Beschäftigte fordern Gewissheit bei Bombardier und Alstom

Beschäftigte fordern Gewissheit bei Bombardier und Alstom

Mit Flugblatt-Aktionen und Kundgebungen haben sich Beschäftigte der Zughersteller Alstom und Bombardier auch in Deutschland für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze bei der geplanten Fusion stark gemacht.

Montagehalle des Bombardier Werkes in Hennigsdorf

© dpa

Henningsdorf ist der größte europäische Standort Bombardiers.

Angestellte demonstrieren in Hennigsdorf

Allein am Standort von Bombardier Transportation im brandenburgischen Hennigsdorf hätten sich am Donnerstagmorgen (16. Juli 2020) mehr als 300 Mitarbeiter vor dem Werktor versammelt, sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft IG Metall. Der neue kommissarische Deutschlandchef, Marco Michel, habe sich die Fragen der Beschäftigten angehört und sich für ihre Belange ausgesprochen.

Deutschlandweite Aktionen von Beschäftigten

An den sächsischen Bombardier-Standorten Görlitz und Bautzen wollten die Beschäftigten am Morgen Flugblätter verteilen, um auf ihre ungewisse Situation aufmerksam zu machen. Auch in Kassel, Siegen und Mannheim sowie am einzigen deutschen Alstom-Standort in Salzgitter waren Aktionen geplant. Die IG Metall hatte am Vortag zu einem europaweiten Aktionstag aufgerufen.

Entscheidung über Alstom-Übernahme im Juli

Der französische Hersteller des Hochgeschwindigkeitszugs TGV hatte im Februar angekündigt, die Zugsparte von Bombardier übernehmen zu wollen. Nach damaligen Angaben kostet das Vorhaben 5,8 bis 6,2 Milliarden Euro. Derzeit untersuchen EU-Wettbewerbshüter die geplante Übernahme. Bis Mitte Juli soll eine Entscheidung fallen. Die Wettbewerbshüter können dann auch noch eine vertiefte Prüfung anordnen. Im vergangenen Jahr waren Alstom und die Siemens-Zugsparte Mobility bei einem ähnlichen Fusionsversuch an dem Veto der EU-Kommission gescheitert.

Ungewissheit für die Angestellten

Um die Bedenken der Wettbewerbshüter auszuräumen, hatten beide Unternehmen vor einigen Tagen angekündigt, die Talent-3-Plattform und die zugehörigen Produktionsanlagen am Standort Hennigsdorf bei Berlin verkaufen zu wollen. Zwar werden dort auch Berliner Straßenbahnzüge, der ICE sowie die U-Bahn-Serie C30 gefertigt. Doch für die Beschäftigten herrscht nach wie vor Ungewissheit. Noch liefen keine Gespräche zwischen Arbeitgebern und der Belegschaft, betonte die IG-Metall-Sprecherin. «Bei den Beschäftigten von Bombardier Transportation ist fünf Monate nach der Ankündigung der Übernahme durch Alstom die Unsicherheit immer noch sehr hoch», hieß es in einer Mitteilung.
Am Tag zuvor hatte der bisherige Deutschland-Chef von Bombardier Transportation, Michael Fohrer, seinen sofortigen Weggang verkündet - aus persönlichen Gründen, wie es hieß. Als kommissarischer Nachfolger rückte Marco Michel auf den Posten. Er leitete bis dahin das Werk in Hennigsdorf.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Donnerstag, 16. Juli 2020 14:03 Uhr

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