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Freiflächenentwicklung 2010

Kartenbeschreibung

Zwischen 1950 und 2010 wurden in Berlin auf 11,5 % des Stadtgebiets (10.362 ha) Grün- und Freiflächen für bauliche Zwecke in Anspruch genommen, während im gleichen Zeitraum nur sehr wenige ehemalige Bauflächen in Freiflächen umgewandelt wurden (0,5 % des Stadtgebiets, 450 ha). Die Freiflächenverluste konzentrieren sich auf die Außenbereiche der Stadt und gingen häufig zu Lasten von Landwirtschaftsflächen und Kleingärten.

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Tab. 4: Freiflächenverluste und -gewinne in Berlin seit 1950 (jeweils 1.1. des Jahres)
Bild: nach Umweltatlas 06.03, Bevölkerung Statistische Jahrbücher, Amt für Statistik Berlin-Brandenburg

Vereinzelte, meist auf Kriegseinwirkungen zurückzuführende Freiflächengewinne, sind überwiegend im Innenstadtbereich zu finden, wie z.B. der Görlitzer Park oder der Mauerpark.

Die massive Inanspruchnahme bis dahin unbebauter Flächen setzte nach dem 2. Weltkrieg in Ost-Berlin um ca. zwanzig Jahre später als in West-Berlin ein. In West-Berlin wurden die meisten Freiflächen zwischen 1950 und 1970 bebaut, in Ost-Berlin in den 1970er und 1980er Jahren. In der unterschiedlichen städtebaulichen Entwicklung spiegelt sich die politische Teilung der Stadt nach dem 2. Weltkrieg wider.

Nach Kriegsende waren ca. 30 % aller Gebäude total zerstört oder schwer beschädigt. Am stärksten betroffen waren die Bezirke Mitte und Tiergarten mit über 50 % aller Gebäude sowie Friedrichshain mit 45 %. Die wirtschaftliche Lage beschränkte die Bautätigkeit im sowjetischen wie in den westlichen Sektoren zunächst weitgehend auf Instandsetzung. West-Berlin konnte nach Ende der Blockade 1949 durch das Berliner Aufbauprogramm von Wirtschaftshilfen seitens der USA profitieren. Die DDR und Ost-Berlin wurden dagegen durch Reparationen und Demontagen zusätzlich belastet.

Das städtebauliche Konzept des West-Berliner Aufbauprogramms bestand in den 1950er und 1960er Jahren in der Trennung der städtischen Funktionen und der Entlastung der Innenstädte von dichter Bebauung. Im Stadtinneren wurde großzügig entkernt, abgerissen und neugebaut. An den Stadträndern entstanden auf ehemaligen Freiflächen geschlossene, große Wohngebiete und neue Gewerbegebiete. Mit der internationalen Bauausstellung 1956 wurden größere Siedlungen, wie die Schillerhöhe am Schillerpark in Wedding oder in Charlottenburg-Nord errichtet. Es entstanden aber auch Neubausiedlungen auf ehemals bebautem und im Krieg zerstörtem Gelände, z.B. das Hansaviertel in Tiergarten.

Mitte der 1960er bis Mitte der 1970er Jahre wurden große Wohnsiedlungen am Stadtrand errichtet. Beispiele dafür sind die Satellitenstädte Gropiusstadt in Neukölln und Märkisches Viertel in Reinickendorf.

In den 1970er Jahren konzentrierte sich das Baugeschehen auf die Wiederbelebung der Innenstadt.

In den 1980er Jahren, in denen der Bedarf an Wohnraum im Wesentlichen gedeckt war, beschränkte sich die Bautätigkeit in der Regel auf kleine brachliegende Flächen, die z.B. im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1984-87 bebaut wurden. Größere Freiflächeninanspruchnahmen sind nur noch selten zu verzeichnen. Neue Flächen für Industrie und Gewerbe wurden in Ruhleben, Marienfelde und westlich der Neuköllnischen Allee angelegt.

Bei den wenigen nach 1990 bebauten Flächen handelt es sich um kompakte Wohngebiete auf ehemaligen Ruderal- und Kleingartenflächen in Spandau, Steglitz, Rudow und Reinickendorf, sowie die Bebauungen rund um den Potsdamer Platz.

Als Reaktion auf zunehmenden Wohnungsleerstand geht der Geschosswohnungsbau nach 2000 stark zurück, auf mehreren Stadterweiterungs- und Umnutzungsflächen werden Pläne für Geschoss-Wohnungsbau aufgegeben. Vereinzelte Wohnungsneubauten sind in Frohnau, Bukow, Dahlem, Lichterfelde West und in Altglienicke zu finden. Der Einfamilienhausbau gewinnt an Bedeutung. Das Regierungsviertel wird fertig gestellt. Die Innenentwicklung hat eindeutig Priorität, weniger als 10 % der Flächeninanspruchnahme entfällt auf Stadterweiterungen (z. B. Diplomatenviertel, BND-Gebäude an der Chausseestraße, zwischen Potsdamer und Pariser Platz). Seit seinem Tiefpunkt 2006 steigt der Wohnungsbau wieder an. Und ab 2007 gewinnt auch der Geschosswohnungsbau wieder an Bedeutung (SenStadtUm 2011).
Vermehrte Flächeninanspruchnahme erfolgt für den großflächigen Einzelhandel und Verkehrsanlagen wie die Autobahn durch Neukölln.

In Ost-Berlin kam der Wiederaufbau der Stadt nur langsam voran. In den 1950er Jahren begann man mit der Instandsetzung der wichtigsten Industrieanlagen und Versorgungseinrichtungen, reparaturfähige Wohnhäuser wurden notdürftig wiederhergestellt, aber einen zielgerichteten Aufbau neuer Wohnhäuser gab es kaum. Von Bedeutung ist hier nur die Bebauung der Stalinallee (heute Karl-Marx-Allee), die schon Anfang der 1950er Jahre im Rahmen des Nationalen Aufbauprogramms, dem Gegenstück zum West-Berliner Aufbauprogramm, errichtet wurde.

Erst in den 1960er Jahren begann nach dem Mauerbau mit der Industrialisierung des Ost-Berliner Bauwesens der Wiederaufbau des Stadtzentrums. Zielvorstellung war eine grundlegende Neugestaltung der Innenstadt. Die alte Mietskasernenbebauung sollte Neubauten weichen. Die großflächigen Abrisspläne scheiterten jedoch an den schwierigen ökonomischen Bedingungen und an der vorhandenen Wohnungsnot. Zunächst wurde das im Krieg stark zerstörte Gebiet um die Straßenzüge Unter den Linden, Karl-Liebknecht-Straße, Alexanderplatz, Karl-Marx-Allee bis zur Frankfurter Allee aufgebaut. Neubauten am Fischerkiez und in der Leipziger Straße folgten.

Nennenswerte Freiflächenverluste entstanden durch den Wiederaufbau des Stadtzentrums in den 1960er Jahren nicht. Jedoch führte die Konzentration auf die Neugestaltung des Stadtzentrums zur Vernachlässigung des Wohnungsneubaus. Die Unzufriedenheit unter der Ost-Berliner Bevölkerung mit ihrer Wohnsituation nahm zu. Deshalb wurde 1971 das Wohnungsbauprogramm zum Schwerpunkt des sozialen Programms erklärt. Ziel war die Beseitigung der Wohnungsnot durch Wohnungsneubau und durch die Sanierung der bis dahin vernachlässigten alten Bebauung der Innenstadt. In den 1970er und 1980er Jahren wurden auf ehemaligen Freiflächen große Satellitenstädte in industrieller Fertigbauweise mit immensem Arbeitskräfteaufgebot aus der gesamten DDR errichtet. Es entstanden die Stadtteile Marzahn ab 1976, Hohenschönhausen ab 1979 und Hellersdorf ab 1980. Weitere, allerdings deutlich kleinere Siedlungen wurden bis 1990 im gesamten Ost-Berliner Stadtrandgebiet errichtet.

Die großen Neubaugebiete Marzahn, Hohenschönhausen und Hellersdorf entstanden zum großen Teil auf den ehemaligen Rieselfeldern Malchow und Hellersdorf, die 1968/69 stillgelegt wurden. Naturnahe Bereiche entlang von Fließgewässern, wie der Wuhle oder des Nordgrabens, wurden nicht bebaut, da der Untergrund als Bauland nicht geeignet war. Kleinere naturnahe Flächen, z.B. Pfuhle, wurden jedoch oft zugeschüttet und bebaut.

Neue Wohngebiete bzw. Großsiedlungen auf großen zusammenhängenden Freiflächen hinterließen z.T. kleine, isolierte Grünflächen ohne Erholungs- bzw. Freizeitwert. Ein Beispiel ist die in den 70er und 80er Jahren erfolgte Bebauung zwischen Rummelsburger und Saganer Straße in Lichtenberg. Hier blieben von einem großen kleingärtnerisch bzw. landwirtschaftlich genutzten Areal lediglich ein schmaler Parkstreifen und eine kleine Grünanlage übrig.

Auch die Ausweitung von Industrie- und Gewerbegebieten hat zu den Verlusten an Freiflächen beigetragen. Besonders hoch waren die Verluste im Bereich Rhinstraße – Gehrenseestraße – Hohenschönhauser Straße, der Märkischen Allee und in Pankow an der Autobahn.

Nach 1990 wurden einige bereits projektierte oder begonnene Plattenbaublöcke in Hohenschönhausen und Marzahn fertig gestellt. Die flächenmäßig größten Siedlungen wurden auf den im FNP 94 ausgewiesenen Stadterweiterungsgebieten in Buchholz und Karow-Nord errichtet.

Neue Wohnbauflächen entstanden ab dem Jahr 2000 vor allem in Falkenberg, Biesdorf Süd, Buchholz, Wartenberg und Adlershof.

Insgesamt vollzog sich in den zwei Jahrzehnten seit der Wiedervereinigung die bauliche Entwicklung in Berlin zu 85 % innerhalb des vorhandenen Siedlungskörpers und nur zu 15 % fand eine Außenentwicklung statt (SenStadtUm 2011).