Keimzeit - Das Schloss

© Eventim

Man denkt vielleicht an einen unvollendeten Roman, wenn der Titel „Das Schloss“ fällt, an die Irrungen und Verwirrungen eines Landvermessers, der von Behörden verfolgt wird, die in ihrer Machtfülle weit über den Menschen stehen. Doch das Schloss von Keimzeit, um das es hier geht, ist weit weniger einschüchternd. Es geht einerseits um ein Schloss, in das Norbert Leisegang bis zur 8. Klasse in die Schule gegangen ist und andererseits um ein Fantasie-Schloss aus Papier, um ein persönliches Zurückschauen auf die früheste Kindheit, wo das Einreißen von Konventionen hin zur kindlichen Anarchie quasi Programm ist. Die große Freiheit als Grundtenor war schon immer ein prägendes Keimzeit-Motiv und passt mehr denn je in unsere aufgeregte Populisten-Zeit.

„Keimzeit – eine Band, eine Familie. Ganz normale Menschen mit einer großen Leidenschaft für die Musik. Keimzeit – eine langjährig erprobte Live Band, die sich mit Studioproduktionen ihre eigenen Herausforderungen schafft,“ schrieb Flowerpornoes Sänger Tom Liwa über die Band. Auch „Das Schloss“ ist so eine Herausforderung. Das neue Werk ist keine Neuerfindung der Band und soll es auch gar nicht sein. „Das Schloss“ schließt sich eher organisch an die letzten Werke der Gruppe an. „Auch wenn ich mal von anderen Künstlern zu Songs inspiriert werde, ist es am Ende doch immer so, dass ich die Strickart meiner Songs nicht wirklich verlasse“, reflektiert Norbert Leisegang sein Songwriting. „Herausgekommen ist ein klares Keimzeit-Album, bei dem auch meine Bandkollegen zu dem Takt, den ich vorgebe, gerne mitgehen.“ Was sich geändert hat, ist der Gesamt-Sound. Denn Keimzeit haben diesmal mit Moses Schneider zusammengearbeitet, der u. a. auch schon für Tocotronic und die Beatsteaks an den Reglern saß. Die Basics wurden in einem Studio im Flughafen Tempelhof in nur vier Tagen live aufgenommen. Dazu kamen noch zwei Tage für Overdubs, das war es auch schon. Klingt als wären Keimzeit in die 60er zeitgereist, um das Wesentliche in ihrer Musik zu suchen und schließlich zu finden.

Dieser am Live-Sound von Keimzeit orientierte, erdige Gesamtklang zahlt sich in der Intensität und Atmosphäre der Lieder brutal aus. Herausgekommen sind 12 Songs, die in ihrer klanglichen und textlichen Einzigartigkeit fesseln, berühren und auch nachdenklich machen. Neben dem schon erwähnten Titelsong gibt es jede Menge weitere spannende und bisweilen autobiografische Lieder. Eins von Leisegangs Lieblingsliedern ist „Der fliegende Teppich“. Das sparsam und originell arrangierte Lied beschreibt ein höchst skurriles Streitgespräch zwischen einem Teppich und dem Boden, wer der Wichtigere sei. Am Ende reicht’s dem Teppich, und er hebt wutentbrannt ab. Eine witzige Parabel über eingefahrene, scheinbar untrennbare Beziehungen, die plötzlich und unerwartet „verfliegen“ können. Tief in die ausgebuffte Materialisten-Psyche geht der entspannt-rockige Song „Nicht“. In Zeiten von Gier und Fake News wird gemogelt und gelogen was das Zeug hält, um sich Vorteile zu verschaffen. Nach dem kurzen Jubel des Sieges bleibt aber meist ein schaler Beigeschmack. Echte Gewinner sehen anders aus – „denn du bist es nicht“.

Melancholisch und zeitlos lässt uns der psychedelisch dahinfließende Song „Seeigel“ ans Meer der Erinnerungen reisen. Der Song erzählt eine gefühlsdichte Liebesgeschichte in Form von versteinerten Seeigeln, die sich nach langer Zeit am Strand wiederfinden, in liebevollen Erinnerungen schwelgen und am Ende von einer großen Welle wieder getrennt werden. Mehr Keimzeit geht einfach nicht.

Ein aus einem persönlichen Erlebnis entstandener Uptempo Song ist „Stillstand“. Norbert Leisegang erinnert sich: „Die Idee zu diesem Song ist mir während einer Zugreise gekommen. Plötzlich war da ein heftiger Sturm, und alle Passagiere mussten am nächsten Bahnhof aussteigen. Keiner wusste wie es jetzt weitergeht und ich dachte so bei mir, dass diese Naturgewalt uns alle zum Nichtstun, also zum Stillstand, verurteilt hat.“ Ein weiterer autobiografischer Titel ist „Actionkalle“. Der Titel ist aus Beobachtungen während eines Klassentreffens entstanden, bei dem einige seinerzeit eher unwillige und aufsässige ehemalige Schulfreunde jetzt hohe Positionen als Ärzte oder in der Wissenschaft erreicht hatten. „Actionkalle“ ist der definitiv rockigste Song auf „Das Schloss“ und kracht insofern wunderbar lärmend aus dem Keimzeit’schen Rahmen.

Keimzeit haben mit „Das Schloss“ ein wahrlich meisterhaftes Werk geschaffen. Die Texte sind melancholisch, witzig und erfrischend anspruchsvoll. Sie führen uns auf Entdeckungstour durch Leisegangs musikalische und intellektuelle Welt. Irgendwie ist der Sänger hierbei sein eigener Schlossführer, dem man für seine Leistung am Ende nur begeistert applaudieren kann.

Laufzeit: Fr, 13.12.2019 bis Do, 15.10.2020

Wintergarten Varieté: Der helle Wahnsinn
© Wintergarten Varieté

Tipp: Zauber Zauber

Wenn jede Logik verloren geht, das Unmögliche spielerisch leicht erscheint und Wunder im Minutentakt geschehen, wird Zuschauern klar: Bei dieser Show hat die Zauberei die Oberhand. mehr

Alle Termine und Tickets

2 von insgesamt 2 Terminen

Alternative Veranstaltungen

Bild: Ben Gibson

Elton John - Farewell Yellow Brick Road Tour 2020

Elton Johns "Farewell Yellow Brick Road" Tour führt ihn noch ein allerletztes Mal nach Deutschland auf die Bühne. Am 17. und 18. Oktober 2020 wird er in Berlin auftreten - in der Mercedes Benz Arena! mehr

Termin:
Samstag, 17. Oktober 2020, 20:00 Uhr (6 weitere Termine)
Ort:
Mercedes-Benz Arena Berlin
Adresse:
Mercedes-Platz 1, 10243 Berlin-Friedrichshain
Preis:
ab 118,50 €
Ticket-Hotline Ticket-HotlineOnline bestellen
Peter Fox
dpa

Seeed - Open Air 2020

Seeed sind wieder am Start. Eine der erfolgreichsten Berliner Bands um Peter Fox und Dellé spielen in der Wuhlheide und in der Waldbühne. mehr

Nächster Termin:
Seeed
Termin:
Dienstag, 11. August 2020, 18:00 Uhr (7 weitere Termine)
Ort:
Parkbühne Wuhlheide (Kindl-Bühne Wuhlheide)
Adresse:
An der Wuhlheide 187, 12459 Berlin-Köpenick
Foto: Nadine Koupael

Lenny Kravitz - "Here to Love" Tour 2020

Nach seinen erfolgreichen Shows 2018/2019 wird Lenny Kravitz auch im Jahr 2020 wieder große Hallen füllen. Darunter die Max-Schmeling-Halle in Berlin! mehr

Termin:
Mittwoch, 17. Juni 2020, 20:00 Uhr (1 weiterer Termin)
Ort:
Max-Schmeling-Halle Berlin
Adresse:
Am Falkplatz 1, 10437 Berlin-Prenzlauer Berg
Preis:
ab 67,00 €
Ticket-Hotline Ticket-HotlineOnline bestellen
Dirk Schmidt / Ronald Reinsberg

CITY - CandleLight Spektakel

CITY unplugged. Nicht nur für die ehemalige DDR-Jugend sind City mit ihren wundervollen Balladen und leisen Tönen ein absolutes Muss. Alter und neuer Deutschrock par excellence. mehr

Nächster Termin:
CITY - Candlelight Tour
Termin:
Samstag, 11. Januar 2020, 20:00 Uhr (1 weiterer Termin)
Ort:
Stadthalle am Steintor Bernau
Adresse:
Hussitenstraße 1, 16321 Bernau bei Berlin
Preis:
ab 42,95 €
Ticket-Hotline Ticket-HotlineOnline bestellen
Roadrunner Records

Slipknot

Slipknot gehen mit ihrem 6. Studioalbum "We Are Not Your Kind" auf Tour durch Europa und kommen im Februar 2020 erstmals in die Mercedes-Benz Arena Berlin. Vorverkauf ab 30. August 2019. mehr

Termin:
Montag, 17. Februar 2020, 19:30 Uhr
Ort:
Mercedes-Benz Arena Berlin
Adresse:
Mercedes-Platz 1, 10243 Berlin-Friedrichshain
Preis:
ab 63,00 €
Ticket-Hotline Ticket-HotlineOnline bestellen

Fragen zum Veranstaltungskalender beantwortet unsere Hilfe. Nutzungsbedingungen finden Sie unter Informationen zu unseren Partnern und Nutzungsbedingungen.