Babbel bei Twitter, Facebook und YouTube, aber das ist kein Kernbereich unseres Marketings. Ich würde eher sagen, dass die Präsenz in Netzwerken, Communities und Feeds heute für jedes Internet-Unternehmen zur Pflicht gehört. So wie man früher selbstverständlich Visitenkarten, Firmenstempel und Briefpapier hatte. Und natürlich muss das auch gut gemacht sein.

Wenn Sie jungen Gründerinnen und Gründern einen Tipp geben könnten, welcher wäre das?

Es ist schwer, einen allgemeinen Ratschlag zu geben, der für alle zutrifft. Denn jede Gründung, jedes Team und jede Idee ist anders als die anderen. Für alle ist aber wichtig, dass man schnell lernt und konsequent reagiert. Stur an einer Lieblingsidee festzuhalten, die sich nicht oder nicht in dieser Form umsetzen lässt, ist genauso gefährlich wie zu früh aufzugeben. Man muss es meistens auf unterschiedliche Arten probieren und sollte nicht frustriert sein, wenn es nicht beim ersten Mal klappt. Aber man muss eben auch möglichst schnell sehen, ob es klappt oder nicht.

Ihr Tipp für den Internettrend 2010?

Das Internet wird seriöser. Immer mehr wichtige Lebensbereiche werden ins Internet verlagert oder von Online-Angeboten durchsetzt. Deswegen
sinkt die Toleranz für zersplitterte, amateurhafte Websites. Gleichzeitig steigt die Bereitschaft, für gute Online-Angebote zu bezahlen. Online-Software oder im Fachjargon "Software as a Service" wird da sicherlich ein großes Thema werden. Wie es mit den aktuellen Bestrebungen weitergeht, Nachrichten und Zeitschriften-Inhalte online zu verkaufen, bleibt dagegen sehr spannend. Ich persönlich glaube daran, dass man Service und Software-Nutzung online verkaufen kann, Nachrichten aber nur in seltenen Fällen. Wir werden sehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch wurde im Dezember 2009 geführt.
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