Ascona: Aufruhr im Luxusresort

Ascona: Aufruhr im Luxusresort

Der Ort am Lago Maggiore gefiel sich erst als Sehnsuchtsort für Aussteiger und dann als Luxusziel für Ältere. Mit viel Getöse ist längst moderner Lifestyle eingezogen - und provoziert Widerspruch.

Ascona

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Fast schon Italien: Ascona liegt direkt am Lago Maggiore, der zum größeren Teil bereits dem Nachbarland gehört.

Der Urlaubsort Ascona am Lago Maggiore im Schweizer Tessin hat bereits mehrere Renaissancen hinter sich. Das einstige Fischerdorf am Fuße des Monte Verità, auf dem Aussteiger am Anfang des 20. Jahrhunderts eine Kolonie für Weltverbesserer, Vegetarier und Anhänger der freien Liebe gründeten und danach als Paradies für wohlhabende Ruheständler bekannt war, hat sich vor ein paar Jahren wieder ein neues Image verpasst.
Ascona
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Südliches Flair in Ascona

Lifestyle statt Beschaulichkeit

Mit der Eröffnung trendiger Restaurants und Bars kam auch das Partyvolk. Dabei ging es viel um Lifestyle: Die Läden waren voll, obwohl die Preise hoch, die Portionen klein und manche Gerichte mittelmäßig waren. «Grandissimo!» jubelte das Partyvolk - «nervend» fanden es manche Rentner. Inzwischen ist der Gegenwind abgeflaut und die «Perle des Lago Maggiore» döst wieder ein bisschen vor sich hin.
Land: Schweiz
Einwohner: 5500
Sprache: Italienisch, Deutsch, Französisch, Rätoromanisch
Währung: Schweizer Franken
Zeitzone: MEZ
Flugzeit ab Berlin: ca. 1h 45min

Reis und Merlot aus Ascona

Hinter der Postkartenidyll-Fassade werden auch andere Asconeser immer experimentierfreudiger. So legten sie für ihr geliebtes Risotto im Delta des aus dem urwüchsigen Maggia-Tal kommenden Gebirgsflusses eines der nördlichsten Reisfelder der Welt an. Der Weinmacher Angelo Delea wiederum baute als erster Tessiner-Weine in französischen Barrique-Fässern aus und produziert so heute große Merlots.
Ascona
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Die Musik füllt die Gassen - das Jazz-Festival gehört zu Asconas jährlichen Programm-Höhepunkten.

Aussteiger auf dem Monte Verità

Wem der neue Trubel zu viel wird, flüchtet auf den Monte Verità. Dort hat um 1900 herum der belgische Industriellensohn Henri Oedenkoven eine Kolonie gegründet, deren Mitglieder gerne nackt über die Wiesen des 300 Meter hohen Bergs tanzten. Heute herrscht rund um das in einem Zen-Garten gelegene Teehaus magische Ruhe. Hoch über Ascona und den Brissago-Inseln im silbrig schimmernden Lago Maggiore ist auf dem «Berg der Wahrheit» Platz für alle: die Aussteiger, die Rentner und das neue Lifestyle-Publikum.

Karte

Quelle: dpa/Berlin.de

| Aktualisierung: 16. August 2016

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