Labbadia: Nicht von irgendwelchem Druck beeinflussen lassen

Labbadia: Nicht von irgendwelchem Druck beeinflussen lassen

Auch am Tag nach der verpassten Ergebnis-Trendwende trug Bruno Labbadia zwiespältige Gefühle mit sich herum. Zu hektischen Reaktionen oder grundsätzlichen Kurs-Korrekturen aber sieht der erfahrene Chefcoach von Hertha BSC auch nach dem fünften sieglosen Spiel in Serie und dem schwächstem Bundesligastart der Berliner seit elf Jahren keinen Anlass.

Bruno Labbadia

© dpa

Bruno Labbadia steht vor Spielbeginn an der Trainerbank.

«Es ist wichtig, immer wieder der Mannschaft die Unterstützung und den Glauben an sich selbst mitzugeben», betonte der Trainer des Fußball-Erstligisten aus der Hauptstadt 14 Stunden nach dem 1:1 im eigenen Stadion gegen den VfL Wolfsburg. Schlechter als mit nur vier Punkten aus sechs Spielen war Hertha zuletzt im Jahr 2009 in eine Saison gestartet - am Ende folgte damals der bittere Abstieg.
«Wir sind uns der Situation bewusst und arbeiten täglich daran, dass wir uns weiterentwickeln», sagte Labbadia am Montag mit Hinweis auf 14 Spieler, die der Verein im Sommer abgegeben hatte. Hertha sei mitten im Aufbau eines komplett neuen Teams, da könne noch nicht immer alles funktionieren: «Wir lassen uns auch nicht vom Druck von irgendeiner Seite beeinflussen.» Die spielerischen Leistungen gegen Wolfsburg und zuvor schon bei RB Leipzig (1:2) wertete der Trainer als positives Signal. Nun seien die Spieler aufgefordert zu sagen: «Wir müssen da dran bleiben und dürfen uns nicht beirren lassen.»
Schon unmittelbar nach der Partie hatte Labbadia keine Zweifel aufkommen lassen: «Ich bin davon überzeugt, durch meine Erfahrung, dass wenn wir dran bleiben, so wie wir es gemacht haben, werden wir über kurz oder lang mehr Punkte holen.» Die gemischten Gefühle aus der Partie gegen die robusten Wolfsburger nehmen Labbadia und sein Personal jedoch mit in die Vorbereitungswoche auf die nächste Aufgabe am Samstag beim FC Augsburg. «Mit der Punktausbeute sind wir nicht zufrieden, weil wir das Spiel einfach gewinnen müssen. Wir hatten extrem viele Torchancen», unterstrich Labbadia: «Auf der anderen Seite haben wir viel richtig gemacht.»
Die Berliner sind weiter Getriebene ihrer selbst aufgebauten Erwartungshaltung, viel weiter oben in der Bundesliga mitzuspielen. Platz 14, zwei Punkte vor der Abstiegszone ist von den eigenen Ansprüchen viel zu weit entfernt. «Wir versuchen auch nichts schön zu reden, sondern wir versuchen Fakten zu liefern», sagte Labbadia.
Fakt gegen Wolfsburg war, dass die Berliner nach zuletzt vier Niederlagen dem Siegtor gerade in der zweiten Halbzeit viel näher waren als das nach seinem fünftem Remis einzige noch ungeschlagene Bundesliga-Team aus der Autostadt. Den Führungstreffer von Matheus Cunha (6. Minute) hatte Wolfsburgs Ridle Baku (20.) ausgleichen können. «Die vergangenen zwei Spiele haben gezeigt, dass wir, wenn wir gut arbeiten, guten Fußball spielen können. Da müssen wir jetzt dran bleiben, lernen und lernen, um es besser und besser zu machen», sagte Nationalverteidiger Niklas Stark.
Besser könnte manches künftig mit Mattéo Guendouzi werden. Der Franzose deutete bei seinem 37-Minuten-Debüt an, dass er die fußballerische Qualität deutlich nach oben korrigieren kann. «Ich finde, dass er unserem Spiel eine Note gebracht hat, die wir brauchen», sagte Labbadia. Die Krux: Auch der 21-Jährige braucht noch Zeit, um sich Berliner Automatismen anzueignen. Gegen Augsburg wird Guendouzi wohl in die Startelf rücken. Sein Landsmann Lucas Tousart kann wohl nicht dabei sein. Der 23-Jährige zog sich eine Kniereizung zu, die Bänder sind nicht beschädigt, teilte Hertha mit. Tousart muss «für einige Tage» mit dem Training aussetzen.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 2. November 2020 15:36 Uhr

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