Renaissance für ICE des Ostens: Fans planen Restaurierung

Renaissance für ICE des Ostens: Fans planen Restaurierung

Zwanzig Jahre nach seiner Ausmusterung soll einer der legendären Prestigezüge der DDR-Bahn wieder durch die Landschaft rasen - zumindest in Mitteldeutschland.

Ein Schnelltriebwagenzug steht in einer Eisenbahnhalle

© dpa

Ein Schnelltriebwagenzug der Baureihe VT 18.16 steht in einer Eisenbahnhalle.

Fans und Liebhaber des «ICE des Ostens» wollen das stillgelegte Exemplar des berühmten Schnelltriebwagens VT 18.16 restaurieren und wieder fahrtüchtig machen. «Die geschätzten Kosten liegen bei vier Millionen Euro», sagte Gunnar Kloß von der für das Projekt gegründeten Betreibergesellschaft SVT Görlitz gGmbH.

ICE des Ostens soll im März 2023 wieder fahren

Ambitioniertes Ziel: im März 2023 soll der ehemalige internationale Reisezug zurück auf der Schiene sein, «auch genau 60 Jahre nach der Vorstellung des Prototyps bei der Leipziger Messe». Die Enthusiasten setzen auf finanzielle Unterstützung der drei Länder Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, des Bundes und der EU für die Erhaltung des Kulturguts, das Eigentum des DB Museums in Nürnberg bleibt.

Spendenlauf für Restaurierung

«Wir wollen auch Spenden sammeln», sagt Kloß. Dafür steht der seit 2019 geschützt in einer Dresdner Eisenbahnhalle untergebrachte 100 Meter lange Zug an diesem Wochenende für 36 Stunden im Mittelpunkt. 15 Sportler wollen insgesamt etwa 300 Kilometer laufen. «Das ist die Strecke Dresden-Prag, die der Zug am 12. April 2003 zum letzten Mal zurücklegte.» Mit Hilfe von Sponsoren sollen 40 Euro pro Kilometer zusammenkommen, um defekte Batterien und die Heizung des Zuges instandzusetzen.

Schnelltriebwagen machten Nobelzug zur Legende

Der Nobelzug der Deutschen Reichsbahn wurde vor allem durch den Einsatz des Schnelltriebwagens der später SVT 175 bezeichneten Baureihe zur Legende. In den 1960er Jahren stellte der Waggonbau Görlitz acht davon her. Die mit ihnen international verkehrenden luxuriösen Dieselzüge wurden Vindobona, Karlex oder Neptun genannt - je nach Strecke: von Berlin und Leipzig aus über Prag nach Wien, nach Karlsbad (Tschechien) oder auch mit der Fähre über die Ostsee nach Kopenhagen und Malmö.

Sonderfahrten und Chartermöglichkeiten geplant

«Die Namen, die schnittige und visionäre Form und 160 Kilometer pro Stunde Höchstgeschwindigkeit machten die Züge damals zum Stolz der Reichsbahn und vieler Eisenbahnfreunde in der DDR», sagt Kloß. SVT stand für Schnellverkehrstriebzug mit Verbrennungsmotor, die 18 für 1800 PS und die 16 für die Höchstgeschwindigkeit. Mit dem SVT 18.16.10, wie es auf dem wuchtigen Bug zu lesen ist, plant die Betreibergesellschaft künftig zunächst zehn Sonderfahrten im Jahr. Ab 40 trägt sich der beige Zug, den ein dicker roter Streifen im unteren Drittel schnittig aussehen lässt, selbst. «Er kann dann auch gechartert werden», sagt Kloß. «Anfragen gibt es schon.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 23. Oktober 2020 09:49 Uhr

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