Obdachlosencamp in Berlin geräumt - Proteste linker Gruppen

Obdachlosencamp in Berlin geräumt - Proteste linker Gruppen

Die Räumung des Obdachlosencamps in der Rummelsburger Bucht hat in Berlin Proteste linker Gruppen ausgelöst. Rund 100 Menschen versammelten sich am Samstag bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und verurteilten auf Plakaten den Schritt des zuständigen Bezirksamtes in Lichtenberg.

Räumung der Rummelsburger Bucht

© dpa

Polizeiwagen stehen vor dem Obdachlosencamp in der Rummelsburger Bucht.

In einer Mitteilung linker Grppen hieß es: «Die kälteste Woche des Jahres bei Temperaturen von -12 Grad steht bevor, Corona-Inzidenzzahlen sind nach wie vor hoch, und die Berliner Polizei und Politik hat nichts Besseres zu tun, als den Ärmsten der Armen ihre Unterkunft, Feuerstellen und Besitz wegzunehmen.»
Der stellvertretende Bürgermeister von Berlin-Lichtenberg, Kevin Hönicke (SPD), erklärte am Samstag gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, er habe die Zusage der Eigentümerin des Geländes, dass das Camp bis auf Weiteres nicht zerstört werde. Berichte, wonach die Notunterkünfte der Obdachlosen bereits abgerissen würden, dementierte er.
Kommende Woche hätten die Menschen zwischen 12.00 Uhr 16.00 Uhr die Möglichkeit, eventuell zurückgelassenes Eigentum von dem Gelände zu holen, so Hönicke. Seinen Angaben zufolge wurden 50 von rund 100 Obdachlosen in eine Traglufthalle gebracht. Manche hätten sich in ihre Autos gesetzt und Berlin verlassen. Unter den Bewohnern des Camps seien viele Sinti und Roma gewesen, manche Obdachlose hätten die Unterbringung in einer neuen Unterkunft abgelehnt.
Das Camp war in der Nacht auf Samstag geräumt worden, als Reaktion kam es auch zu Sachbeschädigungen von Linksradikalen. In einem Schreiben auf der linken Internet-Plattform Indymedia hieß es, dass eine Sparkasse in der Nähe beschädigt und Bagger auf einer nahe gelegenen Baustelle «unbrauchbar gemacht» worden seien.
Der Polizei war das Schreiben bekannt, ein Sprecher konnte am Samstagnachmittag aber nur bestätigen, dass Scheiben von Bauwagen und Baufahrzeugen eingeschlagen wurden.
Der Bezirk hatte sich angesichts des erwarteten Kälteeinbruchs dazu entschieden, das Obdachlosencamp aufzulösen. «Wegen des Wetters mit Kälte, Schnee und Feuchtigkeit ist die Lage sehr bedrohlich, wir können nicht mehr gewährleisten, dass Leib und Leben für die Menschen hier gesichert sind», hatte Hönicke vor der Räumung gesagt.
Der Kreisverband der Grünen in Lichtenberg gestand dem Bezirksamt gute Absichten zu, äußerte sich aber besorgt: «Ich fürchte, dass vielen Menschen mit dieser nächtlichen Aktion nicht geholfen ist», erklärte die Bezirksverordnete Daniela Ehlers.
Auf der Brache an der Rummelsburger Bucht lebten die Menschen in Zelten und anderen Unterkünften. Bei der Obdachlosenzählung in Berlin vor einem Jahr war es der Ort mit den meisten Obdachlosen: 81. Das Areal ist Bauland. Dort sollen Wohnungen und die Touristen-Attraktion «Coral World» entstehen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 6. Februar 2021