Erste Bilanz: Ein Jahr Tempo 30 auf der Leipziger Straße

Erste Bilanz: Ein Jahr Tempo 30 auf der Leipziger Straße

Seit vergangenem April gilt Tempo 30 auf einem Teil der Leipziger Straße. Nach einem Jahr Testphase ist klar: Viele fahren tatsächlich nicht schneller als 30 km/h - aber das liegt nicht am Tempolimit.

  • Tempo 30 auf der Leipziger Straße© dpa
    Ein Schild begrenzt die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Leipziger Straße auf 30 Stundenkilometer.
  • Fahrzeuge sind auf der Leipziger Straße unterwegs© dpa
    Fahrzeuge sind auf der Leipziger Straße unterwegs.
  • Verkehr in der Leipziger Straße© dpa
    Verkehr in der Leipziger Straße.
Ungewöhnlich wenige Autofahrer verstoßen gegen das Tempo-30-Gebot, das seit einem Jahr auf einem Teil der Leipziger Straße in Berlin gilt. Das liege aber vor allem daran, dass der ständig stockende Verkehr ein schnelleres Fahren gar nicht erst möglich mache, bestätigte die Polizei Berlin der Deutschen Presse-Agentur. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens gebe es häufig Staus, heißt es in der Antwort der Polizei - «weshalb die festgestellte Überschreitensrate geringer ist als bei vergleichbaren Straßenabschnitten».

Großteil der Autofahrer hält sich an das Tempolimit

Ein Jahr nach Einführung der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h auf einem Abschnitt der Leipziger Straße sieht die Statistik daher gut aus: «Die ermittelte Überschreitensrate von 3,92 Prozent liegt deutlich unter dem berlinweiten Durchschnitt vergleichbarer Straßenabschnitte», heißt es in der Antwort der Polizei. Das bedeutet: Nicht einmal 4 Prozent der kontrollierte Fahrzeuge fahren schneller als 30 km/h. Der Durchschnitt liegt in Berlin laut Polizei bei 11,34 Prozent.

Stickstoffdioxid-Konzentration in der Leipziger Straße um 23 Prozent gesunken

Hintergrund der Drosselung war eine zu hohe Konzentration von Stickstoffdioxid (NO2) in der Luft an der Leipziger Straße. NO2 gilt als gesundheitsgefährdend. Vor einem Jahr rief die Stadt den Modellversuch mit Tempo-30-Zonen für bessere Luft auf einigen Hauptstraßen aus. Pilotstrecke war ab dem 9. April 2018 die Leipziger Straße. Die Stickstoffdioxid-Konzentration sei bereits um 23 Prozent gesunken, sagte Jan Thomsen, Sprecher der Berliner Umweltverwaltung. «Aber welchen Anteil Tempo 30 daran hat, das ist nun genau noch herauszufinden.»

Für eine konkrete Jahresbilanz sei es noch zu früh

«Da ist nicht nur ein komplettes Jahr an Messwerten erforderlich, sondern es müssen auch noch Laboranalysen gewonnen werden», erklärt Thomsen. Im Sommer könnte feststehen, ob die Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Leipziger Straße - einer der Hauptverkehrsachsen der Stadt - tatsächlich zu besserer Luft geführt habe.

Laut Polizei hatte die Begrenzung auch andere Effekte

Die Überwachung der Tempo-30-Strecken binde «materielle und personelle Ressourcen». Das gehe zu Lasten der Überwachung von sogenannten sensiblen Orten, etwa Schulen, Kitas, Senioreneinrichtungen und Unfallschwerpunkten. Die Umweltverwaltung kennt das Problem. Man sei in Gesprächen mit der Senatsverwaltung für Inneres und der Polizei, «um zu klären, was da machbar ist», sagte Thomsen. «Natürlich können wir nicht alle Leute jetzt überall abziehen und alle nur noch auf Tempo 30 oder Fahrverbotszonen lenken.» Die begrenzten Personalkapazitäten der Polizei habe man im Blick, und man sei zuversichtlich, eine Lösung zu finden.
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: 5. April 2019