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Kohlendioxid - Emissionen 1995

Methode

Entsprechend dem Ansatz, die Verursacher der CO2-Emissionen auf einer Karte darzustellen, mußten einige grundsätzliche Abgrenzungen erfolgen. Wie die Tabelle 3 deutlich zeigt, nimmt insbesondere die öffentliche Energieversorgung, d.h. die Strom- und Fernwärmeerzeugung für Berliner Energieverbraucher bezüglich der CO2-Emissionen eine herausragende Rolle ein. Die Emissionen entstehen in den Kraftwerken, Heizkraftwerken und Heizwerken der Energieversorgungsunternehmen (EVU), verursacht werden sie jedoch im strengeren Sinne von den Verbrauchern des Stroms bzw. der Fernwärme. So ist es zunächst sinnvoll, die in den genannten Anlagen der EVU entstehenden Emissionen den Strom- bzw. Fernwärmekunden zuzuordnen. Praktisch wird dies realisiert, indem für Strom ein Mittelwert für die CO2-Emission je verbrauchter Kilowattstunde gebildet wurde, der für ganz Berlin gilt. Für die verschiedenen Fernwärmenetze wurden spezifische Emissionsfaktoren gebildet, die aus den CO2-Emissionen der jeweils einspeisenden Heizkraft- bzw. Heizwerke errechnet werden konnten.

Unter dem Aspekt der Emissionsverursachung sind weiterhin die Emissionen von Bedeutung, die bei der Bereitstellung von Energieträgern für den Verbrauch in Berlin außerhalb der Stadt entstehen. Nach Berlin wird Strom geliefert, der überwiegend in den Kraftwerken der Lausitz erzeugt wird. Für die Herstellung von Heizöl in den Raffinerien wird Wärme und Strom benötigt, was notwendigerweise zu CO2-Emissionen im Land Brandenburg oder anderswo führt.

Analysen hierzu haben gezeigt, daß für die Bereitstellung von Öl, Gas und Kohle in Berlin außerhalb der Stadt CO2-Emissionen entstehen, die in der Größenordnung von 5 % der bei der Verbrennung in Berlin entstehenden Emissionen liegen. Neben diesen "grauen Emissionen" der Brennstoffe sind für Berlin insbesondere die mit der Stromlieferung in die Stadt verbundenen Emissionen von Bedeutung, wurde doch 1995 ca. ein Viertel der in Berlin verbrauchten Strommenge in Kraftwerken außerhalb der Stadt erzeugt. Die hier entstehenden CO2-Emissionen betragen ca. ein Fünftel der gesamten in Berlin entstehenden Emissionen.

Angesichts dieser Größenordnungen wurde bezüglich der "grauen Emissionen" durch Energielieferungen nach Berlin ein vereinfachtes Verfahren gewählt. Die dem Strombezug zuzurechnende CO2-Emission wurde im Mittelwert für den Stromverbrauch, die "grauen Emissionen" der Kohle, Mineralöl- und Erdgaslieferungen jedoch nicht berücksichtigt.

Diese Zurechnung nach dem "Verursacherprinzip im weiteren Sinne" ist jedoch auch nicht unproblematisch. Einerseits können die Stromverbraucher die ihnen zugerechneten Emissionen aus der Strombereitstellung heute nur durch die Einsparung von Strom beeinflussen, andererseits haben die Entscheidungen der Energieversorger hinsichtlich ihrer Stromerzeugungsanlagen erheblichen Einfluß auf die mit dem Stromverbrauch verbundenen CO2-Emissionen. Mit anderen Worten: Um die CO2-Emissionen aus dem Stromverbrauch zu senken, könnten die Verbraucher den Stromverbrauch entsprechend vermindern. Aber auch das EVU könnte, durch die Umrüstung eines Kraftwerks auf eine effizientere Technologie (Kraft-Wärme-Kopplung) bzw. einen CO2-ärmeren Brennstoff (z.B. Erdgas), die dem Stromverbrauch zuzurechnenden Emissionen verringern. Diese Form der Emissionsminderung entzieht sich jedoch bisher weitgehend dem Einfluß der Stromverbraucher. In dem zukünftig liberalisierten Elektrizitätsmarkt könnten die Stromkunden dagegen auch über die Wahl der Stromlieferanten entsprechende Emissionsminderungen erzielen. Aus diesem Grund wurde versucht, beide Aspekte auch bei der Datenermittlung bzw. -darstellung zu berücksichtigen:
  • Grundsätzlich werden die Emissionen aus der Strom- bzw. Fernwärmebereitstellung den entsprechenden Verbrauchern zugeordnet.
  • In einem speziellen Berechnungsgang und in einer eigenen Darstellung werden jedoch die CO2-Emissionen der wichtigsten Strom- und Fernwärmeerzeugungsanlagen gesondert ermittelt und dargestellt.

Die Vielzahl der Daten wurde über verschiedene Berechnungs- und Vergleichsschritte insgesamt sechs Bereichen zugeordnet:

  • Der Bereich Private Haushalte umfaßt den Energieeinsatz bzw. die entsprechenden CO2-Emissionen für die Raumwärmeerzeugung, den Warmwasserbedarf, das Kochen und die Nutzung anderer elektrischer Geräte.
  • Der Bereich Öffentliche Einrichtungen umfaßt den Energieverbrauch bzw. die CO2-Emissionen der öffentlichen Einrichtungen, die entweder gesondert erfaßt wurden, ganze Blöcke oder Teilblöcke einnehmen oder genehmigungsbedürftige Anlagen betreiben. Eine Schule, die einen gesamten Block oder Teilblock umfaßt, kann so identifiziert und den öffentlichen Einrichtungen zugeordnet werden, eine Kindertagesstätte im Erdgeschoß eines Hauses dagegen nicht.
  • Dem Bereich Industrie wird der Energiebedarf bzw. die CO2-Emission zugeordnet, die sich aus den Arbeitsplatzangaben für das jeweilige Gewerbe errechnen lassen bzw. aus den Betreiberangaben ggf. vorhandener genehmigungsbedürftiger Anlagen bekannt sind.
  • Dem Bereich Sonstige wird der Energieverbrauch bzw. die CO2-Emission zugeordnet, die sich über entsprechende Flächen-, Arbeitsplatz- bzw. Anlagendaten errechnen lassen, jedoch einem der vorgenannten Bereiche nicht eindeutig zugeordnet werden können. Dieser Bereich umfaßt damit sowohl Angaben zum privaten Dienstleistungssektor als auch "Restpositionen" aus den vorgenannten Sektoren.
  • Angesichts der herausragenden Bedeutung der Stromversorgung für die CO2-Problematik wird der Stromverbrauch für die einzelnen Blöcke einzeln ermittelt und ggf. gesondert ausgewiesen.
  • Die im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie gesondert ermittelten Emissionen des Hauptverkehrsnetzes wurden den entsprechenden Straßenabschnitten direkt zugeordnet.

Neben den absoluten CO2-Emissionen pro Block wurden für jeden dieser Blöcke auch die genutzten Flächen ermittelt, um neben den Emissionen selbst auch spezifische Angaben (Emissionen je Quadratmeter Nutzfläche) darstellen zu können.