Hertha vor Ernstfall: Drei Niederlagen, kein Tor

Hertha vor Ernstfall: Drei Niederlagen, kein Tor

Nur acht Spieler beim Training, viel Zeit am Telefon: Bruno Labbadia kämpft mit den Unwägbarkeiten der Vorbereitung mit Hertha BSC. «Es ist ein großes Chaos gerade und das ist nicht schön», sagte der 54-Jährige. Diesmal aber kann der Verein nichts dafür, es sind die Begleitumstände durch die Corona-Pandemie in Kombination mit der Länderspielwoche - mitten in der finalen Trainingsphase vor dem Pflichtspielstart.

Volksparkstadion in Hamburg

© dpa

Blick in das leere Volksparkstadion.

«Es ist grausam, was hinter den Kulissen abgeht», sagte Labbadia nach dem 0:2 am Samstag beim Hamburger SV im letzten Testspiel vor dem Pokalmatch am kommenden Freitag bei Eintracht Braunschweig. Bis anderthalb Stunden vor der Partie gegen den Hamburger Zweitligisten kämpfte Labbadia um seinen polnischen Nationalspieler Krzysztof Piatek. «Ich weiß nicht, seit wieviel Tagen wir Gespräche führen. Das Blöde ist, dass es auf dem Rücken des Spielers ausgetragen wird.»
Am Ende blieben die Verhandlungen erfolglos. Piatek sei «entgegen der Absprache» mit den Polen zum Nations-League-Spiel in Bosnien-Herzegowina gereist - einem Risikogebiet. Das bestätigte Hertha-Manager Michael Preetz am Sonntag dem «Kicker». Weil Piatek nach seiner Rückkehr wohl fünf Tage in Quarantäne muss, würde der 25-Jährige gegen Braunschweig fehlen.
Auch im Training, das sich derzeit ohnehin schwierig genug gestaltet, muss Labbadia damit auf den Torjäger verzichten. Acht Spieler hätten ihm vergangene Woche nur zur Verfügung gestanden, in der kommenden werde es zunächst auch so sein. Erst ab Mittwoch kann er mit allen insgesamt zehn Herthanern rechnen, die derzeit bei ihren Nationalmannschaften sind.
«Ich finde diese Länderspielpause definitiv sehr, sehr unglücklich für den Vereinsfußball», sagte Labbadia. Zwei Wochen Vorbereitung würden dadurch komplett fehlen. «Es ist ärgerlich, dass es keine klare Regelung gibt, was die Abstellung betrifft. Es beschäftigt uns teilweise mehr, was rund um Corona abläuft, als das ganze Training.»
Dabei hat er auch da noch genug zu tun mit seinem Kader. Die Niederlage gegen den HSV war die dritte nacheinander in Testspielen. In den drei Partien blieb Hertha auch ohne einen Treffer, während Aaron Hunt per Handelfmeter (7. Minute) und Lukas Hinterseer (34.) schon in der ersten Halbzeit die Hamburger Tore erzielten.
Von einer Generalprobe zu sprechen, sei schwierig, meinte Labbadia mit Verweis auf die zehn fehlenden Spieler. «Das darf trotzdem nicht als Ausrede gelten.»
Herthas Problem liegt vorne. Je näher es zum gegnerischen Tor geht, umso schwächer wird der Hauptstadt-Club. «Dass wir da nicht erfreut sind, ist klar. Wir arbeiten extrem dran», meinte Labbadia: «Wir kommen bis 25 Meter gut vors Tor. Danach treffen wir falsche Entscheidungen und sind zu unsauber. Das sehen wir auch im Training, dass es uns ein Stück abgeht.»
Nach dem frühen Rückstand hatte seine Mannschaft anschließend zwar auf den Ausgleich gedrängt. Inmitten dieser Phase traf aber überraschend Hinterseer bei einem Gegenangriff - «ein Genickbruch», wie Labbadia meinte.
Der Anschlusstreffer wäre aber mehr als dringewesen, nur klatschte der Versuch von Deyovaisio Zeefuik, der wie seine beiden niederländischen U21-Nationalspielerkollegen Javairo Dilrosum, und Daishawn Redan zur Verfügung gestanden hatten, weil sie nicht zum Länderspiel in Belarus hatten abgestellt werden müssen, an den Außenpfosten.
Auch im zweiten Spielabschnitt präsentierten sich die Gäste agil. Der starke Matheus Cunha verfehlte mit einem Kopfball nur knapp (56.), zwölf Minuten später kam Zeefuik einen Schritt zu spät. «Ich bin kein Freund davon, gleich nach so einem Spiel eine Generalabrechnung zu machen», sagte Labbadia: «Es kann sein, dass wir noch mal einen Schritt zurückmachen müssen, um Dinge aufzufangen.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 6. September 2020 20:39 Uhr

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