Corona-Bilanz: Gastgewerbe und Handel vermissen Perspektive

Corona-Bilanz: Gastgewerbe und Handel vermissen Perspektive

Ein Jahr nach den ersten Schließungen in der Corona-Krise wollen Händler und Gastronomen in Berlin und Brandenburg möglichst rasch wieder vollständig öffnen.

Coronavirus - Lockerungen Einzelhandel

© dpa

Kundinnen und Kunden stehen vor einer H&M-Filiale in einer Schlange vor dem Eingang. Viele Einzelhändler bieten nach einem wochenlangem coronabedingten Lockdown mit "Click & Meet" ein neues Konzept an, das Einkaufen mit Termin möglich macht.

«Rund ein Drittel der Hotels sind aktuell geschlossen, die Gastronomie innen komplett», sagte Thomas Lengfelder der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands in der Hauptstadt. Es sei die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. «Leider signalisiert uns die Politik auch noch keinerlei Perspektiven.» Der Handel sprach vom «Staatsversagen» im Kampf gegen die Pandemie.

Hälfte der 100 000 Branchenbeschäftigten in Kurzarbeit

Wie viel Schaden die erzwungene Schließung der Betriebe tatsächlich schon angerichtet hat, lässt sich noch nicht beziffern. Für viele Unternehmer ist bis Ende April die Pflicht ausgesetzt, bei Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag zu stellen. «Rund ein Viertel beschäftigt sich jedoch mit der Geschäftsaufgabe», erklärte Lengefelder. Von einst 100 000 Branchenbeschäftigten sei gut die Hälfte in Kurzarbeit, etwa 15 000 hätten ihre Arbeitsplätze verloren. Hotels dürfen nur Geschäftsreisende empfangen, Restaurants nur außer Haus verkaufen, Bars, Kneipen und Clubs sind geschlossen. 2020 hat sich der Branchenumsatz laut Amt für Statistik in Berlin halbiert, in Brandenburg sank er um ein Drittel.

Nils Busch-Petersen: «Click & Meet ist und bleibt Kokolores.»

Unter strengen Auflagen darf seit einigen Tagen aber der Handel wieder öffnen. Vielfach ist ein Kunde oder eine Kundin je 40 Quadratmeter die Grenze, für den Besuch vieler Geschäften ist ein Termin notwendig. «Click & Meet ist und bleibt Kokolores», sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, nach der ersten Woche mit dem Konzept. «In den meisten Fällen hat sich das nicht gerechnet.» Es sei eine Lockdown-Verlängerung durch die Hintertür.

Schuh- und Bekleidungsgeschäfte besonders betroffen

Vor allem getrieben durch starke Zuwächse im Lebensmittel- und Online-Handel hatte die Branche 2020 ein leichtes Umsatzplus erzielt. Weit mehr als die Hälfte der von Schließungen betroffenen Händler hat nach Verbandsangaben jedoch Existenzsorgen. Es gebe die ersten Abmeldungen, die Rechtsabteilung des Verbands berate zunehmend Händler mit Fragen zum Personalabbau. Vor allem Schuh- und Bekleidungsgeschäfte litten. «Das Eigenkapital schmilzt dahin, viele verzehren ihre Altersvorsorge.»

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 15. März 2021