Geht es dir gut? - Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Ich meine, jetzt kommt ja hoffentlich nächste Woche nicht noch was. Ich meine, was soll denn eigentlich noch kommen? Atomare Bedrohung haben wir, Klimakatastrophe haben wir. Pandemie haben wir.

Es kann nur noch ein Meteorit, Außerirdische – es kann höchstens Gott zu uns wirklich, persönlich sprechen. Oder du kommst zu mir zurück.
Da würde ich heulen, sofort.
Ja, also weißt du, das mein ich. Das ist doch noch alles drin!

Ich seh die zukünftigen Generationen nicht, ich seh die Gesichter nicht, die ja sofort ein Gesprächsangebot wären. Aber es könnte sein, dass mich das Ganze an etwas erinnert: Ich seh dich ja auch nicht. Eine Rakete, ein Krieg, der mir sagt, ich kann nicht mehr nur über uns beide reden. Aber ist in deinem Gesicht nicht, und in dem Gesprächsangebot das es mir sofort macht, SOFORT, die Gerechtigkeit, Mitleid, Liebe auch für abstrakt bleibende künftige Generationen aller Wesen auf diesem Planeten zu finden?

Vor einem Kind sitzend, erwägt man vielleicht wenigstens eine oder zwei zukünftige Generationen, warum nicht eine dritte und vierte, die diese Augen nicht mehr sehen wird? Und eine fünfte, die nie von uns gehört hat? Ist es unvorstellbar? Oder aus welcher Enge unserer Selbstsucht müssten wir da heraus, um das zu verstehn?

Hat von denen, die noch nicht geboren sind, überhaupt jemand noch Lust, sein Gesicht, seinen Körper so sehr in diese Welt zu setzen, so sehr, dass man nicht an ihm vorbeikommt? Wird sich von den Ungeborenen noch jemand aufmachen wollen, um hier zu stören? Wird irgendeine DNA noch die unvorstellbar unendlichen Kopiervorgänge auf sich nehmen wollen, um sich aus dem Fenster zu lehnen?

Man muss die Zukünftigen die Welt mitgestalten lassen. Sie werden sicher nicht das sein, was wir erwartet haben, und deshalb sollten wir auch nicht das sein, was sie grobfahrlässig dann erwartete.

So wie es jetzt ist, ist die Zukunft vorhersehbar. Man müsste sie wieder unvorhersehbar machen. Wir sollten wieder das werden: die zukünftige Generationen höflich Fragenden. So wie es jetzt ist, ist die Zukunft ein ausgetretener Pfad.

Meine Therapeutin hat ja auch gesagt: Du kommst nicht wieder. Und sie kennt ja alle Geschichten mit dir. Und ich soll mich statt um dich, jetzt lieber um mich selber kümmern. Aber ich denke mal, das lässt sich genauso gut umbiegen auf zukünftige Generationen. Ich weiß ja, wie es ist, in Gesichter nicht reinschießen zu können, sondern eigentlich sofort und automatisch jedes Gesicht als ein Gesprächsangebot zu sehen. Nur eben jetzt auch Gesichter, die noch nicht geboren worden sind. In die schießt ja jeder von uns rein gerade. Wie an einem Strand ein Gesicht aus Sand formen zu wollen, der mit Mikroplastik verseucht ist, das ist ja wie in jedes Gesicht reinzuschießen, das noch nicht geboren ist. Du hast das Gesicht fertig an einem Strand und dann siehst du wie zerschossen das ist, noch bevor es die nächste Welle wegspült. Das Gesicht im Sand wird nicht vergehen.

Die Maske sagt ja dem, der sie trägt, der Planet hier hat keine Atmosphäre. Und die hat er ja wirklich nicht. Wir sind damit wie Fremde auf einem anderen Planeten. Und die Maske sagt ja denen, die sie sehen, zwei Fremde können mit ihr nicht jene Vorleistung des Vertrauens erbringen, die im demonstrativen Verzicht auf Tarnung und Bewaffnung besteht. In Kyiv ja auch nicht.

Jetzt sitzen die mit Masken da und *schnipps*, sitzen die vielleicht gleich mit Gasmasken da.

In keinem Krieg sind so viele so einsam gestorben.

Künstler/Beteiligte: Volksbühne Berlin

Laufzeit: So, 26.02.2023 bis Sa, 18.03.2023

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Ort:
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Adresse:
Kurfürstendamm 153, 10709 Berlin-Wilmersdorf
Preis:
ab 49,70 €
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