Rufus Beck: Charlottenburg ist ein bisschen wie «München light»

Rufus Beck: Charlottenburg ist ein bisschen wie «München light»

Rufus Beck ist als Schauspieler, Musiker und Hörbuchsprecher einer der vielseitigsten Künstler Deutschlands. Ab September steht er als Chefarzt Richard in der Filmadaption «Willkommen bei den Hartmanns» auf der Bühne des Schillertheaters. Die Hartmanns führen ein geregeltes Leben, bis sich Richards Frau Angelika, gespielt von Gesine Cukrowski, entscheidet, den nigerianischen Flüchtling Diallo aufzunehmen, der alles auf den Kopf stellt.

  • Rufus Beck© dpa
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Herr Beck, in Ihrem aktuellen Stück wird viel mit deutschen Klischees und dem Spießbürgertum gespielt – wieviel davon entdecken Sie bei sich selbst?

Deutsch bin ich auf jeden Fall. Ich achte auf Pünktlichkeit, Sauberkeit, eine gewisse Disziplin. Ich bin zudem ja auch Münchner, wohne also in einer typisch deutschen Stadt, in der man sehr auf Umwelt und Natur achtet. Der Film, auf dem das Stück basiert, spielt sogar in München-Grünwald! Genau dort habe ich gewohnt und mit den Kindern habe ich ja auch eine ähnlich gutbürgerliche Familie. Ich habe mir also natürlich schon die Frage gestellt, wie eine solche Situation bei uns Zuhause ablaufen würde. Viele Diskussionen würden bei den Becks vermutlich ähnlich ablaufen.

Wie Sie bereits erwähnten, basiert das Stück auf einem erfolgreichen Kinofilm von 2016. Welche Veränderungen gibt es in der Bühnenfassung?

Neu ist der Ort. Familie Hartmann lebt jetzt in Berlin, entweder in Zehlendorf, Dahlem oder Grunewald. Natürlich werden wir den Text aktualisieren und uns mit aktuellen Ereignissen auseinandersetzen, aber das Stück dreht sich vor allem um die Familie: Die Hartmanns sind skeptisch und haben Vorurteile. Ihr Zusammenleben ist von unterschwelligen Konflikten geprägt und auf einmal müssen sie dann zusammenhalten, weil sie den Flüchtling Diallo unterstützen. In unserer Geschichte wird das nicht ganz positiv ausgehen, soviel kann ich auch schon mal sagen. Im Film war das ja Friede, Freude, Eierkuchen - bei uns wird das etwas realistischer sein.

In «Willkommen bei den Hartmanns» wird der Sohn Ihrer Figur von Ihrem Sohn Jonathan gespielt. Das ist nicht Ihre erste Zusammenarbeit– was ist das Besondere daran?

Das ist mir auch schon aufgefallen! Aber ich hatte als die Kinder geboren wurden eine Vision: Ich wollte möglichst viel Zeit mit ihnen verbringen. Mein Vater war beruflich sehr viel unterwegs, auch im Ausland, deshalb bin ich im Internat aufgewachsen. Ich wollte das anders machen. Es ist bestimmt kein Zufall, dass Jonathan und ich sehr viele Projekte gemeinsam umsetzen: Wir haben ein spezielles Verhältnis, wir sind uns sehr nah und wir können gut miteinander arbeiten.

Tickets: Rufus Beck in «Willkommen bei den Hartmanns» erleben

Willkommen bei den Hartmanns - Das Theaterstück
Fotografen Michael Petersohn (www.polarized.de)

Willkommen bei den Hartmanns - Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

Nächster Termin:
Willkommen bei den Hartmanns
Termin:
Mittwoch, 19. September 2018, 20:00 Uhr
Ort:
Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater
Adresse:
Bismarckstraße 110, 10625 Berlin-Charlottenburg
Preis:
ab 22,90 €
Ticket-Hotline Anrufen Online bestellen

Wo fühlen Sie sich in Berlin am wohlsten?

Charlottenburg! Besonders im ganzen Kiez rund um den Savignyplatz. Natürlich ist Berlin dort etwas abgehoben, aber ich komme ja auch aus einer sehr bürgerlichen Stadt wie München, also ist Charlottenburg für mich ein bisschen wie «München light».

Sie sind in Ihrer Freizeit oft in der Natur unterwegs: Kajakfahren, Skifahren, Segeln. Wo finden Sie in Berlin die Möglichkeit zur sportlichen Betätigung?

Entweder ich gehe Joggen, Radfahren oder mache Yoga. In Berlin gibt es, anders als in München, eine Vielzahl an tollen Yogastudios. Wenn es zeitlich passt, werde ich auch mal raus an den Wannsee fahren und mir ein Segelboot ausleihen.

Sie waren in Ihrer Karriere schon vieles: Hörbuchsprecher, Schauspieler, Performer, Musiker – was steht noch auf Ihrer beruflichen Bucketlist?

Ich habe noch nie Filmregie geführt oder ein Drehbuch geschrieben, aber ob ich das gerne machen würde, weiß ich nicht. Es ist unglaublich zeitaufwendig und ich mache lieber unterschiedliche Sachen. Meine älteste Tochter hat eine vierteilige Serie («Servus Baby») für den Bayerischen Rundfunk geschrieben, da hat sie drei Jahre dran gearbeitet, dafür hätte ich nicht Geduld.

Und abgesehen von Ihrer Karriere? Was wollen Sie unbedingt noch machen?

Es gibt so viele sportliche Herausforderungen, die ich wahnsinnig spannend finde! Ich bin zum Beispiel auch Gleitschirmflieger und jedes neue Fluggebiet ist immer ein Abenteuer. Vor kurzem bin ich zum ersten Mal in einem neuen Gelände geflogen und war recht nervös, fast wie bei einer Theaterpremiere. Das macht den Sport für mich reizvoll, weil ich der Nervosität begegnen, sie kanalisieren und schlussendlich kontrollieren kann. Dieser Prozess hilft mir nicht nur im Beruf, sondern hält mich auch jung.

Stichwort Nervosität: Haben Sie denn auch heute noch Lampenfieber vor Premieren?

Natürlich habe ich noch Lampenfieber, aber das merkt man mir nicht an.

Also vergessen Sie auch nie Ihren Text?

Ich hatte noch keinen Hänger oder Blackout, weil ich die Dinge sehr persönlich nehme. Ich habe eine spezielle Methode Text zu lernen, bei der eine Software mir den Text meiner Kollegen vorliest und ich darauf regiere. So vergesse ich nichts. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.

Was ist die nächste Station für Sie?

Für mich geht es nach dem Stück erstmal zurück nach München. Als freischaffender Künstler habe ich immer viel vor: Mit der Band unterwegs sein, ein Projekt mit dem Orchester oder an einem Dreh mitarbeiten, aber das ist alles noch nicht sicher. Letztendlich ist da nächstes Jahr eine große, weiße Fläche auf meinem Kalender, wo ich noch nicht weiß, was passiert. Aber bisher ist immer irgendwas passiert.

Das Interview führte Viola Heeger am 20. Juli 2018.

Aktualisierung: 10. August 2018