Union kontra Dynamo: Kein Platz für Romantik

Union kontra Dynamo: Kein Platz für Romantik

Die Kräfteverhältnisse zwischen Union Berlin und Dynamo Dresden haben sich seit einigen Jahren in Richtung der Hauptstädter verschoben. Das Uralt-Duell besitzt noch immer große Strahlkraft. Doch auf dem Rasen ist kein Platz für Fußball-Romantik. Beide haben ehrgeizige Ziele.

Union Berlin - Dynamo Dresden

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Ein Klassiker: Union Berlin gegen Dynamo Dresden (Archivbild vom 15. August 2016)

Es ist ein Klassiker - und das gleich aus mehreren Gründen. Die Fußball-Romantiker sehen in RB Leipzig und Hertha BSC keine echten Vertreter des Ost-Fußballs in der 1. Liga. Diese Rolle wäre für den 1. FC Union Berlin und Dynamo Dresden reserviert, falls einem der beiden Traditionsclubs einmal der Aufstieg ins Oberhaus gelingen sollte. Beide Vereine haben jeweils über 20 000 Mitglieder. Die Rivalität untereinander ist nach wie vor groß und wird an jüngere Generationen vererbt. «Wir haben nicht nur einen Gegner auf dem Platz, sondern auch auf den Rängen. Dafür ist das Spiel gegen Dresden prädestiniert», sagte Unions Präsident und Oberfan Dirk Zingler.
Zu DDR-Zeiten hatte Union selten etwas zu melden, wenn der Kontrahent Dynamo Dresden hieß. Während die Sachsen vor der Wende 1989 acht Meisterschaften und sieben Pokalsiege feierten, brachten es die Hauptstädter nur auf einen einzigen Pokalerfolg. In der ewigen DDR-Oberliga-Tabelle steht Dresden mit 31 Jahren Beteiligung, 832 Spielen und 437 Siegen hinter Carl Zeiss Jena und dem BFC Dynamo auf Rang drei. Union (19/520/144) rangiert nur auf Rang 14.
Inzwischen hat sich das Kräfteverhältnis geändert. Die Berliner spielen seit 2009 ununterbrochen in Liga zwei und träumen seit einigen Jahren vom Bundesliga-Aufstieg. Die SGD pendelte dagegen in diesem Jahrzehnt schon zweimal zwischen der 2. und 3. Liga. «Für uns gehören Rivalität, Abgrenzung und eine stimmungsvolle Atmosphäre im Stadion dazu», bemerkte Zingler. «Das Spiel gegen Dresden hat deshalb immer schon einen besonderen Charakter, weil es eines jeder Spiele ist, bei denen der Gästeblock Wochen vorher ausverkauft ist.» 22 012 Zuschauer, darunter mindestens 2400 Dynamo-Fans, werden dabei sein.
Beim aktuellen Duell am Sonntag (13.30 Uhr/Sky) in Berlin aber zählt Romantik auf dem Rasen nicht. Union geht als Favorit ins Spiel und will als einziges Team im deutschen Profifußball in dieser Saison weiter ungeschlagen bleiben. Zuletzt kamen die Köpenicker allerdings beim SC Paderborn (0:0) und zu Hause gegen den 1. FC Heidenheim (1:1) nicht über Unentschieden hinaus. Deshalb rutschten die Eisernen auf den vierten Tabellenrang ab. Vor allem in der Offensive haperte es.
Dynamo (14 Punkte) möchte als Tabellen-Zehnter nach den wenig zufriedenstellenden Unentschieden in den beiden Ost-Duellen gegen Magdeburg und Aue ein versöhnliches Ende des Derby-Monats Oktober. Trainer Maik Walpurgis weiß aber um die Qualität der Hauptstädter und warnte im «19:53, der Dresdner Fußball-Talk»: «Wenn man nach zehn Spieltagen keine Niederlage kassiert hat, dann spricht das für sich. Sie sind schon sehr kompakt, lassen ligaweit die wenigsten Chancen zu.» Das wolle man ändern und so die eigenen Auswärtsserie fortsetzen. Unter Walpurgis ist Dynamo auf fremden Platz noch ungeschlagen, ist Sechster der Auswärtstabelle. Sieben Zähler holte der 45-Jährige mit seinem Team in der Ferne.
Im Mai konnte Union beim jüngsten Aufeinandertreffen in Dresden mit 1:0 triumphieren. Das Gesicht der Berliner Mannschaft hat sich nach dem Trainerwechsel im Sommer von André Hofschneider zu Urs Fischer aber stark verändert. Die Bedeutung des Duells Union kontra Dynamo hat sich schon bis zum Schweizer Fußballlehrer rumgesprochen. «Ich weiß, dass das ein spezielles Spiel sein wird. Es wird eine Riesenstimmung herrschen», sagte Fischer. «Ich blicke dem Spiel mit Freude entgegen. Das fühlt man. Was macht sonst so viel Spaß im Fußball?»
Die Berliner jubeln nach dem 1:0
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Quelle: dpa

| Aktualisierung: 26. Oktober 2018