Todesfall: Digitales Erbe schon zu Lebzeiten regeln

Todesfall: Digitales Erbe schon zu Lebzeiten regeln

Rechtliche Gründe verhindern oft, dass Hinterbliebene an E-Mail-Konten und Social-Media-Accounts herankommen. Daher ist es sinnvoll, das eigene digitale Erbe frühzeitig zu regeln.

Konto im Gedenkzustand

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Was soll mit meinem Profil geschehen, wenn ich nicht mehr bin? Einige soziale Netzwerke bieten etwa die Überführung in einen Gedenkzustand an.

Es gibt kaum noch Tätigkeiten oder Lebensbereiche, in denen das Internet keine Rolle spielt. Einen Überblick über die diversen Zugänge zur digitalen Welt zu behalten, ist nicht einfach. Eine Herausforderung ist dies vor allem nach einem Todesfall.

Meiste kümmern sich nicht um Digital-Erbe

Plötzlich tauchen viele Fragen auf: Wie gehe ich mit dem digitalen Nachlass um, bekomme ich Zugang zu den Internetkonten des Verstorbenen und kann ich sie löschen? Trotzdem regelt nur eine Minderheit ihren virtuellen Nachlass. Bei einer Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom gaben 93 Prozent an, keine Vorkehrungen getroffen zu haben. Das Meinungsforschungsinstitut YouGov kommt zu sehr ähnlichen Ergebnissen. Ergänzend kommt die Umfrage zu dem Ergebnis, dass 45 Prozent der Befragten sich der Problematik ihres digitalen Erbes nicht bewusst sind.

Wie ist der digitale Nachlass zu regeln?

Jeder vierte Befragte (25 Prozent) erklärte, so YouGov, ihm fehlten ausreichende Informationen, wie der digitale Nachlass eigentlich geregelt werden sollte. Und 6 Prozent sagten, ihnen sei das ganze Thema unangenehm. Doch im Todesfall sollten zum Beispiel Daten und bestehende Accounts gelöscht sowie vereinbarte Abos und Kaufverträge gekündigt werden, erklärt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Für die Hinterbliebenen sind daher Zugangsmöglichkeiten zu den Konten wichtig.
Für jeden Dienst ein eigenes Passwort
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Ein Schloss, ein Schlüssel - so leicht sollte man es sich im Internet nicht machen. Im Idealfall ist jeder Dienst mit einem eigenen Passwort gesichert. Foto: Andrea Warnecke

Hinterbliebene haben keinen Zugang zu Daten

«Es ist dringend zu empfehlen, sich zu Lebzeiten um sein digitales Erbe zu kümmern», sagt Katharina Grasl von der Verbraucherzentrale Bayern. Denn grundsätzlich können Erben zwar oft ohne weiteres die Löschung von Konten erreichen. Falls dies der Verstorbene nicht ausdrücklich geregelt hat, erhalten sie aber keinen Zugang zu den gespeicherten Daten. «Das kann insbesondere bei Bild- und Videomaterial oder Kontaktlisten des Verstorbenen für die Erben schmerzlich sein», sagt Grasl.

Überblick über Online-Konten verschaffen

Deshalb lohnt es, sich einen Überblick über seine Online-Konten zu verschaffen. «Das ist wichtig, weil es meist deutlich mehr sind, als zunächst vermutet», so Grasl. «Ohne diesen Überblick ist auch den Erben oft völlig unbekannt, welche Dienste der Verstorbene genutzt hat.» Zentral sind hier Mail-Konten, weil dort häufig Nachrichten anderer Dienstanbieter auflaufen. Aber nur wenige Provider würden Erben Zugang gewähren; meist sei nur das Löschen des Kontos möglich.

Liste mit Zugangsdaten anlegen

Am besten legt man eine Liste mit bestehenden Konten, Benutzernamen und Passwörtern an. «Diese Liste kann dann verschlossen in einem Umschlag oder auf einem USB-Stick abgespeichert werden», rät Grasl. «Das Speichermedium kann entweder verschlüsselt oder mit einem Passwort gesichert an einem sicheren Ort, beispielsweise in einem Tresor, verwahrt werden.» Auch ein Bankschließfach oder die Kanzlei eines Anwalts seien geeignete Aufbewahrungsorte. Wichtig sei die fortlaufende Aktualisierung und Ergänzung der Liste.

Digitalen Bevollmächtigten bestimmen

Barbara Steinhöfel von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz empfiehlt, einen digitalen Bevollmächtigten zu bestimmen. Mit einer entsprechenden Mitteilung wird ihm eine Vollmacht mit «Geltung über den Tod hinaus» ausgehändigt oder bei ihm für die Erben hinterlegt.
Handschriftlich verfasstes Testament
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Auch die Vollmacht für den digitalen Bevollmächtigten sollte handschriftlich verfasst werden.

Vollmacht handschriftlich verfassen

Wichtig: Die Vollmacht muss handschriftlich verfasst und mit Datum und Unterschrift versehen werden, erklärt Grasl. «Der allgemeine Vorteil dieser Vollmacht ist, dass der digitale Nachlassverwalter unabhängig vom Willen der Erben und noch vor Ermittlung der Erben, was lange dauern kann, tätig werden kann.» Die Verbraucherschützerin rät, das Schriftstück dem Bevollmächtigen nicht stillschweigend zu übergeben, sondern auch die Angehörigen zu informieren.

Festlegen, was nach dem Tod mit Daten geschehen soll

«Der Beauftragte erhält das Passwort zum Beispiel für den gesicherten USB-Stick und weiß, wo das Speichermedium aufbewahrt wird», führt Steinhöfel weiter aus. In der Vollmacht gilt es zudem, detaillierte Regelungen zu treffen, was mit den Daten im Einzelnen geschehen soll.

Regelungen zu Konten, Bildern und Geheimhaltung

«Das heißt: Es wird festgelegt, welche Daten und Konten gelöscht werden sollen, wie mit den Konten in sozialen Netzwerken umgegangen werden soll und was mit den im Netz vorhandenen Bildern passieren soll», sagt Grasl. Zusätzlich bedürfe es einer Regelung, welche Daten vor Angehörigen geheim gehalten werden sollen. Darüber hinaus empfiehlt es sich, die vorhandenen Endgeräte und die Daten darauf zu benennen und auch den Umgang mit diesen zu regeln.

Kontenlöschung nach Vorlage der Sterbeurkunde

Schwieriger wird es, wenn der Erblasser keine Regelungen getroffen hat. «Es ist bei allen Dienstanbietern unter Vorlage der entsprechenden Nachweise, wie einer Sterbeurkunde, möglich, die Löschung der bestehenden Konten und Profile zu erreichen», sagt Grasl. Bei manchen Diensten wie Facebook könne gewählt werden zwischen Löschen des Kontos und einer Erinnerungsfunktion, in der das Nutzerkonto zu Erinnerung an den Verstorbenen eingefroren wird.

Persönlichkeitsrecht und Datenschutz setzen Grenzen

Hat der Verstorbene zu Lebzeiten keine Vorkehrungen getroffen, wird der Zugriff auf die Inhalte des Nutzerkontos meist verweigert. Dies geschehe aufgrund des Persönlichkeitsrechts oder aus datenschutzrechtlichen Bedenken. «So ist es ohne entsprechende Regelung meist nicht möglich. E-Mails zu lesen, Fotos zu speichern oder Kontaktlisten anzusehen, sagt Grasl.

Dienstleister für die Nachsorge in Anspruch nehmen?

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) in Berlin rät davon ab, den Computer des Verstorbenen an Firmen zu schicken, die die vorhandenen Daten analysieren, ein Gutachten erstellen und auf Wunsch Online-Konten löschen. Denn so würden viele persönliche Daten an Dritte weitergegeben.

Besser seien Firmen, die anbieten, mit wenig persönlichen Daten wie Name und Anschrift des Verstorbenen bei den größten deutschen Online-Unternehmen zu überprüfen, welche Konten und Verträge womöglich existieren.

Quelle: dpa / Berlin.de

| Aktualisierung: 13. Juli 2018