Beim Rudern ist Technik mehr gefragt als Kraft

Beim Rudern ist Technik mehr gefragt als Kraft

Wer rudern können will, muss erst den Bewegungsablauf richtig einstudieren - ähnlich wie beim Tanzen. Auf die Kraft kommt es dabei gar nicht so sehr an, sondern eher auf die Technik.

Rudern

© dpa

Vor - zurück: Ein Ruderer drückt sich auf seinem Rollsitz nach hinten.

«Das ist der Arbeitsplatz.» Carsten Dietrich zeigt in das schmale, langgezogene Ruderboot. Dort sind zwei dünne Metallschienen, auf denen eine der Gesäßform angepasste Plastiksitzplatte läuft - «der Rollsitz», erklärt Dietrich. Davor liegen zwei schräge Brettchen mit Schlaufen für die Füße, «das Stemmbrett».

Die Vorrichtung lässt auf den ersten Blick mehr an die Ergometer in miefigen Fitness-Centern als an sommerliche Ausflüge durch schilfumstandene Flussauen denken. Und tatsächlich komme auch beim Rudern die Lernarbeit vor dem Naturvergnügen, sagt der Ausbilder vom Hamburger Ruderverein an den Teichwiesen.

Rudern ist ein Mannschaftssport

Anders als beim Paddeln im Schlauchboot kann man nicht einfach einsteigen und losfahren. Wer richtig rudern will, muss einen mehrere Wochen dauernden Kurs besuchen. Und das aus gutem Grund, sagt auch Rudolf Löffler, Jugendtrainer beim Dresdner Ruder Club 1902. Schließlich sei Rudern ein Mannschaftssport, das vergäßen viele. Deshalb sei eine Ausbildung unverzichtbar, um im Boot Spaß zu haben.

Üben wie beim Tanzkurs

Zu Beginn gelte es stets, den Bewegungsablauf korrekt einzuüben, erklärt Kathrin Fister, die bei der Wassersportabteilung des Hochschulsport-Fördervereins in Hamburg die Sparte Rudern leitet. Die motorische Herausforderung besteht darin, die vielen kleinen aufeinanderfolgenden Bewegungen zu koordinieren und zu verinnerlichen, aus denen sich eine komplette Ruderbewegung, der Durchzug, zusammensetzt. «Das ist wie bei einem Tanzkurs: Man muss erst mühsam die Schritte lernen, bevor man tanzen kann», sagt Fister.

Voraussetzung: schwimmen können

Grundsätzlich kann laut Dietrich aber jeder Rudern lernen. Die Voraussetzungen sind gering. Mehr als schwimmen muss man nicht können. Und ein wenig Kondition und Kraft schadet natürlich nicht. Ein Muskelberg muss der angehende Ruderer aber keineswegs sein. Statt schierer Kraft sind im Kurs Feinmotorik und Mitdenken gefragt.

Frauen lernen rudern schneller

«Deshalb bekommen es Frauen zunächst oft besser hin, einfach weil sie besser zuhören», sagt Balthasar Iblher vom Alster-Ruderverein Hanseat in Hamburg. Männer begingen oft einen Kardinalsfehler: Sie versuchten, technische Fehler mit Kraft auszugleichen und verlieren dabei die Balance. «Und dann liegt man schnell mal im Wasser.»
Berliner Wasserbetriebe (3)
© Berliner Wasserbetriebe

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Anfänger starten in breiten Booten

Deshalb lässt Carsten Dietrich die Anfänger bei den ersten Ausfahrten im März zunächst auf den ruhigen Alsterkanälen in ein stabiles Vierer-Gig-Boot steigen. Er deutet auf ein altes, etwas abgewetztes Exemplar. «Wir nehmen anfangs solche Doppelkielboote, die liegen wie eine Barke im Wasser, da passiert gar nichts.» Im Lauf der Kurswochen dürfen die Neulinge dann auf immer schmalere, schnittigere und technisch weiter entwickelte Boote umsteigen - als Belohnung für Lernfortschritte und als zusätzlicher Anreiz.

Wander-Rudern auf der ganzen Welt

Mit dem Voranschreiten des Frühlings werden die Ausfahrten im Ruderverein an den Teichwiesen immer länger - bis die Ruderschüler irgendwann im Mai die Außenalster erreichen. Bei einer längeren Abschlussfahrt können diejenigen, die weitermachen wollen, schließlich den eigentlichen Reiz dieser Sportart kennenlernen, sagt Dietrich: das Wanderrudern. Denn wer den Kurs erfolgreich absolviert hat, könne im Grunde überall auf der Welt Wanderfahrten buchen. Der Arbeitsplatz bleibt immer der gleiche.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 5. August 2009