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Kandis Friesen - These arms of mine

In ihrer Einzelausstellung These arms of mine beschäftigt sich Kandis Friesen mit den Beziehungen zwischen dem Material Stein, Erinnerung und Macht. Es geht um die Distribution und das Vorkommen des Werkstoffs in der Welt – in Architekturen, Denkmälern oder Landschaften. Als Ausgangspunkt nahm die Künstlerin den Schwerbelastungskörper in Berlin, eine riesige Betonsäule im Bezirk Tempelhof. Während des Nationalsozialismus 1941 unter Einsatz von Zwangsarbeiter*innen errichtet, diente er dazu, die Eignung des sumpfigen Berliner Bodens im Rahmen der Neugestaltungsplanungen zur Umgestaltung Berlins in die „Welthauptstadt Germania“ zu prüfen. Da der massive Zylinder nach dem Zweiten Weltkrieg nicht entfernt werden konnte, blieb er als Relikt stehen und versinkt seither stetig weiter im Märkischen Sand.

Mit einem Zugriff auf die Form, das Material und den Klang von Bauwerken aus Stein in der Stadt und darüber hinaus zeigt Friesen in der Ausstellung die Visualisierung von sich überschneidenden Konstruktions- und Zirkulationsprozessen. Mittels Massivholz, Molton, gefundenen Objekten, Field Recordings in Video und Ton wird die Installation durch ein poetisches Skript zusammengehalten – einen „Film ohne Bilder“ über die Temporalität und Materialität von Gestein. In dieser experimentellen Erzählung entstehen Sprünge zwischen Zeit und Ort. Sie verbindet das Imperiale mit dem Individuellen, Orte des Erinnerns mit Orten der Vernichtung und Vermächtnisse der Gewalt mit dem Erbe von Macht und Reichtum. These arms of mine ist Teil einer fortlaufenden Serie von Arbeiten, in denen Klang und Monumente als ortsspezifische, resonierende Materialien untersucht werden.

Friesen verwendet in ihrer Arbeit hauptsächlich Collagen und Assemblagen, um Sichtweisen auf Oberflächen und deren Klänge neu zu sortieren. Dabei nutzt sie die Akustik von Architekturen, setzt Songs, gesprochene Sprache und mündlich überlieferte Geschichte ein und erzeugt auf diese Weise akustische Territorien, die gehört und gefühlt werden können. Ihr Montageverfahren führt zur Konstruktion einer „diasporischen Ortsbezogenheit“, durch die Festgesetztes abgelehnt, sich ständig verändernde Strukturen aber auch sichtbar gemacht werden können.

Kandis Friesen (geb. 1978) ist eine interdisziplinäre Künstlerin, die in Tiohtià:ke/Montréal und Berlin lebt. Im Jahr 2022 werden ihre Arbeiten in einer Einzelausstellung im Museum of Modern Art, Odessa (Ukraine) zu sehen sein. Kürzlich präsentierte sie Einzelausstellungen im Plug In ICA (Winnipeg/Vertragsgebiet 1), bei TRUCK Contemporary Art (Mohkinstsis/Calgary), und im Rahmen der Chicago Architecture Biennial in der Roman Susan Art Foundation (Zhigaagong/Chicago). Als Filmemacherin war sie auf dem Festival International du Film sur l’Art und dem Jihlava International Film Festival vertreten. Kandis Friesen ist Stipendiatin des Conseil des arts et des lettres du Québec, des Ministère des Relations internationales et de la Francophonie du Québec und der Vertretung der Regierung von Québec in Berlin.

Laufzeit: Fr, 01.10.2021 bis So, 24.10.2021

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