Johannesburg: Mit dem Rad durchs Township

Johannesburg: Mit dem Rad durchs Township

Abenteuer ohne Gefahr: Die Township Soweto kann per Fahrrad-Tour erkundet werden. Aber auch der Rest von Johannesburg ist einen Zwischenstop wert.

Radtour durch Soweto

© dpa

Die Radtour durch Soweto führt unter anderem an etlichen Barackenunterkünften vorbei.

Es gab eine Zeit, da verschaffte allein die Erwähnung des Ortsnamens vielen Touristen eine Gänsehaut: Soweto. Der Hüttenmoloch hinter den Goldminen am Rande von Johannesburg. Die größte Armensiedlung Afrikas. Ein Ziel für Reisende, «die es lieben, ausgeraubt, erschlagen und gegessen zu werden», wie es ein britischer TV-Moderator beschrieb. Doch heute lässt sich Soweto, das inzwischen offiziell zum Stadtgebiet gehört, bei organisierten Ausflügen sicher erkunden, mit dem Reisebus, aber noch besser bei Fahrradtouren.
Soccer City in Johannesburg, Südafrika
© dpa

Fußballstadion "Soccer City" bei Soweto.

Hier schlägt das Fußball-Herz

Allein schon, weil im «SOuth WEstern TOwnship» die Wiege des Befreiungskampfes gegen das Apartheidregime stand, sollte Soweto zu einem Besuchsprogramm gehören. In diesem riesigen Sammelsurium aus 29 Ortsteilen schlägt aber auch das Fußballherz Südafrikas noch deutlich lauter als anderswo.
Radtour durch Soweto
© dpa

Straßenfußballer in Soweto

Gäste aus aller Welt

«Fußball war der Sport der Schwarzen und Farbigen», erzählt Lebo Malepa. «Die Weißen standen mehr auf Rugby.» Schon vor einigen Jahren begann er, Zimmer an abenteuerlustige Rucksacktouristen zu vermieten. Inzwischen steigen Reisende jeden Alters und aus aller Welt bei ihm ab.
Radtour durch Soweto
© dpa

Willkommen in Soweto!

Auf Sandwegen vorbei an Wellblechhütten

Jeden Vormittag herrscht hier reges Treiben: Luftpumpen pfeifen, Schutzhelme werden angepasst für die «Soweto Bicycle Tour». Wenige Kilometer entfernt ragt am Rande Sowetos «Soccer City» empor, Afrikas größtes Stadion. Die Radtour führt vorbei an Baracken, in denen einst Arbeiter der Goldminen fast wie Sklaven untergebracht waren. Über Sandwege geht es durch die Hüttensiedlungen. Wellblechdächer und zerbröckelnde Wände aus Lehm und Pappe sind zu sehen sowie klitzekleine Vorgärten mit dünnen Drähten als Zäunen, ein paar Gemüsebeeten und Hühnern.
Land: Südafrika
Einwohner: 960.000
Sprachen: Englisch, Zulu, Afrikaans
Währung: Südafrikanischer Rand
Zeitzone: MEZ
Radtour durch Soweto
© dpa

In Soweto

«Euch Radler finden wir gut»

Und es gibt verstohlene, ja ärgerliche Blicke. So mancher will nicht begafft werden in seiner Armut. Doch es überwiegen die freundlichen Gesichter. Bei vielen Stopps umringen Kinder die Radfahrer. Alle sind neugierig, selten wird gebettelt. «Euch Radler finden wir gut», sagt eine Frau mit einem Baby auf dem Arm. «Ihr haltet mal an, gebt einem die Hand, redet mit uns, kauft auch mal einen Drink oder ein paar Nüsse. Andere rollen in Bussen vorbei als wären wir ein Safari-Park.» Die letzte Etappe der Radtour führt zum Walter Sisulu Square, benannt nach einem der wichtigsten Gefährten Nelson Mandelas im Kampf gegen die Apartheid.
Südafrika will Geschäftsreisende anlocken
© dpa

Blick auf die Innenstadt von Johannesburg.

Kein klassisches Touristenziel

Ein klassisches Touristenziel ist Johannesburg zwar nicht. In der Innenstadt gibt es aber einige sehenswerte Art-Déco-Gebäude und moderne Architektur. Gold Reef City - ein Vergnügungspark rund um eine ehemalige Mine - und das Apartheid Museum sind ein ebenso beliebtes Reiseziel wie die Johannesburg Art Gallery. Auch das Market Theatre mit Theatern, Galerien, Restaurants und Jazzclub sind einen Besuch wert. Interessant ist Johannesburg in erster Linie als Zwischenstopp: Von dort aus gelangt man schnell nach Kapstadt, Durban und zum berühmten Krüger-Nationalpark.

Karte

Fotostrecke:

  • Tembe Elephant Park und Kosi Bay© dpa
    Südafrika, Land der Vielfalt

Quelle: dpa/Berlin.de

| Aktualisierung: 4. August 2016