Union-Coach Fischer: «Konjunktiv ist schlechter Begleiter»

Union-Coach Fischer: «Konjunktiv ist schlechter Begleiter»

Natürlich gibt es nach sechs Runden noch keinen Grund zur Panik. Doch Union-Trainer Fischer treibt eine Sorge um. Zu oft wiederholt sich schon das Szenario: Mitgehalten, aber sich nicht belohnt. Dazu kommt der Schock der schweren Verletzung bei Akaki Gogia.

Urs Fischer

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Union Berlins Trainer Urs Fischer steht klatschend am Spielfeldrand. Foto: Andreas Gora

Berlin (dpa) - «Das fühlt sich halb enttäuschend an.» Wieder einmal müssen sich Trainer Urs Fischer und seine Unioner schütteln und schnell für die nächste Aufgabe rüsten. «Du merkst, du bist nahe dran. Du kannst ein Spiel ausgeglichen gestalten. Du bekommst dann Komplimente, aber verlierst ein Spiel, was du nicht verlieren musst. Das musst du wegstecken können», beschrieb der Trainer des Berliner Bundesliga-Neulings die Gefühle nach der dritten Niederlage in Serie. Wie schon zuvor gegen Bremen sei auch gegen Europa-League-Vertreter Eintracht Frankfurt «mehr drin gewesen», sagte Fischer: «Aber wäre und wenn: Der Konjunktiv ist ein schlechter Begleiter.»
Die Komplimente der Konkurrenz für den wieder einmal leidenschaftlichen Heimauftritt der Eisernen kann Fischer nur noch schwer ertragen. «Ich glaube, dass hier noch einige Mannschaften Punkte liegenlassen werden», sagte Frankfurts österreichischer Trainer Adi Hütter, der seinen Kollegen bestens aus gemeinsamen Zeiten in der Schweizer Liga kennt, nach dem 2:1-Sieg der Eintracht im Stadion An der Alten Försterei.
Die Fakten für Union aber sind: Drei von vier Heimspielen verloren. Union steckt im Tabellenkeller. «Jetzt musst du versuchen, in Wolfsburg zu punkten. Da dürfen nicht zehn, 15 Minuten vorkommen wie gegen Frankfurt», sagte der Trainer. Die Viertelstunde zu Beginn der zweiten Halbzeit hat dem Aufsteiger laut Fischer zumindest einen möglichen Punkt gekostet. «Am Schluss lag es daran, dass Eintracht nach der Pause effizienter war. Dass sie es eiskalt ausgenutzt haben, was wir zugelassen haben», bemerkte der 53-Jährige.
Die Frankfurter münzten in dieser Phase ihre reifere Spielanlage durch ihr neues Knipser-Duo Bas Dost und André Silva in die entscheidenden Treffer um. Der Anschluss durch den eingewechselten Anthony Ujah nutzte Union nach dem aufopferungsvollen, aber unbelohnten Kampf vor 22 012 Fans nichts mehr.
Die theoretische Lösung für das Problem hat Fischer bereits verkündet. Es gehe darum, «noch besser Entscheidungen zu treffen, weniger Fehler zu machen, über 90 Minuten Aggressivität auf den Platz zu bekommen und den Gegner immer wieder zu stören», sagte der Aufstiegscoach: «Das muss der Ansatz sein.» Und am besten helfen Resultate: «Aber Auftritte wie diese geben auch eine gewisse Zuversicht. Ich habe viele positive Dinge gesehen, wir waren griffig und präsent, haben auch mal Ruhe ins Spiel bekommen.»
Auch Kapitän Christopher Trimmel hob hervor: «Die Leistung hat gestimmt, es fehlen wirklich nur Kleinigkeiten. Da müssen wir ansetzen.» Die wenigen Punkte und ein Platz in unteren Tabellenregionen sind für die Eisernen aber keine Gründe zur Panik. «Wir sind Union Berlin, wir machen immer weiter», unterstrich Abwehrmann Marvin Friedrich: «Wir wissen, wo wir herkommen. Wir wissen, welche Härte die Bundesliga für uns ist.»
Eine Sorge treibt Fischer um. Zwar sind erst sechs Runden vorbei, doch die Aussagen wiederholen sich. «Wir wussten von Anfang an, dass auch mal eine Serie von Niederlagen dabei sein wird», sagte der erfahrene Fußballlehrer: «Du musst aufpassen, irgendwann sind 18 Spiele gespielt und du sprichst immer noch so.»
Schwer wiegt in dieser Phase auch der lange Ausfall von Akaki Gogia, der sich einen Riss des vorderen Kreuzbandes am rechten Knie zuzog und nun operiert werden muss. «Es ist einfach gesagt, positiv zu bleiben, wenn du so eine Diagnose bekommst. Aber es ist trotzdem wichtig, dass er so schnell wie möglich wieder ein Ziel vor den Augen hat», sagte der Trainer zur «sehr unglücklichen» Verletzung des 27 Jahre alten Offensivspielers.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 29. September 2019 11:10 Uhr

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