Autofreie Friedrichstraße: Anreize für Anlieger

Autofreie Friedrichstraße: Anreize für Anlieger

Schmale Bürgersteige, durchrauschender Verkehr und immer weniger Läden: Berlins Friedrichstraße, nach dem Mauerfall als mondäne Flaneur-Meile erhofft, wirkt auf manche heute eher langweilig. Lässt sich das ändern?

Friedrichstraße

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Blick auf die Friedrichstraße am Abend. Foto: Jörg Carstensen/Archivbild

Berlin (dpa/bb) - Berlins Bezirk Mitte bietet Läden und Anwohnern in der Friedrichstraße künftig an, Parkstreifen kreativ zu nutzen. Möglich seien dann statt Autos-Parkplätzen zum Beispiel Kübel für Grünpflanzen oder Holzpodeste für ein Straßencafé, kündigte Mittes Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) am Freitag an. Die Angebote und Initiativen müssten aber aus der Straße selbst kommen. «Wir legen den Ball auf den Elfmeterpunkt. Schießen und verwandeln müssen andere», sagte von Dassel. Bisher habe sich noch nicht viel gerührt.
Für die Friedrichstraße zwischen dem Boulevard Unter den Linden und der Leipziger Straße gibt es schon länger die Idee einer autofreien Zone. Einen ersten Test will der Bezirk vom 4. bis 6. Oktober wagen. Für diese Zeit ist nun ein Straßenfest geplant.
Der Bezirk finanziere das Fest mit Rest-Geldern aus der City Tax, sagte von Dassel. Bisher seien rund 30 000 Euro für eine zentrale Modenschau kleiner Labels vorhanden. Manche drohten ihre Berliner Läden wegen steigender Gewerbemieten zu verlieren. Ferner würden große Kübelpflanzen als Hingucker aufgestellt. Denn in der eher engen und geraden Straße können wegen der U-Bahnröhre und unterirdischer Leitungen keine Bäume wachsen. Die Straße habe ein bunteres Image dringend nötig, sagte von Dassel. Für den Rest des Programms seien die Anrainer eingeladen.
In der zweiten Adventswoche soll es eine zweite Sperrung für Autos als weiteres Appetithäppchen geben. Von Dassel könnte sich eine Nutzung leerstehender Ladenlokale in der Friedrichstraße durch kleine Modefirmen vorstellen - mit reduzierter Miete für eine begrenze Zeit. Aber auch das müsse von Eigentümern oder Pächtern gewollt werden. Anders als am Kurfürstendamm gebe es hier aber keinen schlagkräftigen lokalen Zusammenschluss. Die Straße sei geprägt von Baufonds, die zum Teil in Insolvenz seien.
Die Friedrichstraße, nach der Wende als neue Shopping-Edelmeile beworben, leidet schon lange unter Laden-Leerstand und der Verkehrssituation. Die Bürgersteige sind schmal, ein Flaneur-Gefühl kommt schwer auf - mit toten Läden und halbleeren Einkaufsquartieren schon gar nicht. Einziges Flaggschiff sind die Galeries Lafayette. Doch ob das französische Kaufhaus der Friedrichstraße auch langfristig treu bleibt, ist nicht sicher.
Im kommenden Jahr will der Senat eine mehrwöchige Sperrung dieses Teils der Friedrichstraße als Verkehrsversuch starten und auswerten. Ursprünglich war allerdings einmal angedacht, den Boulevard Unter den Linden für Autos zu sperren. Ein reine Fußgängerzone würde die Friedrichstraße wahrscheinlich auch nicht werden können - Fahrradfahrer und neuerdings auch E-Scooter brauchen mehr Platz und sichere Wege.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 19. Juli 2019 14:50 Uhr

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