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Kohlendioxid - Emissionen 1995

Kartenbeschreibung

Karte 08.03 Kohlendioxid – Emissionen

Die Karte zeigt die absoluten CO2-Emissionen je Block sowie den Verursacherbereich, dem die Emissionen mehrheitlich zuzuordnen sind. Diese Karte verdeutlicht vor allem drei Sachverhalte.

Es zeigt sich ein deutliches Gefälle der CO2-Emissionen von der Innenstadt zu den Randgebieten der Stadt. Einzige Ausnahme bildet der nordöstliche Randbereich der Stadt, für den sich die hohen Blockemissionen nahezu unverändert fortsetzen. Diese Situation resultiert vor allem aus der städtischen Verdichtung. So verursachen die dicht bebauten und besiedelten Innenstadtbereiche sowie die Großsiedlungen in Hellersdorf und Marzahn erheblich größere CO2-Emissionen als die Villen- oder Eigenheimsiedlungen in Dahlem bzw. Rahnsdorf.

Die Abnahme der Emissionen von den Verdichtungszentren zu den Randbereichen der Stadt wird überlagert durch deutlich abgegrenzte Emissionsschwerpunkte. Dabei handelt es sich – im Gegensatz zu den vorgenannten Bereichen – ganz überwiegend um Blöcke mit sehr großen Flächen, von denen – absolut – natürlich auch umfangreiche Emissionen ausgehen.

An dieser Stelle muß auf ein methodisches Problem hingewiesen werden, das sich aus der Definition der Blöcke ergibt. In einigen Fällen sind nur vergleichsweise geringe Teile von sehr großen Blöcken bebaut. Herausragende Beispiele sind hier der Tierpark Friedrichsfelde, der Volkspark Friedrichshain sowie die Flughäfen Tegel und Tempelhof. Sind die dort befindlichen Nutzflächen entweder besonders groß (z.B. Flughafengebäude Tempelhof) oder haben sie einen besonders hohen spezifischen Energieverbrauch (z.B. Großschwimmhalle und Sportzentrum), so wird die gesamte Fläche mit diesem Emissionswert belegt, obwohl die Emission nur von einer – möglicherweise kleinen – Teilfläche ausgeht.

Im Straßennetz entstehen die höchsten Emissionen auf den Stadtautobahnen (hier vor allem auf dem Stadtring), den Ost-West-Magistralen (Frankfurter Allee, Straße des 17. Juni, Kaiserdamm) sowie der Südverbindung aus dem Zentrum (Tempelhofer Damm). Die anderen Hauptstraßen, vor allem im Innenstadtbereich, bilden eine zweite Klasse der Emissionsverursacher des Straßenverkehrs.

Neben den CO2-Emissionen illustriert die Karte – zumindest qualitativ – die erheblichen CO2-Senken, die durch die großflächigen Berliner Wälder – insbesondere im Südosten und Südwesten der Stadt – gebildet werden.

Nachrichtlich wird in der Legende zur Karte 08.03 auf die Verteilung des in Berlin vertankten Flugtreibstoffs bzw. der entsprechenden CO2-Emissionen hingewiesen, die in der Karte nicht dargestellt sind. Etwa 75 % dieser Emissionen sind dem Flughafen Tegel – als dem mit dem höchsten Passagier- und Frachtaufkommen – zuzurechnen.

Karte 08.03.2 CO2-Emissionen ausgewählter Heizkraft-, Kraft- und Heizwerke der öffentlichen Energieversorgung

Die Karte zeigt die Anzahl, die Struktur und die räumliche Verteilung der CO2-Emissionen aus den wichtigsten Energieerzeugungsanlagen der öffentlichen Versorger. Größte Einzelquelle für CO2-Emissionen ist hier das BEWAG-Heizkraftwerk Reuter West, das mehr als 2,5 Mio. t CO2 emittierte. Neben diesem Heizkraftwerk ist für sechs weitere Kraft- bzw. Heizkraftwerke eine Emission von über 1 Mio. t CO2 zu bilanzieren. Der Kraftwerkspark in Berlin ist jedoch einem ständigen Modernisierungsprozeß unterworfen, wie sich auch die Rahmenbedingungen für die Berliner Strom- und Fernwärmewirtschaft durch die Liberalisierung des Stromsektors deutlich verändern. Bereits vollzogen oder angekündigt wurden die folgenden Maßnahmen:

  • Das Heizkraftwerk Mitte wurde 1997 durch eine moderne Gas- und Dampfturbinen-Anlage mit Erdgasfeuerung (Nutzungsgrad ca. 90 %) ersetzt.
  • Das heizölgefeuerte Heizkraftwerk Steglitz wurde 1995 stillgelegt.
  • Zwei der drei Blöcke im Heizkraftwerk Lichterfelde werden von Heizöl auf Erdgas umgerüstet (die CO2-Emissionen aus der Verbrennung von Erdgas liegen um ca. ein Viertel unter denen von Heizöl).
  • Die Fernwärmeversorgung des Märkischen Viertels wurde überwiegend auf Erdgas umgestellt.

Nicht dargestellt in der Karte sind die CO2-Emissionen aus den Berliner Stromimporten, die 1995 ca. 4,8 Mio. t CO2 – und somit fast das Doppelte der Emissionen aus der größten Einzelquelle in Berlin – betrugen.

Karte 08.04 Kohlendioxid – Emissionen nach Sektoren und Nutzflächen

Karte 08.04.1 CO2-Emissionen aller erfaßten Verursacher je Quadratmeter Nutzfläche

Auf dieser Karte werden die spezifischen CO2-Emissionen aller Nutzungsbereiche pro Flächeneinheit (Quadratmeter Nutzfläche) gezeigt. Eine solche Normierung auf die genutzte Gebäudefläche eliminiert den Einfluß der Blockgröße und ermöglicht einen besseren Vergleich der Emissionsdaten.

Das Gefälle, insbesondere zwischen der Innenstadt und den Randbereichen, weicht nunmehr einer relativ gleichmäßigen Verteilung. Der Energiebedarf bzw. die CO2-Emissionen je Quadratmeter Nutzfläche unterscheiden sich in einzelnen Gebieten zwar noch erheblich, die Extrema flachen jedoch deutlich ab. Emissionszentren bilden nunmehr insbesondere die Flächen der kapital- und damit oft energieintensiven Industrie. Die Flächen mit intensiver industrieller Nutzung (vgl. Goerzallee, Am Juliusturm/Nonnendammallee, Grünau/Teltowkanal etc.) werden deutlich. Neben diesen Industrieflächen ergeben sich auch für Teile der Universitäten sowie für einzelne Sondernutzungen (Tierpark, Zoo, Sport- und Erholungszentrum Friedrichshain etc.) deutlich herausgehobene CO2-Emissionen.

Karte 08.04.2 CO2-Emissionen aus dem Stromverbrauch je Quadratmeter Nutzfläche

Die Karte zeigt die CO2-Emissionen je Quadratmeter Nutzfläche, die ausschließlich dem Stromverbrauch zuzuordnen sind. Da Elektrizität für die gesamte Stadt mit einem einheitlichen Emissionsfaktor bewertet wurde, entspricht die Karte auch einer nutzflächenbezogenen Darstellung der Stromverbrauchsintensität.

Die einerseits sehr flächenhaft ausgeprägten CO2-Emissionen aus der Strombereitstellung lassen jedoch einen deutlichen Unterschied zwischen den vormals getrennten Teilen der Stadt erkennen (vgl. exemplarisch die aneinander grenzenden Bezirke Wedding und Prenzlauer Berg), was ganz überwiegend dem unterschiedlichen Haushaltsstromverbrauch zuzurechnen ist. So lag 1995 der durchschnittliche Haushaltsstromverbrauch in den östlichen Bezirken um ca. ein Viertel unter dem im Westteil der Stadt, wobei die durchschnittliche Einwohnerzahl je Haushalt in den östlichen Bezirken um ca. 5 % über dem Durchschnittswert für die westlichen Bezirke lag (BEWAG 1997, BMWi 1997). Der Haushaltsstromverbrauch je Einwohner lag somit im Jahre 1995 in den östlichen Bezirken um ca. 30 % unter dem Vergleichswert der westlichen Bezirke. Neben den flächig verteilten Emissionen zeigen sich insbesondere die großen Industriestandorte – im Unterschied zu den Gesamtemissionen jedoch durchaus mit größeren Differenzierungen – als strom- bzw. emissionsintensive Standorte.

Karte 08.04.3 CO2-Emissionen der Privathaushalte ohne Emissionsanteil aus der Stromversorgung

Die CO2-Emissionen der privaten Haushalte werden zu mehr als drei Vierteln durch die Raumwärmeerzeugung verursacht. Der Raumwärmebedarf bzw. die damit verbundenen CO2-Emissionen hängen sowohl von der zu beheizenden Fläche, als auch von der Wärmedämmung bzw. den zum Einsatz kommenden Heizungssystemen (Fernwärme, Heizöl, Erdgas, Kohle) ab. Die Karte 08.04.3 mit der Darstellung der absoluten CO2-Emissionen aus den privaten Haushalten (jedoch ohne die dem Stromverbrauch zugerechneten Emissionen) zeigt daher zunächst die bereits in Karte 08.03 deutlich gewordene Verdichtungssituation. Insbesondere der Innenstadtbereich, aber auch die Großsiedlungen (Marzahn, Hellersdorf, Märkisches Viertel) weisen hohe Emissionswerte auf. Dieser Effekt wird insbesondere für die Bezirke Prenzlauer Berg, Friedrichshain, aber auch Kreuzberg und Neukölln überlagert durch den höheren Anteil der Kohle-Einzelheizungen, die überdurchschnittlich hohe Emissionen verursachen.

Karte 08.04.4 CO2-Emissionen aus öffentlichen Einrichtungen, Industrie/Gewerbe, Handel und Dienstleistung ohne Emissionsanteil aus der Stromversorgung

In der Karte sind die CO2-Emissionen aller wertschöpfenden Sektoren – jeweils ohne die dem Stromverbrauch zuzurechnenden Emissionen – dargestellt. Für die aus der Wertschöpfung resultierenden CO2-Emissionen zeigt die Karte zwei deutlich unterscheidbare Verteilungen.

Zunächst verursachen die Aktivitäten zur Wertschöpfung eine nahezu gleichmäßig über das gesamte Stadtgebiet verteilte CO2-Emission auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Wesentliche Verursacher sind hier vor allem kleine und mittlere Unternehmen sowie die vielfältigen dezentralen Dienstleistungen von Staat und privaten Anbietern. Darüber hinaus werden eine Reihe von Schwerpunkten der CO2-Emission deutlich, die einerseits die Zentren der industriellen Produktion, aber auch den Handel (Westhafen, Hermannplatz etc.) und den Dienstleistungssektor (z.B. Universitäten, Alexanderplatz) betreffen. Hervorzuheben ist hier, daß diese Emissionsschwerpunkte sich weniger im Stadtzentrum als vielmehr in Richtung der Randgebiete befinden und gleichsam einen "Gürtel" um die Innenstadt bilden.