Barcelona: Wo Kinofilme lebendig werden

Barcelona: Wo Kinofilme lebendig werden

Filmemacher lieben Barcelona: Über 100 Kinofilme werden pro Jahr in der spanischen Stadt gedreht. Eine Tour auf den Spuren von Pedro Almodóvar, Tom Tykwer und Woody Allen.

  • Filmreifes Barcelona© dpa
    Bekannt aus «Das Parfüm»: Die Herbosteria del Rey, das älteste Reformhaus Barcelonas, verwandelten die Dekorateure des Filmteams in das Geschäft des Parfümeurs Baldini.
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    Beliebt bei Touristen wie Regisseuren: Das Dach der Casa Mila wählte Woody Allen für eine Szene seines Films «Vicky, Cristina, Barcelona».
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    Fotogene Kulisse: Auch Woody Allen und Pedro Almodóvar schätzten den Parc Güell als Hintergrund für ihre Filme.
Wer durch Barcelona schlendert, stößt überall auf Schauplätze, die er aus dem Kino kennt. Pedro Almodóvar, Tom Tykwer, Penélope Cruz, Javier Bardem, Dustin Hoffmann, Scarlett Johannson und Woody Allen: Sie alle haben hier schon Filme gedreht.
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Barcelonas Barrio Gótico

Barcelona: Drehort von 100 Filmen pro Jahr

«Ich möchte Sie heute auf eine ganz besondere Stadtführung einladen», hebt Reiseführerin Cristina Belenguer an. «Regisseure haben häufig einen guten Blick für schöne, interessante, aber nicht immer unbedingt offensichtliche Dinge», erklärt die Katalanin. «Deshalb wollen wir heute Barcelona mal ganz neu kennenlernen, und zwar anhand der beliebtesten Drehorte großer Filmemacher.»

Kulisse aus allen wichtigen Architekturstilen

In Barcelona befinden sich von der Romanik über die Gotik bis zur Postmoderne einfach alle wichtigen Architekturstile, die sich ein Regisseur nur wünschen kann, sagt Belenguer. Deshalb werden in Barcelona jährlich bis zu 100 Kinofilme, Fernsehserien und Werbespots gedreht.
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Plaça del Duc de Medinaceli

Der Startpunkt der Tour, die Kolumbusstatue, diente Pedro Almodóvar in seinem Film «Alles über meine Mutter» ebenfalls als erste Kulisse. Über den Passeig de Colom geht es zu Fuß zur nahen Plaça del Duc de Medinaceli. In der Mitte sprudelt ein Neptunbrunnen. Der niedliche Platz ist umgeben von prachtvollen, aber heruntergekommenen Häuserfassaden.

«Das Parfüm» von Tom Tykwer

Belenguer holt die Fotos der Filmszene aus «Alles über meine Mutter» heraus. «Erinnern Sie sich an diese Szene? Hier trifft Penélope Cruz als ehemalige Nonne zum ersten Mal ihren an Alzheimer erkrankten Vater, der mit seinem Hund über den Platz spazieren geht.» Belenguer führt ihre Gruppe weiter durch eine enge Altstadtgasse zur Plaça de la Mercè. «Können Sie sich vorstellen, wie es hier gestunken haben muss, als auf dem riesigen Platz rund zwei Tonnen stinkender Fisch auf dem Boden verteilt wurden?», fragt sie in die Runde.
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Auf der Plaça de la Mercè inszenierte Tom Tykwer in «Das Parfüm» die Geburtsstätte des Frauenmörders Jean-Baptiste Grenouille.

Der Übeltäter war Starregisseur Tom Tykwer, Anlass war die Verfilmung des Bestsellers «Das Parfüm». Tykwer brauchte den Fisch, um die Plaça de la Mercè glaubhaft in einen stinkenden mittelalterlichen Markt umzuwandeln, die Geburtsstätte des Geruchgenies und späteren Frauenmörders Jean-Baptiste Grenouille. Wer genau hinschaut, erkennt die Kirchenwände im Film wieder und sieht, dass einige der modernen Fassaden mit ihren Elektrokabeln verdeckt wurden.

Fast alle Stadtszenen aus «Das Parfüm» wurden in Barcelona gedreht. Tykwer musste die Plätze, verwinkelten Gassen und arkadengesäumten Alleen kaum verändern, um das Paris und das Grasse des 18. Jahrhunderts nachzustellen.
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Bekannt aus «Das Parfüm»: Die Herbosteria del Rey, das älteste Reformhaus Barcelonas

Das Geschäft des Parfümeurs Baldin

Über die schöne Plaça del Rei, die im Mittelalter als Arena für Stierkämpfe und Hexenverbrennungen diente, führt Belenguer ihre Gruppe zu einem Laden, den man alleine niemals finden würde. Die Herbosteria del Rey, das älteste Reformhaus der Stadt, stellte in «Das Parfüm» das Geschäft des Parfümeurs Baldini dar. Über die Carrer de Ferran und die Carrer del Bisbe geht es weiter bis zur Plaça de Sant Felip Neri. Es ist der gleiche Weg, den auch Jean-Baptiste Grenouille auf der Suche nach dem Mirabellenmädchen nimmt, bevor er es tötet.

Woody Allens «Vicky, Cristina, Barcelona»

Auf den Fotos der Filmszenen lässt sich alles genau wiedererkennen. Den meisten Barcelona-Touristen bleibt der Platz unbekannt, doch auch Woody Allen schätzte ihn als Schauplatz. Hier ließ er in seiner Komödie «Vicky, Cristina, Barcelona» Penélope Cruz und Scarlett Johannson auf der Terrasse des Platzes einen Café con leche trinken.
Land: Spanien
Einwohner: ca. 1,6 Millionen
Sprache: Katalanisch, spanisch
Währung: Euro
Zeitzone: MEZ
Flugzeit ab Berlin: ca. 2h 30min
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Mittelmeer vor der Haustür: Am Stadtstrand von Barcelona

Nicht weit von hier befindet sich das traditionelle Lokal «Quatre Gats», in dem Allen erstmals Javier Bardem auf Scarlett Johannson treffen lässt. Das «Quatre Gats» hat eine besondere Ausstrahlung, jahrzehntelang trafen sich hier Barcelonas Künstler, Poeten und Intellektuelle. Auch Pablo Picasso war Stammkunde, seine ersten Bilder befestigte er hier mit Heftzwecken an der Wand.

Casa Milla, Park Güell, Sagrada Familia

Doch Barcelona ist natürlich nicht nur das Barrio Gótico, das gotische Altstadtviertel. Allen und Almodóvar schätzten die fantasievollen Architektur-Kunstwerke Antonio Gaudis wie seine Casa Mila, die Sagrada Familia Kirche, das Wahrzeichen der Stadt, oder der Parc Güell als Drehplätze, Tom Tykwer inszenierte im Museumsdorf Poble Espanyol auf dem Stadtberg Montjuïc die große Schlussszene: die Hinrichtung des Mörders, die zur Massenekstase gerät.
«Viele Drehorte waren uns schon bekannt, aber wir kannten die interessanten Anekdoten der Filmdrehs nicht», sagen Neus Callis und Xavier Planas. «Andere Gebäude oder Straßen haben wir in unserem ganzen Leben noch nicht gesehen oder waren uns zumindest nicht bewusst, wie schön sie eigentlich sind. Dabei kommen wir aus Barcelona.»

Karte

Quelle: dpa

| Aktualisierung: 8. August 2016