1000 Karstadt-Kaufhof-Mitarbeiter in Berlin betroffen

1000 Karstadt-Kaufhof-Mitarbeiter in Berlin betroffen

Von den geplanten Schließungen bei Galeria Karstadt Kaufhof in Berlin könnten nach Gewerkschaftsangaben rund 1000 von etwa 2100 Beschäftigten betroffen sein.

Filiale von Galeria Karstadt Kaufhof

© dpa

Passanten gehen an einer Galeria-Kaufhof-Filiale am Ringcenter an der Frankfurter Allee vorbei.

Davon arbeiteten 650 direkt in den Warenhäusern, die übrigen in integrierten Geschäften sowie Feinkostabteilungen und Reisebüros, wie Verdi-Handelsexpertin Erika Ritter am 20. Juni 2020 sagte. In Brandenburg seien nach jetzigem Stand 210 von 400 Beschäftigten betroffen.

«Berliner Warenhäuser sind Kiezgestein»

Bundesweit warnen Kommunen und Politik vor einem Aussterben der Innenstädte. «Die betroffenen Kommunen müssen gemeinsam mit dem Handel und den Immobilieneigentümern Zukunftsstrategien erarbeiten», sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, der «Passauer Neuen Presse» (20. Juni 2020). Beim Handelsverband Berlin-Brandenburg hieß es: «Berliner Warenhäuser sind Kiezgestein»

5317 Mitarbeiter von den Schließungen betroffen

Der angeschlagene Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof hatte am Freitag die Schließung von 62 seiner 172 Warenhäuser angekündigt. Nach Angaben des Gesamtbetriebsrates werden dadurch insgesamt 5317 Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren. Vor einigen Filialen in Berlin versammelten sich am Samstagvormittag Menschen, um gegen die geplante Schließung zu demonstrieren. «Karstadt muss am Leo bleiben», forderte der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), vor dem Standort am Leopoldplatz.

Sechs Berliner Standorte werden schließen

In Berlin sollen sechs von elf Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filialen geschlossen werden. Dazu gehören die Standorte in Charlottenburg, Tempelhof sowie an der Müllerstraße in Berlin-Wedding, im Berliner Ringcenter an der Frankfurter Allee, in Hohenschönhausen sowie die Filiale in den Gropius-Passagen in Neukölln.

Geplante Karstadt-Filiale in Tegel soll nicht öffnen

Damit ist auch die Hauptstadt von den bundesweiten Filialschließungen aufgrund der Corona-Krise massiv betroffen. Insgesamt sollen 62 von 172 Filialen schließen. Der Center-Manager ECE als einer der großen Vermieter kündigte weitere Gespräche an. «Solange noch nichts endgültig entschieden ist, wollen wir versuchen, weiter mit Karstadt Kaufhof zu verhandeln und für die Standorte zu kämpfen», sagte Steffen Eric Friedlein, Geschäftsführer Vermietung der ECE, am Samstag in Hamburg.

Grüne fordern «Kauf-vor-Ort»-Gutscheine

12 der 172 Standorte des Konzerns befinden sich - oftmals schon seit Jahrzehnten - in verschiedenen von der ECE betriebenen Shopping-Centern und seien zu einem großen Teil von den Schließungsplänen betroffen. Dazu zählen auch das Linden-Center in Hohenschönhausen und das Ring-Center an der Frankfurter Allee. Die Grünen forderten, die Bundesregierung müsse «Kauf-vor-Ort»-Gutscheine einführen, um den stationären Einzelhandel sowie örtliche Dienstleistungen und Gastronomie zu unterstützen. «Innenstädte und Ortskerne dürfen nicht aussterben

Landsberg: 50 000 Einzelhändler vor dem Aus

Landsberg sagte der «Passauer Neuen Presse», Galeria Karstadt Kaufhof stehe stellvertretend für die Krise vieler stationärer Händler, die durch die Corona-Pandemie verschärft worden sei. «Nach Schätzungen von Handelsexperten stehen 50 000 Einzelhändler vor der Pleite.» Im RND betonte er, die Corona-Pandemie biete aber auch eine Chance: «Es muss uns gelingen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln - zum Beispiel Gemeinschaftskonzepte zwischen Handel, Gastronomie, Kultur, aber auch Büronutzungen.» Weitere Schließungen müssten verhindert werden. Das Wohnen in Innenstädten könne attraktiver werden, zumal wegen des Trends zum Homeoffice weniger Büroräume gebraucht würden. «Ziel muss es sein, dem drohenden Ausbluten unserer Innenstädte aktiv zu begegnen», so Landsberg. Hierfür müssten sich Kommunen, Unternehmen, Insolvenzverwalter und Immobilieneigentümer an einen Tisch setzen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Samstag, 20. Juni 2020 20:13 Uhr

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