Kommunen klagen: Knausern A14-Planer beim Lärmschutz?

Kommunen klagen: Knausern A14-Planer beim Lärmschutz?

Eigentlich bremsten immer die Naturschützer beim Neubau der Autobahn 14 durch den Norden Sachsen-Anhalts. Sie wird gerade in der Altmark heiß ersehnt - doch jetzt Klagen anliegende Kommunen gegen einen Bauabschnitt. Warum riskieren sie weitere Verzögerungen?

Arbeiter auf A14-Baustelle

© dpa

Arbeiter auf der Baustelle der zukünftigen Autobahn A14. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/Archivbild

Eine neue Klage von überraschender Seite droht den Weiterbau der Autobahn 14 erneut zu verzögern. Am Donnerstag (16. Mai 2019) sollen beim Bundesverwaltungsgericht die Klagen der Stadt Seehausen sowie der Verbandsgemeinde Seehausen eingehen, wie Verbandsgemeinde-Bürgermeister Rüdiger Kloth (CDU) sagte. Damit werden entsprechende Beschlüsse der Kommunalparlamente umgesetzt. «90 Prozent der Ratsmitglieder sind klare Befürworter der Autobahn und hätten sie lieber gestern als morgen», sagte Kloth. Doch es gebe gewichtige Gründe zu klagen - trotz möglicher neuer Bauverzögerungen.

Vorwurf: Bedenken wurden nicht ernst genommen

Doch wie passt das zusammen? Der Schritt sei ein weiterer Versuch, zum Schutz der Anwohner einige Umplanungen durchzusetzen, so Kloth, der bei einer Ratsabstimmung anders als die Mehrheit gegen die Klage stimmte. Den Kommunalpolitikern stößt auf, dass in der achtjährigen Planungsphase eine handvoll Bedenken «einfach rigoros abgebügelt wurden», so Kloth. Eine gewichtige Sorge heißt Lärmschutz.

Besserer Lärmschutz gefordert

Beispiel Geestgottberg, eine kleine Ortschaft direkt an der Landesgrenze zu Brandenburg. «Die Bewohner wohnen künftig nur einen Steinwurf von der Trasse entfernt.» Eine Lärmschutzwand sei geplant, allerdings nicht eine, die den Schall schluckt, sondern lediglich die günstigere Variante, die den Schall zurückwirft. Das Bitten um den besseren Schutz sei abgeschmettert worden, so Kloth. Überall sei nur der minimalste Lärmschutz geplant worden, um nach allen Berechnungen gerade so die Grenzwerte einzuhalten. «Wenigstens beim Schallschutz sollte eine unkomplizierte Verbesserung möglich sein», so Kloth.
Knausern die Planer der A14 also beim Lärmschutz? Diese Frage beschäftigt auch den FDP-Bundestagsabgeordneten Marcus Faber. Er kommt aus der Altmark und fragte die Bundesregierung, wie viel Geld der Bund auf dem 97 Kilometer langen Neubau der Autobahn 14 im Norden Sachsen-Anhalts in Schallschutz investiert.

Faber (FDP): Zu wenig Geld für Lärmschutz eingeplant

Die Antwort: Auf der gesamten Strecke werde für rund 15 bis 20 Millionen Euro «lärmmindernder Fahrbahnbelag» verbaut. Zusätzlich sollen 8,5 der derzeit geplanten 950,6 Millionen Euro in Lärmschutzwände fließen. Das sei nicht einmal ein Prozent der Gesamtbaukosten, rechnete Faber vor. Auf vier von acht Abschnitten sei nicht ein Euro für Schutzmaßnahmen geplant.

Lärmschutz zweiter Klasse?

«Das wirkt auf mich sehr sparsam», sagte Faber. «Viele Menschen in der Region haben das Gefühl, dass Lärmschutz bei neuen Bauprojekten für Auto und Schiene nicht so ernst genommen werden und es nur einen Lärmschutz zweiter Klasse gibt.» Angesichts der drohenden neuen Verzögerungen wegen der klagenden Kommunen warb er für großzügigere Investitionen. «Damit fährt man auf jeden Fall günstiger, als wenn sich das ganze Projekt verzögert und alle Baukosten steigen.»

A14 könnte in sechs Jahren fertig sein

Die Verlängerung der A14 soll von Magdeburg bis an die Ostsee reichen und mindestens 1,5 Milliarden Euro kosten. In Mecklenburg-Vorpommern ist die neue Trasse fertig, in Brandenburg nahezu. In Sachsen-Anhalt sorgten Klagen von Naturschützern so oft für Verzögerungen, dass Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) vorigen Sommer schätzte, die Autobahn könnte in sechs Jahren fertig sein.

Bauverzögerungen sind noch abwendbar

Und was sagt die Landesregierung zu den neuen Entwicklungen? «Jede Klage bedeutet Zeitverzögerung und das ist sehr bedauerlich, vor allem für die weit überwiegende Zahl der Altmärker, die auf die Fertigstellung der A14-Nordverlängerung warten», ließ Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) knapp ausrichten. Das muss nicht so kommen, widersprach Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Kloth. Sollte es ein Einlenken geben, könne die Klage jederzeit zurückgezogen werden.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 16. Mai 2019