Labbadia sucht nach Testpleite Führungsspieler

Labbadia sucht nach Testpleite Führungsspieler

Bruno Labbadia befindet sich nur zwei Wochen vor dem Pflichtspielauftakt von Fußball-Bundesligist Hertha BSC immer noch auf der Suche nach Führungsspielern. «Wir sind dabei eine Achse aufzubauen und das ist das Schwierigste von allem.

Jeffrey Bruma gegen Deyovaisio Zeefuik

© dpa

Einhovens Jeffrey Bruma (r) im Zweikampf mit Deyovaisio Zeefuik von Hertha BSC.

Das hat man heute gesehen, dass zu wenig auf dem Platz gesprochen wird. Das ist unser Manko, das extremst ist», sagte der Trainer nach der herben 0:4-Niederlage am Samstag gegen das niederländische Spitzenteam PSV Eindhoven.
Besonders die Sprachlosigkeit auf dem Platz, die gerade bei Geisterspielen deutlich wird, macht den 54-Jährigen bange. «Das Krasseste fand ich, wie wir von der ersten bis zur letzten Minute ruhig waren. Da hat man auf der anderen Seite eine Mannschaft gesehen, die sich permanent gecoacht hat. Bei uns ist jeder mit sich beschäftigt», sagt der Trainer über das Problem, das bereits in der abgelaufenen Saison vorhanden war.
Doch im letzten Spieljahr gab es noch Typen wie Vedad Ibisevic oder Per Skjelbred, die «einfach führten ohne groß zu reden.» Doch die Achsenspieler sind nicht mehr da und auch eine Rückkehr von Kapitän Ibisevic, der auf dem Sprung zu Schalke ist, als gestandener Führungsspieler ist nicht angedacht. «In den letzten zwei, drei Jahren ist die komplette Achse verloren gegangen. «Das ist jetzt der Umbruch, den wir haben, den wir gehen müssen», sagt Labbadia, «wir versuchen das jeden Tag anzusprechen. Aber da kann man auch keinen reindrängen in die Rolle, teilweise aus Sprachgründen.» Die Rolle zum Führen müsse von innen kommen.
Dabei sind für Labbadia die Anforderungen auch nicht zu hoch angesetzt: «Die Spieler müssen nicht die großen Lautsprecher werden. Sie müssen sich gegenseitig coachen und helfen.» Gegen Eindhoven klappte das eine knappe Viertelstunde zwischen der 18. und 32. Minute, als Hertha sich fünf Möglichkeiten erspielte. Doch das 0:1 durch Donyell Malen (37.) und das Eigentor von Niklas Stark zwei Minuten nach dem Seitenwechsel ließ die Mannschaft auseinanderfallen, so dass Cody Gakpo (70.) und Sam Lammers (76.) zu leichten Toren für das vom deutschen Trainer Roger Schmidt geführte Eindhoven kam.
«Da war keiner auf dem Platz, der sagt: «Komm, wir ordnen das»», monierte Labbadia. Zugleich lässt der ehemalige Bundesliga-Stürmer auch noch ein wenig Milde walten: «Das ist aber auch ein Prozess, der der schwerste Prozess ist, den wir haben. Aber das ist so, das wussten wir, dass es für uns ein intensiver Weg wird mit jungen Leuten.»
Ein möglicher Führungsspieler wäre der erneut verletzte Dedryck Boyata. Der Belgier musste aufgrund einer Achillessehenverletzung seine Länderspielreise absagen. Auch potenzielle Neuzugänge ordnet Labbadia nicht gleich als Achsenspieler ein: «Der Trugschluss ist: Man kann jetzt neue Leute holen und das wird sofort funktionieren. Dann muss man total fertige Spieler holen.» Labbadia hofft deshalb, dass sich die vorhandenen jungen Spieler entwickeln.
«Eine Achse baut man nicht in drei, sechs oder acht Wochen», sagt der Trainer, «das heißt aber nicht, dass wir deswegen keine Ergebnisse liefern müssen.» In zwei Wochen steht die erste DFB-Pokalrunde mit dem Auswärtsspiel bei Eintracht Braunschweig an, ehe eine Woche später die Berliner zum Saisonauftakt bei Werder Bremen antreten müssen. Labbadia bleibt noch ein Testspiel am kommenden Samstag beim Hamburger SV, um an der Achse zu feilen. Die Abstellungen während der Länderspielpause machen die Aufgabe für den Trainer nicht leichter.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Sonntag, 30. August 2020 18:48 Uhr

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