Handballer Ernst über Leidenszeit: «Schwieriger Prozess»

Handballer Ernst über Leidenszeit: «Schwieriger Prozess»

Ganz entspannt und gut gelaunt präsentierte sich Nationalspieler Simon Ernst am Freitag beim Trainingsauftakt von Handball-Bundesligist Füchse Berlin. Nach gleich drei Kreuzbandrissen im Knie kämpft der Spielmacher gerade in der Reha um sein Comeback. Und macht dabei einen sehr optimistischen Eindruck. «Ich hatte schon wieder einen Ball in der Hand und mache langsam auch wieder handballspezifische Übungen», sagte der 26-Jährige.

Simon Ernst

© dpa

Simon Ernst, Handballspieler, spricht bei einer Pressekonferenz zum Trainingsauftakt des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin.

Danach hatte es allerdings lange nicht ausgesehen. Im vergangenen Oktober hatte sich Ernst die schlimme Verletzung zugezogen - und das zum dritten Mal. «Unmittelbar danach war die schwerste Zeit. Ich war ehrlich gesagt froh, einige Monate Ruhe zu haben. Es war mental ein schwieriger Prozess da durchzugehen und sich klar zu werden, ob man es noch einmal probiert oder nicht», sagte er. Deshalb schwieg Ernst auch monatelang in der Öffentlichkeit.
Doch in der Reha wuchs in ihm der Gedanke, nicht aufgeben zu wollen. Denn dafür liebt er den Handball zu sehr. «Ich bin so verrückt, dass ich es wieder versuche», sagte er. Von Füchse-Sportvorstand Stefan Kretzschmar gab es deshalb auch ein großes Lob: «Ich kenne keinen, der härter arbeitet als er.» Denn für Ex-Nationalspieler Kretzschmar könnte Ernst noch ein wichtiges Puzzleteil im Spiel der Füchse werden. «Ich bin sehr froh, wenn er wieder zu uns stößt. Nicht nur in sportlicher Sicht, auch als Persönlichkeit ist er für uns wichtig. Er ist ein absoluter Führungsspieler», sagte der 47-Jährige.
Die Verletzung bei Ernst wurde konservativ behandelt und nicht operiert. Die Muskulatur soll nun die nötige Stabilität bringen. «Ich bin mir der Vorgeschichte der drei Verletzungen durchaus bewusst. Es gibt keine Garantie, dass es nicht wieder passiert», sagte er. Für Kretzschmar wird vor allem wichtig sein, dass er die Sache unbelastet angeht. «Bei so einer Verletzung kann das psychische durchaus eine Rolle spielen», sagte er.
Ernst selber versucht das auszublenden. «Es ist nicht so, dass ich jede Sekunde daran denke. Gerade wenn man den Ball in der Hand hat, ist der Gedanke schnell weg», berichtete er. Anfänglich hatte der Spielmacher die Reha noch in Köln gemacht, war dann aber nach Berlin zurückgekehrt. So war er wieder näher am Team. «Ich war immer bis zum Anfang der Corona-Krise in regelmäßigem Kontakt zur Mannschaft», erzählte Ernst.
Nach den leidvollen Erfahrungen will sich Ernst aber zunächst selbst keinen Druck machen. «Ich habe in den letzten Jahren weniger Spiele gemacht als mir lieb ist. Die kann man an zwei Händen abzählen», sagte er. Große sportliche Ziele seien deshalb zunächst im Fokus. «Mein einziges Ziel ist es, gesund zu bleiben und langfristig fit zu bleiben.»
Sein Verein geht aber trotz Corona-Krise mit großen Ambitionen in die Saison. «Unser Ziel sollte schon sein, um die Champions-League-Plätze mitzuspielen. Ich bin sehr optimistisch, was unsere Mannschaft diese Saison anbelangt», sagte Kretzschmar. Geschafft werden soll das mit dem neuen Trainer Jaron Siewert, dem jüngsten Coach der Bundesliga. Mit nur 26 Jahren übernimmt der Berliner den ehemaligen Pokalsieger.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: Freitag, 17. Juli 2020 12:19 Uhr

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