Hertha konsterniert, Fortuna feiert Klassenverblei

Hertha konsterniert, Fortuna feiert Klassenverblei

Durch das 2:1 bei Hertha BSC rechnen selbst die größten Pessimisten bei Fortuna Düsseldorf nicht mehr mit dem Abstieg. Berlins Coach Pal Dardai vermisst die erhoffte Reaktion seines Teams - der Hauptstadtclub steht vor ungemütlichen Tagen.

Benito Raman und Maximilian Mittelstädt

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Düsseldorfs Benito Raman und Maximilian Mittelstädt von Hertha BSC (l-r.) im Zweikampf um den Ball. Foto: Andreas Gora

«Nie mehr 2. Liga»: Die Fans von Aufsteiger Fortuna Düsseldorf feierten ausgelassen den fast perfekten Klassenverbleib. Trainer Friedhelm Funkel wollte nach dem 2:1 (1:1)-Sieg bei Hertha BSC zwar nicht wie gefordert zu den Anhängern in die Auswärtskurve - gab aber verbal jede mathematische Zurückhaltung auf. «Jetzt kann ich, glaube ich, sagen, dass wir nächstes Jahr felsenfest in der Fußball-Bundesliga spielen werden», verkündete der 65 Jahre alte Coach stolz. «Alles andere glaubt man mir ja ohnehin nicht mehr.»
Mit dem sechsten Rückrundensieg sind die Rheinländer schon 16 Punkte vor dem VfB Stuttgart, der den Relegationsrang belegt. Bei 18 Zählern, die noch zu vergeben sind, rechnen selbst die größten Pessimisten in Düsseldorf nicht mehr mit dem Abstieg.
Dank des überragenden Doppeltorschützen Benito Raman (35./61. Minute), der schon beim 4:1 in der Hinrunde zweimal getroffen hatte, schob sich Fortuna im Mittelfeld-Duell an den Berlinern vorbei auf Platz zehn. «Das war ein großer Sieg», schwärmte Sportvorstand Lutz Pfannenstiel. «Es war für uns ein gemalter Spieltag.»
Durch die vierte Niederlage in Serie befindet sich Hertha hingegen endgültig in der Krise. Die Fans des Hauptstadtclubs verabschiedeten ihr Team mit einem kurzen, aber kräftigen Pfeifkonzert - und verließen fluchtartig das Olympiastadion.
Die von Trainer Pal Dardai erhoffte Reaktion auf das blamable 0:5 bei RB Leipzig blieb gänzlich aus. «Ich habe die Situation vielleicht etwas unterschätzt», gab der Coach zu. «Wie das Training und die Gespräche waren, hat man gedacht, dass die Mannschaft rausgeht und anfängt, zu beißen, alles kaputtzureißen, richtig zu kämpfen und den Gegner zu erledigen. Das war nicht der Fall.»
Trotz des gesicherten Tabellenplatzes stehen Dardai und die Berliner damit vor ungemütlichen Wochen. Marko Grujic (41.) gelang vor 51 604 Zuschauern nur noch der zwischenzeitliche Ausgleich. Erneut tat sich der Hauptstadtclub gegen vermeintlich kleinere Kontrahenten schwer. «Ich weiß nicht, woran es liegt», schimpfte Rechtsverteidiger Valentino Lazaro. «Ich persönlich habe die Schnauze voll davon. Es nimmt so viel Spaß, gegen solche Gegner zu verlieren.»
Seit 1979 wartet Hertha nun gegen Fortuna auf einen Sieg in der höchsten Spielklasse. Vor sieben Jahren stieg Berlin im Relegationsduell, bei dem es im Rückspiel einen Platzsturm der Fortuna-Fans gab, ab.
Zu allem Überfluss verletzte sich auch noch Arne Maier am Freitag im Training und wird den Rest der Saison ausfallen. Die Hoffnung auf eine Teilnahme an der U21-EM in Italien und San Marino im Juni hat der deutsche Junioren-Nationalspieler aber noch nicht aufgegeben. «Mein Ziel ist, für die Europameisterschaft fit zu werden», sagte er.
Als Vertreter des 20-Jährigen vor der Abwehr leistete sich Per Skjelbred einen folgenschweren Fehlpass vor dem 0:1. Beim Konter zirkelte dann Raman den Ball über Hertha-Keeper Rune Jarstein. «Ich hätte niemals gedacht, dass ich zweimal treffe», sagte Raman augenzwinkernd. Hertha reagierte entschlossen. Nach Flankenwechsel von Maximilian Mittelstädt legte Ondrej Duda nach innen. Grujic drückte den Ball zu seinem vierten Saisontor über die Linie.
In der zweiten Halbzeit der munteren Partie schockte wieder Raman die Berliner: Den ersten Versuch des Belgiers wehrte Jarstein in die Mitte ab, beim Nachschuss war der Hertha-Torwart machtlos. «Das ist ein Paradebeispiel», analysierte Lazaro das 1:2. «Stinknormaler Pass auf der Seite in die Tiefe. Wir begleiten nur, lassen ihn flanken - als ginge es um gar nichts mehr in der Bundesliga. Das ist für mich lethargisch verteidigt, da ist kein Wille dahinter.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Samstag, 6. April 2019 21:03 Uhr

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