Erfurt: Einzigartiges Zentrum mittelalterlicher Kultur

Erfurt: Einzigartiges Zentrum mittelalterlicher Kultur

Erfurt hat einen der größten und am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtkerne Europas- und eine einzigartige Brücke.

  • Erfurts Kirchtürme© dpa
    Erfurts bekannteste Kirchtürme: Der Mariendom (links) überragt den Domplatz, gleich daneben steht die gotische Severikirche.
  • Erfurt© dpa
    Der Dom und die Severikirche auf dem Domberg im winterlichen Erfurt
  • Alte Synagoge in Erfurt© dpa
    Die Alte Synagoge in Erfurt (Archivbild von 2010)
Erfurt ist über 1260 Jahre alt und Mittelpunkt einer gewachsenen Kulturlandschaft. Ursprünglich an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen gelegen, hat Erfurt eine reiche Tradition als Luther-, Dom- und Universitätsstadt. Mit nur gut 200.000 Einwohnern ist sie heute eine der kleinsten, aber auch eine der schönsten Landeshauptstädte. Die Stadt hat einen der größten und am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadtkerne Deutschlands. Das Ensemble aus reichen Patrizierhäusern und sorgfältig rekonstruierten Fachwerkhäusern wird überragt von der imposanten Kulisse des Dom St. Marien und der Severikirche.

Erfurts historischer Stadtkern

Morgens um acht geht es ruhig zu in der Altstadt, wo sich am Fischmarkt Bürgerhäuser aneinanderreihen. Am Anger sind bereits etliche Erfurter unterwegs, einige laufen über den Domplatz, aber von Hektik ist keine Spur. Zwei Stunden später ist hier einiges mehr los, an den Marktständen gucken schon Kunden vorbei. Feldgieker und Eichsfelder Stracke gibt es beim Schlachter - Wurstspezialitäten aus dem Norden Thüringens. An einem der Stände steigt Rauch auf: Es gibt hier Original Thüringer Bratwurst.
Mariendarstellung im Dom
© dpa

Mariendarstellung im Dom

Erfurts Domplatz wirkt so überdimensioniert, als sei den Stadtplanern am Zeichentisch der Stift verrutscht. Auch die Domtreppen sind erstaunlich breit. Jeden Sommer gibt es hier die DomStufen-Festpiele. Der Dom wirkt auch von innen groß. Einige Fenster sind 18 Meter hoch, und es gibt ein überdimensionales Bild des heiligen Christophorus. Als ungewöhnlich gilt der Wolfram-Leuchter aus der Romanik um 1160, eine menschliche Figur, deren erhobene Arme zwei Kerzen halten.

Luther, Bach und Goethe in Erfurt

Als wirtschaftliches und geistiges, kulturelles und politisches Zentrum Thüringens zog Erfurt im Lauf der Jahrhunderte viele bekannte Persönlichkeiten an: Martin Luther, Adam Ries, Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Wilhelm von Humboldt, Johann Sebastian Bach, Zar Alexander I. und Napoleon Bonaparte. Daran erinnernde Bauten, wie das Augustinerkloster oder der Kaisersaal, wurden rekonstruiert und vermitteln einen würdigen und lebendigen Umgang mit der Geschichte.
Renaissance-Fassade in Erfurt
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Renaissance-Fassade in Erfurt

Das Collegium Maius ist eines der ältesten Häuser der Stadt. Es ist das ehemalige Hauptgebäude der Universität, die 1392 gegründet wurde und damit eine der ältesten im deutschsprachigen Raum war. Luther hat in Erfurt Jura studiert. Die Uni wurde allerdings 1816 von den Preußen geschlossen - und erst 1994 wiedergegründet. Im Augustinerkloster versuchte Luther sich als Mönch. Erfurt hatte damals drei Bettelorden: Aber vor Dominikanern und Franziskanern gefielen Luther die Augustiner am besten, wegen ihrer strikten Regeltreue und ihres "Studiums fundamentale" - Luther konnte bei ihnen Hebräisch und Griechisch lernen. In Erfurt wurde der spätere Reformator zum Priester geweiht und las im Augustinerkloster seine erste Messe.

Einzigartig: Die Krämerbrücke in Erfurt
Krämerbrücke in Erfurt
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Krämerbrücke in Erfurt

Unbedingt Zeit nehmen sollte man sich für einen Bummel über die Krämerbrücke, dabei zeigt sich Erfurt von seiner besten Seite: Im 14. Jahrhundert wurde sie aus Stein errichtet, 32 kleine Häuser gibt es auf ihr. Sie erinnert ein bisschen an die Ponte Vecchio in Florenz. Abends lohnt sich ein Abstecher auf die Zitadelle Petersberg. Von der ehemaligen Festung aus lässt sich die Stadt samt ihrer vielen Kirchen gut überschauen.
Lokale Spezialitäten Erfurts sind das Martinshörnchen, das neben der Martinsgans traditionell am 10. November, dem Martinstag verzehrt wird, und der Stollen, der sowohl bei den Einheimischen als auch bei den Gästen unter der Bezeichnung "Erfurter Schittchen" zur Weihnachtszeit beliebt ist.

Feste, Bach-Wochen und ein großer Garten

Museen, Galerien und Bühnen bieten das ganze Jahr über Veranstaltungen an. Die ega ist als Garten- und Freizeitpark der größte Garten Thüringens und beherbergt neben zahlreichen Ausstellungshallen das einzige Gartenbaumuseum Deutschlands. Die Thüringer Bach-Wochen, das Honky-Tonk-Kneipenfestival, das Krämerbrückenfest als größtes Mittelalterfest Thüringens, die Erfurter Kirchenmusiktage, das Martinsfest und die bekannten Open-air- Domstufenfestspiele sind Höhepunkte des alljährlichen Veranstaltungskalenders. Der Erfurter Weihnachtsmarkt mit einer über 150-jährigen Tradition zählt wegen der romantischen Kulisse zu den schönsten Weihnachtsmärkten Deutschlands.

Karte

Anreise nach Erfurt:

Berlin-Erfurt mit der Bahn:
Die Bahnfahrt von Berlin nach Erfurt dauert ca 2,5 Stunden.

Anreise ab Berlin mit dem Auto:
Von Berlin auf die A10 Richtung Brandenburg. Von dort weiter auf die A9 Richtung München. Dann auf die A4 Richtung Frankfurt a.M./Erfurt/Jena. Von dort weiter auf die L1056 in Richtung Erfurt-Vieselbach/Sömmerda/Mönchenholzhausen. Schließlich von hier weiter auf die B7 bis nach Erfurt.

Quelle: Berlin.de/dpa

| Aktualisierung: 14. Juli 2016

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