Usedom Radweg: Die Lyonel Feininger Tour

Usedom Radweg: Die Lyonel Feininger Tour

Eine Radtour zu Motiven des Malers Lyonel Feininger auf Usedom verbindet Fahrrad fahren mit Kunst.

Swinemünde an der polnischen Ostseeküste

© Antje Kraschinski

Ein Feininger Motiv: Die elf Meter hohe Bake in Form einer Windmühle an der Mole von Swinemünde.

Fahrradfahren in Mecklenburg-Vorpommern und auf der Ostseeinsel Usedom ist sehr beliebt, dank gut ausgebauter Radwege und ausgeschilderter Radtouren. Ein ganz besonderer Radweg ist die Lyonel Feininger Tour auf Usedom: Auf über 50 Kilometern Länge verbindet sie Radeln mit moderner Kunst.

Der weltberühmte Maler Lyonel Feininger reiste ab 1908 immer wieder nach Usedom. Er war ein produktiver Maler und entwickelte in dieser Zeit seinen persönlichen Stil. Insgesamt zeigen rund 80 seiner abstrakten Gemälde Motive auf der Insel Usedom, viele dieser Bilder hängen in Museen auf der ganzen Welt. Ob das wohl jemand geahnt hat, der den Maler vor 100 Jahren mit Skizzenblock in der Hand malen sah, eine Kirche, eine Landschaft oder ein paar Segelboote, irgendwo zwischen Benz, Heringsdorf und Swinemünde?

Erst Karikaturist, dann Kunstmaler

Lyonel Charles Adrian Feininger wurde 1871 als Sohn deutscher Musiker in New York geboren und kam als junger Mann nach Deutschland. Zuerst war er als Karikaturenzeichner für amerikanische Zeitungen tätig, im Alter von 36 Jahren begann er mit der Malerei. Er schloss sich der fortschrittlichen Künstler-Bewegung "Berliner Secession" an, 1919 wurde er in das neu gegründete Bauhaus nach Weimar berufen.
Lyonel Feininger Gemälde
© dpa

Das Gemälde "Tor-Turm I" aus dem Jahr 1923 von Lyonel Feininger.

Lyonel Feininger gilt heute als einer der bedeutendsten Vertreter der Klassischen Moderne. Er malte stark abstrahiert und sein markanter Stil beeinflusste viele Künstler seiner Zeit. Berühmt geworden sind seine Bilder von Kirchen und Dorfkernen des Weimarer Umlandes in Thüringen, wohin er sich zwischen 1906 und 1937 immer wieder für Arbeits- und Studienaufenthalte begab. Die Bilder sind meist nach den jeweiligen Ortschaften benannt und durchnummeriert.

Nachdem die Nazis 1933 in Deutschland an die Macht kamen, erklärten sie Feiningers Bilder zur entarteten Kunst, schließlich kehrte Feininger 1937 in die USA zurück. Bis zu seinem Tod im Jahr 1956 lebte er in New York als angesehener Künstler.

"Ich bin inmitten der Motive, die ich mag und die mich inspirieren."
Feininger Radweg
© Antje Kraschinski / BerlinOnline

Bei Swinemünde an der Ostseeküste biegt eine Radfahrerin auf den Lyonel Feininger Radweg ein.

Im Mai 1908 reiste Feininger das erste Mal nach Usedom. Der passionierte Radfahrer erkundete die Insel auf zwei Rädern und fand in Orten und Landschaften Motive für zahlreiche Werke in unterschiedlichen Techniken. In den folgenden 10 Jahren erkundete Usedom immer wieder und begab sich von Heringsdorf, Neppermin oder Benz aus erfolgreich auf Motivsuche. Im Jahre 1912 schrieb er in einem Brief über Usedom: „Ich denke, ich werde hier etwas schaffen. Ich bin inmitten der Motive, die ich mag und die mich inspirieren."

56 Kilometer Radweg mit 43 Bronzetafeln
Feininger Radweg
© Antje Kraschinski / BerlinOnline

Markierung am Lyonel Feininger Radweg in Swinemünde an der Ostseeküste.

Welche Motive das waren und wie der Maler sie gesehen hat, können Besucher heute mit dem Fahrrad auf der Lyonel Feininger Tour erleben. Im Mai 2009 -zum 101. Jahrestag des ersten Besuches von Feininger auf der Insel- wurde der ausgeschilderte Künstler-Radweg feierlich eröffnet. Die 56 Kilometer lange Lyonel Feininger Tour verbindet Orte, an denen Feininger gemalt hat. 43 Bronzetafeln markieren die Standorte, von wo aus der Maler sein jeweiliges Motiv sah und skizzierte. Radfahrer nehmen so die Perspektive Feiningers ein, sei es bei der Windmühle in Benz, an der Mole von Swinemünde oder bei der Villa Oppenheim in Heringsdorf.

Feininger- Bilder im Museum in Greifswald
Usedom
© Karl-Heinz-Liebisch/ www.pixelio.de

Windmühle bei Benz

Zuletzt wurde im Mai 2010 ein weiteres Teilstück des Feininger-Radweges eröffnet. Es verbindet auf rund vier Kilometern Länge die Orte Neppermin, Benz und Sallenthin. Zu Feiningers Hauptmotiven gehörte auch die Kirche in Benz. Eine Zeichnung der Holländer- Windmühle bei Benz ist im Besitz der Familie Rockefeller und stellt die erste bildliche Darstellung des heutigen Denkmals dar.

Wer nach der Radtour Lust hat, Originalgemälde von Feininger zu betrachten, braucht nur etwas nach Westen zu fahren. Viele seiner Werke sind im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald ausgestellt.

Anreise nach Benz auf Usedom:

Mit dem Auto
Von Berlin auf die A10 Richtung Frankfurt O./Prenzlau. Dort weiter auf die A11 Richtung Stettin/Prenzlau/Bernau-Süd. Bei Kreuz Uckermark weiter auf die A20 Richtung Stralsund/Prenzlau. Danach weiter auf die B199 Richtung Burow. Von hier schließlich weiter auf die B110 und bis nach Usedom/Anklam fahren.

Mit der Bahn ab Berlin
Von Berlin mit der Regionalbahn bis Züssow, dort stündlich Anschluss an die Züge der Usedomer Bäderbahn UBB bis Bansin. Von dort mit Bus, Taxi oder nach Benz. Oder von Berlin bis Anklam, dort umsteigen und weiter nach Benz.

Mit dem Flugzeug:
Usedom hat einen eigenen Flugplatz bei Zirchow.

Fotostrecken:

Usedom: Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin

  • Ahlbeck auf Usedom© Antje Kraschinski / BerlinOnline
    Ahlbeck auf Usedom
  • Ahlbeck auf Usedom© Antje Kraschinski / BerlinOnline
    Ahlbeck auf Usedom
  • Ahlbeck auf Usedom Seebrücke© Antje Kraschinski / BerlinOnline
    Ahlbeck auf Usedom Seebrücke

Usedom

  • Usedom Fischerboote© Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern/Neumann
    Usedom Fischerboote
  • Usedom Ahlbeck© dpa
    Usedom Ahlbeck
  • Usedom© detlef menzel - Fotolia.com
    Usedom

Winter auf der Insel Usedom

  • Usedom Ahlbeck im Winter© picture alliance / dpa
    Usedom Ahlbeck im Winter
  • Usedom Ahlbeck im Winter© picture alliance / dpa
    Usedom Ahlbeck im Winter
  • Usedom Ahlbeck im Winter© picture alliance / dpa
    Usedom Ahlbeck im Winter

Quelle: Antje Kraschinski /BerlinOnline

| Aktualisierung: 20. Januar 2011

Mehr zum Thema

Usedom & Vorpommern