Trauer verarbeiten: Welche Phasen der Trauer gibt es?

Trauer verarbeiten: Welche Phasen der Trauer gibt es?

Der Prozess der Trauer ist sehr persönlich und wird von jeden Menschen anders erlebt. Es lassen sich dabei mehrere Phasen unterscheiden.

Trauer braucht Zeit

© dpa

Jeder Mensch, der einen Verlust erlitten hat, empfindet Trauer. Sie ist eine natürliche Reaktion auf Situationen des Verlustes und Abschieds. Trauer gestaltet sich sehr komplex und wird von einer Vielzahl von Gefühlen wie Wut, Angst, Ohmacht und Hilflosigkeit begleitet. Das Durchleben dieser Gefühle ist notwendig, um den Verlust zu verarbeiten und dem eigenen Leben einen neuen Sinn zu geben.

Trauer: Auseineindersetzung mit dem Verlust ist wichtig

Daher ist die Zeit des Trauerns auch nicht negativ zu sehen. Im Gegenteil: Sie stellt eine Zeitspanne dar, in der man ein ganz wichtiges Lebensgefühl erlebt, das hilft, viele andere Verluste im Leben mit in die eigene Existenz einzubeziehen. Die Auseinandersetzung mit der Trauer trägt dazu bei, in der Gesellschaft eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich Trauernde aufgehoben fühlen und in der sie Unterstützung erfahren, die sie zur Bewältigung ihrer Trauer benötigen.

Die vier Trauer-Phasen nach Verena Kast

Eine der bekanntesten Theorien rund um den Trauerprozess stammt von Verena Kast. Sie unterscheidet vier Phasen, die meist nacheinander, aber meist nicht streng voneinander getrennt ablaufen:

Erste Phase: Nicht-Wahrhaben-Wollen

Der Verlust wird verleugnet, der oder die Trauernde fühlt sich zumeist empfindungslos und ist oft starr vor Entsetzen: "Es darf nicht wahr sein, ich werde erwachen, das ist nur ein böser Traum!" Diese erste Phase ist meist kurz, sie dauert ein paar Tage bis wenige Wochen.

Zweite Phase: Aufbrechende Emotionen

In der zweiten Phase werden durcheinander Trauer, Wut, Freude, Zorn, Angstgefühle und Ruhelosigkeit erlebt, die oft auch mit Schlafstörungen verbunden sind. Der konkrete Verlauf dieser Phase hängt stark davon ab, wie die Beziehung zwischen den Hinterbliebenen und dem Verlorenen war, ob zum Beispiel Probleme noch besprochen werden konnten oder ob viel offengeblieben ist. Starke Schuldgefühle im Zusammenhang mit den Beziehungserfahrungen können bewirken, dass man auf dieser Stufe stehen bleibt.
Das Erleben und Zulassen aggressiver Gefühle hilft dem Trauernden dabei, nicht in Depressionen zu versinken. Weil in unserer Gesellschaft Selbstbeherrschung ein hoher Wert ist und abhängig von familiären und gesellschaftlichen Prägungen sogar die Tendenz bestehen kann, Trauer ganz zu verdrängen, bestehen oft große Schwierigkeiten, diese Phase zu bewältigen. Aber nur indem die Emotionen auch tatsächlich erlebt und zugelassen werden, kann die nächste Trauerphase erreicht werden.

Dritte Phase: Suchen, finden, sich trennen

In der dritten Trauerphase wird der Verlorene unbewusst oder bewusst "gesucht", meistens dort, wo er im gemeinsamen Leben anzutreffen war: in Zimmern, Landschaften, auf Fotos, aber auch in Träumen oder Phantasien. Die Konfrontation mit der Realität bewirkt, dass der oder die Trauernde immer wieder lernen muss, dass sich die Verbindung drastisch verändert hat.

Vierte Phase: Neuer Selbst- und Weltbezug

In der vierten Phase ist der Verlust soweit akzeptiert, dass der verlorene Mensch zu einer inneren Figur geworden ist. Lebensmöglichkeiten, die durch die Beziehung erreicht wurden und die zuvor nur innerhalb dieser Beziehung möglich gewesen sind, können nun zum Teil zu eigenen Möglichkeiten werden. Neue Beziehungen, neue Rollen, können möglich werden. Dass jede Beziehung vergänglich ist, wird als Erfahrung integrierbar. Idealerweise kann man sich dann trotz dieses Wissens auf neue Bindungen einlassen, weil man weiß, dass Verluste zu ertragen zwar schwer, aber möglich ist und auch neues Leben in sich birgt.

Quelle: Otto Berg Bestattungen

| Aktualisierung: 3. Juni 2014