«XXL-Nackenschlag» für den «Big City Club»

«XXL-Nackenschlag» für den «Big City Club»

Bruno Labbadia konnte es nicht fassen. «Ich habe selten so ein Spiel erlebt, dass man auf der einen Seite so klar im Griff hat und dann aber gefühlt mit jedem Schuss einen Treffer kassiert», sagte der 54 Jahre alte Fußball-Trainer nach dem Aus von Hertha BSC in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals. 4:5 - nein, nicht im Elfmeterschießen, sondern nach regulärer Spielzeit beim Zweitligisten Eintracht Braunschweig.

Trainer Bruno Labbadia

© dpa

Berlins Trainer Bruno Labbadia.

Ein «XXL-Nackenschlag» (Hertha-Homepage) für den selbst ernannten «Big City Club». Oder wie die neue Nummer eins, Alexander Schwolow, leidvoll eingestehen musste: «Es war furchtbar, eine Katastrophe.»
Und jetzt? Herthas großer Traum vom Profi-Team beim Pokalfinale ist frühestmöglich geplatzt. Nach einer äußerst holprigen Vorbereitung mit zuletzt drei Pleiten nacheinander ohne eigenen Treffer drohen schon wieder Spott und Hohn. Erst recht, weil der Berliner Fußball-Bundesligist dank Investor Lars Windhorst zumindest keine Geldsorgen hat und sein Image mit sportlichen Erfolgen aufpolieren wollte. Nach der nächsten Zahlung im Herbst werden sich die Hinwendungen auf sage und schreibe 374 Millionen Euro belaufen.
Labbadia wehrt sich. Sie würden «gern als neureich» bezeichnet, und das «trifft nicht ganz zu», sagte er in einem Interview der «Welt am Sonntag». «Der Verein muss sehr clever mit seinen Mitteln haushalten. So blöd das klingen mag: Diese aktuellen Mittel reichen unter Umständen beim heutigen Transfermarkt gerade für ein oder zwei neue Spieler, wenn man sich nur an den oberen Regalen orientieren würde», sagte Labbadia.
Medienberichten zufolge steht Kölns 27 Jahre alter Angreifer Jhon Córdoba vor dem Wechsel in die Hauptstadt. Viele Namen, auch sehr bekannte, werden immer wieder mal gehandelt. Jüngst scheiterte Hertha aber auch beim Versuch, Weston McKennie vom FC Schalke 04 an die Spree zu holen. Schon vor der peinlichen Pokal-Niederlage hatte Labbadia im «Tagesspiegel» betont, dass Hertha auch «noch nicht die schöne Braut» sei, zu der Spieler von einem guten Verein der Bundesliga automatisch wechseln würden. Die Blamage in Braunschweig dürfte der Attraktivität des Hauptstadt-Clubs nicht zuträglich gewesen sein.
Gefragt ist Michael Preetz. Die vielen Abgänge, darunter für die Atmosphäre wichtige Profis wie Kapitän Vedad Ibisevic (FC Schalke 04), konnte Hertha noch nicht kompensieren. Bisher neu sind nur Schwolow, der vom SC Freiburg kam, und Deyovaisio Zeefuik vom FC Groningen. Lucas Tousarts Wechsel stand bereits vor Monaten fest, der teuerste Neuzugang in der Hertha-Historie war in der Rückrunde noch an seinen ehemaligen Club Olympique Lyon ausgeliehen worden.
«Diese typischen Anführer, die fehlen uns», sagte Hertha-Sportdirektor Arne Friedrich im rbb-Sport-Podcast «Hauptstadtderby». Es fehle «auch mal eine Drecksau», meinte der 41 Jahre alte Ex-Profi und gab auch zu Protokoll, dass die Niederlage in Braunschweig eines der schlimmsten Spiele gewesen sei, die er in letzter Zeit erlebt habe.
Nach der vergangenen Chaos-Saison inklusive Jürgen Klinsmanns Trainer-Intermezzo wird nun schon der Umbruch zur Bewährungsprobe. Spieler sprechen öffentlich von Europokal-Ambitionen, ein Fehlstart in die Meisterschaft nach dem Pokal-Aus könnte die Hoffnungen auf bessere Hertha-Zeiten aber empfindlich dämpfen. Und das Auftaktprogramm hat es durchaus in sich: Am Samstag geht es los auswärts gegen Werder Bremen, danach kommt Eintracht Frankfurt, ehe am 4. Oktober Rekordchampion FC Bayern München die Berliner begrüßt.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 14. September 2020 08:39 Uhr

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