Lübeck: Unesco-Erbe im Weihnachtsrausch

Lübeck: Unesco-Erbe im Weihnachtsrausch

Familienweihnachtsmarkt, Märchenwald und Kunsthandwerk im Krankenhaus: Lübeck wird zum vorweihnachtlichen Gesamtkunstwerk.

Lichterketten am Holstentor

© dpa

Wenn das Holstentor strahlt: Das Wahrzeichen Lübecks ist für den Bummel über die Weihnachtsmärkte der Stadt ein guter Ausgangspunkt.

Lübeck im Advent: Die Bäume neben dem Holstentor tragen glitzernde Lichterketten. An der Obertrave gegenüber der berühmten Salzspeicher backen Kinder auf dem Familienweihnachtsmarkt mit Begeisterung Plätzchen. Rund um das Rathaus duftet es nach Waffeln, Punsch und Bratwurst. Auf dem Koberg neben der Seefahrerkirche St. Jakobi dreht ein bunt beleuchtetes Riesenrad gemächlich seine Runden. Acht Weihnachtsmärkte gibt es auf der rund zwei Quadratkilometer großen Altstadtinsel. Gefühlt jedoch ist das Unesco-Weltkulturerbe Lübeck ein einziger großer Weihnachtsmarkt.

Adventsleuchten Ende November
Familienweihnachtsmarkt in Lübeck
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Blick auf den Familienweihnachtsmarkt

Offiziell eröffnet wird das vorweihnachtliche Gesamtkunstwerk mit dem «Adventsleuchten». Nach einem Familiengottesdienst in St. Marien ziehen große und kleine Gottesdienstbesucher in einer Lichterprozession durch die Stadt zur Petrikirche, wo der Nikolaus die Kinder mit Süßigkeiten beschenkt.
Die Kulisse der mittelalterlichen Altstadt mit ihren Giebeln, Gängen, Höfen und den mächtigen Backsteinkirchen weckt Erinnerungen an altmodische Adventskalender und verleiht der «Weihnachtsstadt Lübeck» ihren besonderen Reiz. So erstreckt sich gleich hinter dem mächtigen Holstentor am Ufer der Obertrave der jüngste der Lübecker Weihnachtsmärkte: das Weihnachtswunderland.

Familienweihnachtsmarkt am Holstentor
Mecklenburger Bucht
© Christian Spannagel/ Creative Commons

Lübeck

In weißen Pagodenzelten gibt es eine Bastelwerkstatt, eine Weihnachtsbäckerei, und auf einer Eisbahn können Kinder auf Schlittschuhen ihre Runden drehen. Am großen Wunschbaum können Weihnachtswünsche verewigt werden - in der Hoffnung, dass sie in Erfüllung gehen.

Märchenwald zu Füßen der Marienkirche

Ein Klassiker für Kinder in der Vorweihnachtszeit ist seit über 50 Jahren der Märchenwald zu Füßen der Marienkirche. In etwa 20 kleinen Häuschen gibt es bewegliche Märchenbilder zu bestaunen. Da lässt Rapunzel ihr Haar herunter, König Drosselbart reckt sein markantes Kinn in den Himmel, und Rotkäppchen findet statt der Großmutter den bösen Wolf in deren Bett.

Ältester Lübecker Weihnachtsmarkt
Mecklenburger Bucht
© Achim Bodewig/ Creative Commons

Hansestadt Lübeck

Der älteste Lübecker Weihnachtsmarkt ist der auf dem Markt, der 1648 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Hier gibt es Süßigkeiten von Mandeln über Schmalzkuchen bis zu bunten Zuckerstangen, dazu Spielzeug, Christbaumschmuck und kleine Geschenke. Über den gesamten Markt mit seinen Budengassen spannt sich ein glitzerndes Lichtnetz.
Den Reiz der Vorweihnachtszeit in der Hansestadt hat auch Thomas Mann in seinem Roman «Buddenbrooks» beschrieben. «Schon war es Weihnacht draußen in der Stadt», heißt es in dem 1901 erschienenen Roman. Und weiter: «In den Schaufenstern prangten die Weihnachtsausstellungen. Um den hohen gotischen Brunnen auf dem Marktplatze waren die bunten Belustigungen des Weihnachtsmarktes aufgeschlagen. Und wo man ging, atmete man mit dem Duft der zum Kauf angebotenen Tannenbäume das Aroma des Festes ein.»

Literaturmuseum Buddenbrookhaus
Mecklenburger Bucht
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Lübeck im Dezember

Das Literaturmuseum Buddenbrookhaus bietet an den Adventswochenenden literarische Abende zum Thema «Weihnachten bei Buddenbrooks» an. Dazu gehören ein Stadtspaziergang zu Originalschauplätzen des Romans, eine Lesung aus dem Weihnachtskapitel der «Buddenbrooks» und das im Roman beschriebenen Weihnachtsmenü.

Kunsthandwerkermarkt im Heilig-Geist-Hospital

Der wohl berühmteste Weihnachtsmarkt der Stadt ist der Kunsthandwerkermarkt im Heilig-Geist-Hospital, einer aus dem 13. Jahrhundert stammende Anlage. Elf Tage lang bieten Aussteller aus ganz Deutschland, Skandinavien, dem Baltikum und weiteren europäischen Ländern bis zum Nikolaustag ihre Arbeiten an. In den kleinen Kabäuschen, wo noch bis in die 1960er Jahre hinein alte Menschen wohnten, kann man Handwerkern bei ihrer Arbeit zuschauen. Seit 1968 veranstaltet der Verein Frau und Kultur den Markt, der jährlich rund 50.000 Besucher anzieht. Der Erlös ist stets für soziale Zwecke bestimmt.

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 4. August 2016