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Das Piranesi-Prinzip

Zum 300. Geburtstag des großen italienischen Meisters

Bild 1
  • Giovanni Battista Piranesi, Colosseum in Rom aus der Vogelschau von Norden, Detail, um 1760-1770
    © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Dietmar Katz

    Giovanni Battista Piranesi, Colosseum in Rom aus der Vogelschau von Norden, Detail, um 1760-1770

  • Giovanni Battista Piranesi, Rekonstruktion des Circus Maximus in Rom, Detail, um 1750–1751
    © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Volker-H. Schneider

    Giovanni Battista Piranesi, Rekonstruktion des Circus Maximus in Rom, Detail, um 1750–1751

  • Giovanni Battista Piranesi, Seitenansicht des Isistempels in Pompeji, um 1778
    © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Dietmar Katz

    Giovanni Battista Piranesi, Seitenansicht des Isistempels in Pompeji, um 1778

  • Giovanni Battista Piranesi, Entwurf für ein Widmungsblatt für Papst Clemens XIII., 1764–1769
    © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek

    Giovanni Battista Piranesi, Entwurf für ein Widmungsblatt für Papst Clemens XIII., 1764–1769

  • Giovanni Battista Piranesi, Ansicht des Sibyllentempels in Tivoli, um 1761 – Giovanni Battista Piranesi, Ansicht des Sibyllentempels in Tivoli, um 1761 © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Anna Russ
    © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Anna Russ

    Giovanni Battista Piranesi, Ansicht des Sibyllentempels in Tivoli, um 1761 – Giovanni Battista Piranesi, Ansicht des Sibyllentempels in Tivoli, um 1761 © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Anna Russ

  • Giovanni Battista Piranesi, Antikes Monument, in den Ruinen eines Grabes an der Via Appia wiederentdeckt, 1778
    © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Dietmar Katz

    Giovanni Battista Piranesi, Antikes Monument, in den Ruinen eines Grabes an der Via Appia wiederentdeckt, 1778

  • Giovanni Battista Piranesi, Entwurf für eine Kaminrahmung mit Schlange, 1764–1769
    © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Dietmar Katz

    Giovanni Battista Piranesi, Entwurf für eine Kaminrahmung mit Schlange, 1764–1769

  • Giovanni Battista Piranesi, Vignette: Satire gegen Bertrand Capmartin De Chaupy, 1769
    © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Dietmar Katz

    Giovanni Battista Piranesi, Vignette: Satire gegen Bertrand Capmartin De Chaupy, 1769

Giovanni Battista Piranesi (1720-1778) machte als Archäologe, Künstler, Architekt, Sammler, Designer, Verleger und Autor international Karriere. Sein Erfolgsprinzip bestand darin, die Wirklichkeit in all ihren Facetten zu ergreifen und in Neues zu verwandeln. Die Jubiläumsausstellung anlässlich des 300. Geburtstags lässt das Piranesi-Prinzip in seiner ganzen Kreativität lebendig werden.
Im Mittelpunkt der fünf Ausstellungskapitel stehen Piranesis Meisterstiche, Bücher, Streitschriften, satirische Bilder und noch nie gezeigte Handzeichnungen aus den Beständen der Kunstbibliothek und des Kupferstichkabinetts.
Piranesis Rom
Die Ausstellung beginnt mit einer Zeitreise in Piranesis Rom: Während heutige Romtouristen die antiken Überreste in einer urbanen Umgebung bestaunen, erlebte der gebürtige Venezianer seinen Lebens- und Wirkungsort im 18. Jahrhundert als eine Stadt inmitten einer Ruinenlandschaft, in der von Pflanzen überwucherte Monumente aus dem Erdreich ragten. Hier fand Piranesi die Motive für seine Ansichten und Architekturfantasien, sammelte Artefakte für sein „Museo“ und betrieb kunst- und baugeschichtliche Forschungen, deren Ergebnisse er in monumentalen Werken wie den „Antichità Romane“ (1756) publizierte.
Piranesis Bühne
Oper und Theater waren seit dem Barock ein einflussreiches Massenmedium. Es fand nicht nur in Residenzen, sondern auch in den Straßen und auf Plätzen statt, wo etwa religiöse Feste als aufwändige Spektakel inszeniert wurden. Bühnenbilder und Dekorationen für das Theater im 18. Jahrhundert wurden von Künstlern und Architekten entworfen. Mit innovativen Spezialeffekten revolutionierten sie die Sehgewohnheiten des Publikums. Piranesi, der bereits in Venedig mit dieser Szene in Berührung gekommen war, griff diese Ideen auf und nutzte sie für die Dramatisierung seine Kompositionen. Sowohl seine Veduten als auch die berühmten „Carceri“ verdanken ihre Magie ganz wesentlich dem Einfluss des Theaters.
Piranesis Labor
Auch die technische Bilderwelt der Wissenschaften übte eine immense Faszination auf Piranesi aus. Wie in einem Labor experimentierte er in seiner Werkstatt mit zukunftsweisenden Bildtechniken, um Wege zu finden, die Ergebnisse seiner archäologischen und kunstwissenschaftlichen Forschungen in die Gelehrtenwelt und die Öffentlichkeit zu kommunizieren. In der Sektion „Piranesis Labor“ richtet die Ausstellung den Blick auf die monumentalen Schautafeln, Rekonstruktionen und Karten, die ihn in den Wissenschaften weit über Italien hinaus berühmt machten. Bahnbrechend und seiner Zeit voraus sind seine Darstellungen nicht zuletzt, da sie einem Computer-Desktop gleichen, auf dem gleichzeitig eine Vielzahl von Fenstern geöffnet ist.
Piranesis Palazzo
Im Palazzo Tomati unweit der Spanischen Treppe, wo Piranesi seit 1761 residierte, betrieb er eine große Werkstatt und machte sein „Museo“ (ein Verkaufslager antiker und selbst gefertigter Objekte) für Touristen und Kunstgelehrte zugänglich. Die in der Kunstbibliothek aufbewahrten Handzeichnungen Piranesis – darunter seine berühmten Kaminentwürfe – geben wichtige Aufschlüsse zu seiner Arbeitsweise. Piranesi verwertete die römische Antike ebenso wie die ägyptische, etruskische und griechische Kunst und wagte oft bizarre Kombinationen. Selbst im Papierabfall seines Ateliers fand er Anknüpfungspunkte und Ansporn für kreative Schaffensprozesse. Recycling und Re-Using gehörten für Piranesi zum Werkstattalltag, zumal Papier seinerzeit eine kostbare Ressource war.
Piranesis Arena
Unter dem Titel „Piranesis Arena“ wirft die Ausstellung schließlich auch Schlaglichter auf Piranesi als polarisierende Figur der internationalen Kunstszene. Exemplarisch werden vier Personen aus seinem Leben vorgestellt. Zum einen der ebenfalls aus Venedig stammende Papst Clemens XIII. (1693-1769), der als Auftraggeber eine herausragende Bedeutung hatte, zum anderen drei Antagonisten, die Piranesi in einer Weise wütend machten, dass er zu ungewöhnlichen künstlerischen Waffen griff.
Ausstellung und Katalog wurden gemeinsam von Studierenden, Kurator*innen und Forscher*innen der Kunstbibliothek und dem Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt Universität zu Berlin konzipiert.
Eine Sonderausstellung der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin in Kooperation mit dem Kupferstichkabinett – Staatliche Museen zu Berlin
Der Katalog zur Ausstellung
Es erscheint ein Katalog im E.A. Seemann Verlag. Leipzig, 144 Seiten, 135 farbige Abbildungen, ISBN 978-3-86502-443-5 (deutschsprachige Ausgabe), 978-3-86502-444-2 (englischsprachige Ausgabe), Buchhandelspreis: 27 €.

Laufzeit: So, 04.10.2020 bis So, 07.02.2021

Preisinformationen: Ausstellung. Das Piranesi-Prinzip

Preis: 6,00 €

Ermäßigter Preis: 3,00 €

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