Alarmstimmung bei Hertha: Labbadia verärgert

Alarmstimmung bei Hertha: Labbadia verärgert

Bruno Labbadia und die Profis um den schwer angezählten Matheus Cunha nehmen reichlich Frust mit ins neue Jahr. «In der Analyse müssen wir jetzt auch ehrlich zueinander sein», sagte der Trainer von Hertha BSC nach dem ersten, weitgehend unbefriedigenden Teil der Bundesliga-Saison. Lediglich 13 Punkte nach 13 Spielen stehen vor der kurzen Winterpause auf dem Konto der mit viel Geld aufgepeppten Hertha. Anstatt von Europa zu träumen, könnte es nun erstmal wieder gegen den Abstieg gehen. «Mich ärgert weniger, wo wir gerade stehen. Mich ärgert mehr, wo wir hätten stehen können», sagte der erfahrene Fußballlehrer Labbadia.

Bruno Labbadia

© dpa

Herthas Trainer Bruno Labbadia vor Spielbeginn.

Seine im Sommer neu zusammengestellte Mannschaft leidet noch immer an Kinderkrankheiten. Zu wenige Widerstandsfähigkeit in kritischen Situationen, fehlende Führungskräfte und mangelnde Konsequenz sind die Dauerthemen beim selbst ernannten Big-City-Club. Zwar erntete Hertha für couragierte Auftritte etwa gegen die Topclubs Bayern und Leipzig Lob, aber keine Punkte. Auf Zählbares wie in Leverkusen und Mönchengladbach folgten wieder Rückschläge gegen Mainz und Freiburg. «Wir hatten uns mehr vorgenommen und müssen das aufarbeiten. Wir müssen besser aus der Winterpause zurückkommen und dann endlich mal punkten», erklärte Defensivspieler Maximilian Mittelstädt.
Lange Zeit hatte Labbadia die besonderen Umstände der Corona-Saison angeführt und die Eingewöhnungszeit der neuen Profis, die ohne Frage mit großem Potenzial ausgestattet sind. «Wir haben halt 14 Spieler abgegeben und acht geholt. Das braucht Zeit», hatte der Trainer stets betont. Nach dem ernüchternden 1:4 in Freiburg rückte der 54-Jährige erstmals ein Stück von seiner bisherigen Verteidigungshaltung ab. Dass seine Spieler derart wehrlos aufgetreten waren, hatte Labbadia sichtbar in Alarmstimmung versetzt. Er könne sich deshalb auch nicht vor seine Mannschaft stellen, erklärte der Trainer.
Labbadia sprach sogar von «Grundvoraussetzungen», die in Freiburg nicht erfüllt wurden. Sein Team habe sich in der ersten Halbzeit an «keinen Plan gehalten» und «einfach ein Gesicht gezeigt, was überhaupt nicht funktioniert.» Und weiter deutlich: «Der ein oder andere meint, dass er sein Ding alleine durchziehen kann.»
Das zielte besonders Richtung Matheus Cunha, dessen Auftritt Labbadia als «unterirdisch» einstufte. «Er zieht sich selbst runter, bringt seine Leistung nicht, zieht die Mannschaft runter», bemängelte der Hertha-Trainer. Der junge brasilianische U23-Nationalspieler wird immer mehr zum Problemfall. Schon mehrfach war Cunha von Labbadia ermahnt worden, diesmal musste der Ex-Leipziger zur Pause raus.
«Keine Körpersprache zu zeigen, ist eines der Dinge, die wir uns nicht erlauben können», betonte Labbadia. «Wir müssen als Mannschaft funktionieren, da kann sich keiner herausnehmen.» Das Problem: Die unreife Hertha ist von Cunha abhängig. Mit sechs Liga-Treffern und drei Tore-Vorbereitungen ist der 21-Jährige Topscorer des Clubs.
Nun wird es die vorrangige Aufgabe des Trainers ab Ende der Weihnachtsferien am 28. Dezember sein, das Hertha-Gebilde endlich zu einer stabileren Einheit zu formen. Und das unabhängig davon, ob der Club mit weiteren Investoren-Millionen nochmals auf dem Transfermarkt aktiv wird. Denn Tabellenrang 14 und nur drei Punkte Vorsprung auf den Abstiegs-Relegationsplatz verheißen reichlich Stress. Da wird auch der Jahresauftakt am 2. Januar im Olympiastadion gegen das abgeschlagene Tabellen-Schlusslicht Schalke 04 schon zur Nervenprobe.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 21. Dezember 2020 13:48 Uhr

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