AugenWerk

Lichtinstallationen von Ingo Nussbaumer und Hubert Schmidleitner

Bild 1
  • Hubert Schmidleitner: Noch Stiller, 2019.
    © Hubert Schmidleitner

    Hubert Schmidleitner: Noch Stiller, 2019.

  • Hubert Schmidleitner: Green Shadow, 2019.
    © Hubert Schmidleitner

    Hubert Schmidleitner: Green Shadow, 2019.

  • Ingo Nussbaumer: Hollows in Newtons Garden, 2018. Detailansicht, Lichtinstallation in der Galerie Marenzi mit mehreren Projektoren, Prismen und Auffangschablonen. 17 Meter.
    Foto: © Nina Gospodin

    Ingo Nussbaumer: Hollows in Newtons Garden, 2018. Detailansicht, Lichtinstallation in der Galerie Marenzi mit mehreren Projektoren, Prismen und Auffangschablonen. 17 Meter.

  • Ingo Nussbaumer: Blossoms in Goethes Peach Tree, 2009, spektrales Lichtobjekt mit zwei Projektoren, zwei Prismen und Auffangschablone, 10 Meter.
    , © Ingo Nussbaumer, Courtesy Galerie Hubert Winter, Wien

    Ingo Nussbaumer: Blossoms in Goethes Peach Tree, 2009, spektrales Lichtobjekt mit zwei Projektoren, zwei Prismen und Auffangschablone, 10 Meter.

Alles Licht zerfällt in Spektralfarben, aller Klang in Sinustöne: Die Naturwissenschaft weiß nur zu genau, woraus die Sinneswelt besteht – und doch: Ohne die Welt der Wahrnehmung bleiben ihre Erklärungen abstrakt und ungreifbar. Wir müssen die optischen Experimente ansehen, den akustischen lauschen, wenn wir den Erklärungen etwas Handfestes abgewinnen wollen. Schärfen wir unsere Sinne! Lassen wir der Kunst dabei Raum für Entdeckungen, die über die naturwissenschaftlichen Erklärungen hinausgehen. Wagen wir ein Zusammenspiel.
AugenWerk – Sehen ist nicht nur eine rezeptive, sondern auch eine produktive Tätigkeit. Farben sind licht- und schattenhaft. Der Wiener Künstler Ingo Nussbaumer schafft im TA T Lichtinterventionen mit großen Wasserprismen: Die Welt der Spektralfarben erscheint in unerwarteten Verhaltensformen. Der Berliner Künstler Hubert Schmidleitner spinnt den Farbenfaden zurück ins Schattenreich. Seine schwebenden Schatten generieren Farben in einem Bewegungsraum.
"Im Schacht" von Ingo NussbaumerZwei große Wasserprismen stehen im Raum und ein Diaprojektor, der leise vor sich hin summt. In der Mitte eines Raumes erscheinen die Farben des Regenbogens auf einem Auffangschirm in einem dunklen Schacht. Was geschieht, wenn Licht durch ein Prisma fällt? Zeigen sich dann stets die Farben des Regenbogens, so wie Rot, Grün und Blau? Der Künstler Ingo Nussbaumer fängt noch weitere Farben auf, Türkis, Purpur und ein ins Weiß verlaufendes zartes Gelb. Im dunklen Schacht zeigen sich zwei farbkomplementäre Spektren übereinander. Im Blick durch das zweite große Prisma erscheint nun etwas Überraschendes …
"Verrückt – Verschoben" von Ingo NussbaumerRhythmisch und im gleichbleibenden Takt verändern sich farbige Bilder an der Wand. Elemente vermehren und vermindern sich. Farbige Balken, Stäbe und Felder. Erfinden eine Farbgeschichte. Die führt zurück zu ihrem Beginn. Was aber geschieht, wenn der Blick auf sie durch ein Prisma fällt? Unerwartetes lässt sich hier entdecken. Der Künstler führt eine Reihe irregulärer Verhaltensweisen von Farben vor. Sie beruhen auf seiner Entdeckung der ‚unordentlichen Spektren‘.
"Schattenmobile" von Hubert SchmidleitnerRechtecke, die von mehreren Scheinwerfern weiß und violett illuminiert werden und sich im leisesten Lufthauch langsam, sehr langsam bewegen. Schwebende grüne Schatten der Rechtecke erscheinen auf einer Wand: Woher kommt dieses Grün? In der gesamten Rauminstallation gibt es keine grüne Lichtquelle. Was auf der Wand erscheint, wird offenbar vom menschlichen Wahrnehmungsapparat geschaffen.
"Noch Stiller" von Hubert SchmidleitnerEine einzige Wand wird beleuchtet. Im Raum ist sie so installiert, dass sich Beleuchtungsfarbe und ihr farbiger Schatten auf elementare Art konfrontieren. Die in den Raum eintretende Person wird durch ihren eigenen Schatten Teil der Intervention.
Über die Künstler
Olaf L. Müller (geb. 1966) kuratierte AugenWerk – Ørenslyd. Er ist Wissenschaftstheoretiker und lehrt an der Humboldt-Universität zu Berlin. Neben Philosophie studierte er Mathematik, Informatik und VWL. Er absolvierte Forschungsaufenthalte in Los Angeles (UCLA), Harvard und Krakau. Seit 2003 hat er eine Professur für Naturphilosophie an der HU Berlin inne; 2016/17 war er Gastprofessor an der Keio University in Tokyo. In seiner Forschung zur Farbenlehre rehabilitierte er Goethe als Physiker ("Mehr Licht", Fischer Verlag 2015). Vor kurzem erschien unter dem Titel "Zu schön, um falsch zu sein" seine Analyse der großen, aber rätselhaften Rolle, die dem Schönheitssinn in der Physik zukommt (Fischer Verlag 2019).
Ingo Nussbaumer (geb. 1956) ist Künstler, Kunsttheoretiker und Farbforscher, studierte Malerei und Philosophie in der Schweiz und Österreich. Von 1987 bis 1989 leitete er eine Zweigstelle der von Beuys, Böll u. a. gegründeten Free International University (FIU) in Wien. Durch seine Entdeckung von sechs neuen und unordentlichen Spektren (1995) setzte er eine Reihe von spannenden Diskussionen zu Newton und Goethe in Gang. Sein künstlerisches Oeuvre erweitert sich seither von der Malerei in den spektralen Licht- und Objektbereich. Seit 2014 ist er Lehrbeauftragter an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Er ist mit zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland vertreten.
Hubert Schmidleitner (geb. 1955) ist freischaffender Maler und Kunstpädagoge. Er lebt seit 1984 in Berlin. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich mit der Farbforschung im Bereich von Optik und Ästhetik. Seit 2010 stellt er Arbeiten zum Thema Licht und Schatten aus, darunter "Green Shadow", 2018 im SMK – Staten Museum for Kunst in Kopenhagen und "blaues licht / gelber schatten", 2019 an der HU Berlin.

Laufzeit: Fr, 25.10.2019 bis Sa, 15.02.2020

Barrierefrei für Rollstuhlfahrer_innen

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© Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders

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© Yadegar Asisi

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© Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen / Ute Franz-Scarciglia; CC NC-BY-SA

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