Im Aufsichtsrat: Lehmann passt zu Herthas Ambitionen

Im Aufsichtsrat: Lehmann passt zu Herthas Ambitionen

Die Wahrung korrekter Umgangsformen war Jens Lehmann schon immer wichtig, gerade auch abseits des Fußball-Platzes. Viel sagen will er deshalb nicht zu seinem neuen Job in der Hauptstadt. Erst wenn die Arbeit los geht, will Lehmann sprechen. Einen Hinweis zum künftigen Betätigungsfeld als Aufsichtsrat bei Hertha BSC gibt der ehemalige Nationaltorwart aber auf seiner Homepage unter der Rubrik mit dem Titel «Redner». Dort informierte der 50-Jährige schon über sein Wirken in der Beratungsbranche bevor der Posten in Berlin durch den Holterdiepolter-Abschied von Jürgen Klinsmann frei wurde.

Jens Lehmann

© dpa

Damaliger Torwart Jens Lehmann zusammen mit dem damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann (l) beim Training.

«Mit manchen Vertretern aus der Wirtschaft und anderen Teilen der Gesellschaft stehe ich noch heute in Kontakt. Solche Kontakte erweisen sich häufig als wertvoll, wenn jemand tätig werden möchte», heißt es dort. Der Kontakt zu Herthas Investor Lars Windhorst hat Lehmann nun zu seinen durchaus vielfältigen Betätigungsfeldern in der Post-Profi-Zeit auch noch die Hertha-Aufsichtsratsrolle beschert.
«Während meiner Zeit als professioneller Fußballspieler war ich oft überrascht von dem starken Interesse vieler Menschen an der Person Jens Lehmann», schreibt Lehmann über sich. Das dürfte bei der jüngsten Aufregung um den aufstrebenden Hauptstadt-Bundesligisten künftig kaum abnehmen. Das Echo auf die Berufung des oft streitbaren Ex-Torhüters fiel schon mal unterschiedlich aus.
«Jens ist ein meinungsstarker Mann, der sich gerne durchsetzt. Er hat da fast ein wenig das Profil von Jürgen Klinsmann», sagte Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus der «Bild»-Zeitung (Montag). «Er ist kein einfacher Typ und sehr geradlinig. Wenn man sich für ihn entscheidet, entscheidet man sich damit auch für eine gewisse Qualität», meinte Matthäus.
Ex-Weltmeister Thomas Häßler äußerte sich enttäuscht: «Ich verstehe nicht, warum da wieder kein Berliner Junge mit Fußball-Sachverstand genommen wird - davon gibt es doch genug. Die würden Hertha mal gut zu Gesicht stehen», sagte der Berliner Häßler. Lehmanns größte Berliner Momente waren die parierten Elfmeter im WM-Viertelfinale 2006 gegen Argentinien im Olympiastadion.
Lehmann polarisiert. Das tat er auch schon als Spieler, in einer Zeit, als ein Abiturient als Profi noch etwas besonderes war. Mit seiner Fähigkeit, höflich zu provozieren passt er womöglich gerade gut zur Hertha und dem neuen Berliner Kurs, dem Mittelmaß endlich entrinnen zu wollen. Lehmanns jüngste Aussagen zu Geisterspielen sorgten für teils heftige Reaktionen in den sozialen Medien.
«Diese Frage hat mir auch noch keiner beantworten können, warum in einem Stadion wie der Allianz Arena, wo 70 000 Leute reinkommen, warum man da nicht 20 000 reinstecken kann.» Bei einem «Abstand von zehn Metern» würden sich Fans im Stadion «wahrscheinlich nie in die Quere kommen», hatte Lehmann im Doppelpass von Sport1 gesagt. Eine Forderung nach Spielen vor Fans sei das nicht gewesen, sondern eine einfache - weiter unbeantwortete Frage - sagte Lehmann später.
Als Sportler hat Lehmann viel erreicht. Mit Schalke gewann er den UEFA-Pokal. Mit dem FC Arsenal holte er den englischen Meistertitel und den FA-Cup. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er 2006 WM-Dritter und 2008 Vize-Europameister. Nach der Karriere scheint es, als trage Lehmann einen Bauchladen vor sich her. Co-Trainer bei Arsenal und beim FC Augsburg. TV-Experte bei RTL und Sky - und eben auch «Redner» mit guten Kontakten in die Wirtschaft.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Montag, 11. Mai 2020 12:41 Uhr

Weitere Nachrichten zu Hertha BSC