Prozess nach tödlichem Autorennen: Raser will aussagen

Prozess nach tödlichem Autorennen: Raser will aussagen

Für einen der beiden Männer, die als Ku’damm-Raser bekanntgeworden sind, ist es der vierte Prozess: Rund viereinhalb Jahre nach dem tödlichen Autorennen in Berlin hat ein neuer Prozess gegen einen 28-Jährigen begonnen. Er hatte sich mit einem inzwischen rechtskräftig wegen Mordes verurteilten Raser ein Rennen geliefert. An einer Kreuzung kam es zu einem Unfall, bei dem ein unbeteiligter 69 Jahre alter Autofahrer starb. Einer der Verteidiger des 28-jährigen Deutschen erklärte zu Prozessbeginn am Dienstag, sein Mandant werde sich voraussichtlich am dritten Verhandlungstag äußern.

Justitia

© dpa

Das Konterfei der Justitia am Gerichtsgebäude in der Turmstraße.

Der Fall beschäftigt die Justiz seit Jahren. Über zwei Urteile, die am Berliner Landgericht gesprochen wurden, entschied bereits der Bundesgerichtshof (BGH). Der Vorsitzende Richter im jetzigen Prozess erklärte, es gebe «eine ausgesprochen große Bandbreite möglicher Ausgänge» für das Verfahren gegen den 28-Jährigen. Die Anklage lautet auf gemeinschaftlichen Mord. Als Zeuge in dem bis Ende Dezember terminierten Prozess ist auch der rechtskräftig verurteilte zweite Ku’damm-Raser vorgesehen.
Die beiden Männer waren am 1. Februar 2016 Ermittlungen zufolge mit bis zu 170 Kilometer pro Stunde über den Kurfürstendamm gerast. Der rechtskräftig verurteilte Fahrer rammte schließlich den Jeep eines unbeteiligten Mannes, der bei für ihn grüner Ampel auf die Kreuzung gerollt war. Der Fahrer starb in seinem Wagen. Das Auto war 70 Meter weit durch die Luft geschleudert worden. Die beiden Raser wurden kaum verletzt.
Der Bundesgerichtshof hatte zuletzt im Juni 2020 in dem Fall entschieden. Den Schuldspruch gegen einen der beiden Angeklagten bestätigte der BGH. Das Urteil für den 28-Jährigen hoben die Bundesrichter auf und ordneten eine Neuverhandlung vor einer anderen Strafkammer des Landgerichts Berlin an. Der Haftbefehl blieb allerdings bestehen. Der Mann befindet sich seit März 2016 in Untersuchungshaft. Auch eine Verurteilung wegen eines versuchten Tötungsdelikts sei möglich, hieß es am Rande.
Deutschlandweit zum ersten Mal in einem Raser-Fall hatte eine andere Strafkammer des Landgerichts Berlin gegen beide Männer im Februar 2017 lebenslange Haftstrafen wegen Mordes verhängt. Der Bundesgerichtshof (BGH) kassierte aber das Urteil und begründete, der bedingte Tötungsvorsatz sei unzureichend begründet.
In der Neuverhandlung in Berlin, die im ersten Anlauf gescheitert war, wurden beide Angeklagte schließlich im März 2019 erneut des Mordes schuldig gesprochen. Danach ging der Fall wieder vor den Bundesgerichtshof. Der BGH bestätigte für einen Angeklagten die Verurteilung wegen Mordes. Im Fall des 28-Jährigen, dessen Wagen nicht mit dem Jeep kollidiert war, sah der BGH einen gemeinsamen Tatentschluss und somit eine Mittäterschaft nicht belegt.
Der 28-Jährige hatte in einem früheren Prozess erklärt, er sei damals überzeugt gewesen, dass durch seine Raserei «niemals etwas passiert, weil ich einfach zu gut war». Maßlose Selbstüberschätzung sei es gewesen. Sein Sportwagen sei damals sein «Statussymbol» gewesen. Seine Anwälte plädierten in dem damaligen Prozess auf einen Schuldspruch wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung seiner damaligen Beifahrerin.
Der Prozess wird am 8. Oktober fortsetzt. Zur Aussage des 28-Jährigen könnte es am 27. Oktober kommen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Dienstag, 6. Oktober 2020 15:49 Uhr

Weitere Meldungen